Drei Monate nach Qosays Tod ruft das Bündnis zur Demo auf

Foto: Ayhan Zeytin / Delmenhorst

Anna Lena Kauf / Delmenhorst

Drei Monate nach dem Tod des 19-jährigen Qosay im Delmenhorster Polizeigewahrsam, hat das Bündnis „In Erinnerung an Qosay“ eine Demonstration organisiert. Etwa 600 Menschen zogen am 5. Juni vom Wollepark, vorbei an der Polizeiwache, bis hin zum Delmenhorster Marktplatz. Im Vorfeld war hierfür bis weit über die Grenzen Delmenhorsts hinaus mobilisiert worden. Neben Delmenhorstern kamen auch Menschen aus Bremen, Oldenburg und Hamburg und solidarisierten sich mit der Familie und den Freunden Qosays.

Qosay Sadam Khalaf war am 5. März 2021 im Delmenhorster Wollepark zusammen mit einem Freund von der Polizei kontrolliert wurden. Bei seiner Festnahme ist es zu erheblicher Gewaltanwendung durch die Beamten gekommen, bevor Qosay mit auf die Delmenhorster Polizeiwache genommen wurde. Wenig später erlitt Qosay einen Herzstillstand in der Polizeiwache, wurde von Notfallsanitätern wiederbelebt und starb einige Stunden später in einem Oldenburger Krankenhaus. Für Qosays Familie und Freunde blieben viele Fragen offen. Die Wichtigste: Welche Rolle spielte die Polizei bei dem Tod ihres Sohnes? Drei Monate später stellt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein, ohne auf diese Frage geantwortet zu haben.

Nach der Einstellung ist die Stimmung auf der Demo wutgeladen gewesen. Bereits zu Anfang der Demonstration sprach das Bündnis in Erinnerung an Qosay von Mord, denn Fakt ist: Qosay ist lebendig in den Polizeigewahrsam hinein und nicht mehr lebend hinaus gegangen. Bei der Anfangskundgebung an der Wolleparkwiese sprach die Initiative Amed Ahmad und zeigte ihre Anteilnahme und Solidarität mit der Familie. Dann bewegte sich der Demozug lautstark in Richtung Polizeiwache, wo die Zwischenkundgebung stattfand. Erwartungsgemäß wurde hier die Wut der Teilnehmenden besonders hörbar, denn genau hier starb Qosay vor drei Monaten. Die Bremer Geflüchtetengruppe „Together we are Bremen“ hielt hier eine kraftvolle Ansprache. Am Marktplatz fand dann die Abschlusskundgebung statt. Die Gruppen Death by Law, DIDF Jugend Delmenhorst und KOP Bremen engagierten sich hier mit Redebeiträgen und zeigten ihre Solidarität.

Die Teilnehmenden forderten Gerechtigkeit und weitere Maßnahmen zur Aufklärung des Todesfalls. Qosays Cousin Barsan betonte: Er und das gesamte Bündnis werden weiterhin von „Mord“ sprechen, auch wenn die Polizei mit Anzeigen droht. Dafür erntete er große Zustimmung in der Menge. „Wie sollen wir es denn sonst nennen? Wir haben kein anderes Wort dafür, wenn ein gesunder junger Mann plötzlich stirbt“, bekräftigte auch die Gruppe Death by Law. Den Slogan „Das war Mord!“ hörte man immer wieder laut in der Menge.

Insgesamt verlief die Demonstration friedlich, ohne größere Zwischenfälle, und war für das Bündnis In Erinnerung an Qosay ein voller Erfolg. Dass trotz Corona und dem anfänglich schlechten Wetter eine so große Menschenmenge gemeinsam für Gerechtigkeit auf die Straße geht, hat eine starke Symbolwirkung. Die Menschen in Delmenhorst und Umgebung werden nicht ruhen, bis ihre Forderungen erfüllt werden. Die Kraft und Stärke, die eine Menschenmenge zusammen haben kann, werden an diesem Samstag in Delmenhorst immer wieder deutlich. Das Bündnis plant bereits die nächsten Schritte in Richtung Gerechtigkeit. Die gute Nachricht: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden bereits wieder aufgenommen.