Die Zahl der Feminizide steigt weltweit

Sevinc Sönmez

Auch wenn die Zahl der Morde global rückläufig ist, bleibt die Zahl der Morde an Frauen weltweit nahezu konstant. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden weltweit täglich 137 Frauen von einem Familienmitglied oder (Ex-)Partner getötet. Das entspricht rund 60 Prozent aller getöteten Frauen weltweit. Die sogenannten Feminizide ziehen sich durch alle Altersgruppen, Bildungs-, und Gesellschaftsschichten, Beziehungsarten und Kulturen. Feminizid beschreibt die gesellschaftlichen und politischen Strukturen, in die Frauenmorde eingebettet sind und bezieht eine direkte Verantwortung des Staates ein.

2017 wurden weltweit 87.000 Frauen vorsätzlich getötet, mehr als die Hälfte von ihnen durch einen Partner oder ein anderes Familienmitglied, so eine globale Studie zu Tötungsdelikten der UNO. Asien mit 20.000 und Afrika mit 19.000, gefolgt von Amerika 8.000, Europa 3.000 und Ozeanien mit 300 Ermordungen weisen die höchsten Zahlen von geschlechtsspezifischen Tötungen auf.

Zahlen auch in Europa alarmierend

Auch in Europa ist die Zahl der Feminizide trotz neuer Strafgesetze nach wie vor erschreckend. Laut einer UN-Studie wurden im Jahr 2017 in Europa mindestens 3.000 Frauen von ihren Partnern oder Familienangehörigen getötet. In Italien werden jährlich etwa 100 Frauen, allein 2020 131 Frauen von ihren (Ex-) Partnern getötet. In Großbritannien waren es 139 Frauen im Jahr 2017, die von (Ex-) Partnern getötet wurden. Auch Österreich weist mit insgesamt 11 Feminiziden in diesem Jahr einen hohen Wert im EU-Vergleich auf.

In Deutschland sind im Jahre 2019 267 Frauen getötet worden, weitere 542 haben die Tötungsversuche überlebt. Im Jahr 2018 waren 367 Frauen Opfer einer gewaltsamen Tötung, im Jahr 2017 sogar 380. Dies sind die offiziellen Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) der Kategorien Mord, Totschlag und Körperverletzung mit Todesfolge.

Istanbul-Konvention schützt Frauen!

Auch in Länder wie Polen, Ungarn und Bulgarien, die teilweise Schwangerschaftsabbrüche verbieten und ein Austritt aus der Istanbul-Konvention diskutieren, sterben jährlich mehrere hundert Frauen durch Feminizide. In der Türkei, die ihren Austritt aus der Istanbul Konvention bereits erklärte und durch die starken Proteste der Frauen weltweit für Empörung sorgte, starben laut der Menschenrechtsorganisation TIHV in den letzten 10 Jahren mindestens 2727 Frauen durch Gewalt aufgrund von Geschlechterdiskriminierung. Allein 2020 wurden 284 Frauen von ihrem Ehepartner, ihrer Ex-Partner oder Verlobten getötet. In den ersten vier Monaten 2021 wurden bereits 108 Frauen getötet, der Tod von 74 zusätzlichen Frauen wird vermutet. Trotz verabschiedeter Gesetze und vieler Programme, die zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen entwickelt worden sind, wird das Leben von Frauen und Mädchen immer noch nicht wirksam geschützt.