Peker schickte Geld an Osmanen Germania

Foto: Ekran Görüntüsü

Yücel Özdemir

Der Mafiaboss Sedat Peker setzt seine Enthüllungsvideos fort. Bei dem „Verein in Deutschland“, den der kriminelle Anführer seinem 9. Video angesprochen hat, handelt es sich um den in Deutschland durch ihre kriminellen Machenschaften sowie Drohungen an türkeistämmige Oppositionelle bekannten Motorradclub „Osmanen Germania“. Wegen dieser auch mehrfach von deutschen Geheimdiensten geäußerten Vorwürfe ist der Verein heute in Deutschland verboten.

Sedat Peker führt in seinem Video aus, dem Verein über Metin Külünk, ehemaliger AKP-Abgeordneter, Geld geschickt zu haben. Über Metin Külünk sagt er: „Es gibt Vereine in Deutschland, das sind gute Freunde. Ich mag sie. Er [Metin Külünk, die Übersetzerin] bat mich, ihnen Geld zu senden und ich habe ihnen unter der Hand Geld geschickt“. Es ist zunächst noch nicht bekannt, ob auch über andere AKP`ler Gelder an die Osmanen Germania geflossen sind.

EXPANSION IN KURZER ZEIT

Zunächst im April 2015 als Boxerclub in Frankfurt gegründet, organisierte sich „Osmanen Germania“ neben Deutschland bald auch in anderen europäischen Ländern. Sie hat schätzungsweise 2.500 Mitglieder in ganz Deutschland und 3.500 weltweit. Sie expandierte innerhalb kurzer Zeit und wurde zu einer der kriminellen Organisationen.

Türkische nationalistische Jugendliche, die zuvor als eine Gruppe innerhalb der Hells Angels, auftraten, verließen diese später und wurden Teil von „Osmanen Germania“. Der Verleger Jürgen Roth gibt in seinen Recherchen an, dass die Mitglieder der Osmanen Germania den Grauen Wölfen und der AKP nahe stehen. Es heißt, dass die kriminelle Organisation vor allem junge Männer, die keine schulischen Erfolgsaussichten haben und arbeitslos sind, rekrutiert und sie in kriminellen Machenschaften wie Schmuggel, Drogen- und Frauenhandel einsetzt.

VERFASSUNGSSCHUTZ VERFÜGT ÜBER HINWEISE

Die Beziehungen zwischen Osmanen Germania und Metin Külünk, dem Peker Taschen voller Geld schenkte, war schon mehrfach in den Vordergrund von Ermittlungen gerückt. Külünk, Verantwortlicher für die Auslandsorganisation der AKP, hatte die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), als Lobbyorganisation und Erweiterung der AKP in Europa, als seine politische Heimat auserwählt.

Deutsche Behörden, die Osmanen Germania eng beobachteten, stellten fest, dass Külünk dieser kriminellen Bande Geld gab oder zukommen ließ. Das ZDF-Fernsehen und die Stuttgarter Nachrichten, die die Abhörprotokolle der deutschen Behörden veröffentlichten, berichten, dass Külünk mit der kriminellen Organisation Osmanen Germania in Verbindung stehe, dass er sich mehrmals mit deren Anführern getroffen habe, ihnen Geld gegeben habe und dass mit diesem Geld Waffen gekauft worden seien.

„IHR ZIEL SIND DIE TÜRKEISTÄMMIGEN OPPOSITIONELLEN“

In den Berichten wird behauptet, die deutsch-türkische Osmanen Germania stehe in Verbindung mit der AKP und sei gegen politische Kritiker und Oppositionelle in Deutschland eingesetzt worden. Burkhardt Freier, Chef des NRW-Verfassungsschutzes, sagt gegenüber der Sendung Frontal 21, das Hauptziel der Gruppe seien „türkische Dissidenten“. Sabine Thurau, Chefin des hessischen Verfassungsschutzes, erklärt hierzu, man wisse, dass die Osmanen Germania eine „türkisch nationalistische Gruppe“ sei.

NRW Innenminister Herbert Reul hatte einen Informationsbericht über die Organisation erstellt. Darin hieß es, „Osmanen Germania“, die durch Polizeirazzien gegen organisierte Kriminalität in Deutschland in den Vordergrund von Ermittlungen gerückt sei, werde „von Ankara unterstützt“ und dessen Vorsitzender sei im Oktober 2016 vom Chefberater von Recep Tayyip Erdoğan in Ankara empfangen worden.

„KÜLÜNK ORGANISIERTE DIE DEMONSTRATIONEN“

Laut Berichten des ZDF und der Stuttgarter Nachrichten habe Külünk zeitnah zur Verabschiedung der „Armenien-Resolution“ im Bundestag am 2. Juni 2016 Gegendemonstrationen vor dem Parlament organisiert. Die Ordner der Demo stellten die Osmanen.

Külünk war auch maßgeblich an der Organisation der Kundgebung am 30. Juli 2016 auf der Deutzer Werft in Köln beteiligt, wo der Putschversuch vom 15. Juli des Vorjahres verurteilt wurde. Es war die heiße Phase des türkischen Wahlkampfes und ein deutsches Gericht hatte damals Erdoğan untersagt, sich per Videokonferenz live zu schalten. Külünk wurde die Ehre zuteil, stellvertretend für Erdoğan die Teilnehmer zu begrüßen. Auch bei dieser Demo stellten die Osmanen das Sicherheitspersonal.

IN DEUTSCHLAND VERBOTEN

Nach zunehmender Kritik verbot Bundesinnenminister Horst Seehofer im Juli 2018 den Verein „Osmanen Germania“ und alle ihm angeschlossenen Gruppen. In einer schriftlichen Erklärung des Innenministeriums hieß es, dass der Verein „Osmanen Germania“ eine „schwere Bedrohung“ für Leben, Eigentum, Freiheit und öffentliche Sicherheit im Allgemeinen darstelle. In dem Verbotsbeschluss wurde festgestellt, dass der Zweck und die Tätigkeiten des Osmanen Germania nicht im Einklang der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen würden.

FOTOS MIT PROMINENTEN AKP-MITGLIEDERN

Nach dem Verbot der „Osmanen Germania“ tauchten Berichte auf, dass einige ihrer Mitglieder in die Türkei reisten und eng mit der türkischen Regierung kooperierten. Taner Ay, der Duisburger Chef der Bande, postete auf seinen Social-Media-Accounts Fotos mit bekannten Politikern wie Innenminister Süleyman Soylu, Verteidigungsminister Hulisi Akar, Staatssekräter des Nationalen Geheimdienstes MIT, Hakan Fidan. Zu türkischen Medien sagte Ay: „Unser nächstes Ziel ist es, in die Türkei zu investieren. Wir werden die ersten einheimischen Elektroautos in unserem Land produzieren“.

Wie dieser Fall zeigt, sind AKP`ler, Mafiastrukturen und politische Organisationen wie die UETD sehr eng miteinander verflochten. Der Mafiaboss Peker gibt Teile dieser Strukturen frei, um sich und sein Leben zu schützen. Ob seine Rechnungen aufgehen, werden wir sicherlich bald erfahren.