Gedenken an die Opfer des NSU in Nürnberg und Köln

Foto: Yeni Hayat

Am 9. Juni 2005 wurde İsmail Yaşar in seinem Dönerladen in Nürnberg vom „Nationalsozialistischen Untergrund (NSU)“ ermordet. Am gleichen Tag ein Jahr zuvor hatte der NSU eine Nagelbombe in der Kölner Keupstraße deponiert. Bei der Explosion starb niemand, es wurden 22 Personen verletzt. Am 13. Juni 2001 erschoss der NSU Abdurrahim Özüdoǧru in seiner Nürnberger Änderungsschneiderei. In einer Woche gab es mehrere Gedenkveranstaltungen, die an die Opfer des NSU erinnerten.

Am 9. Juni gab es sowohl in Köln, als auch in Nürnberg Gedenkveranstaltungen. In Köln hatten die Initiativen „Herkezin Meydanı – Platz für alle“ und „Keupstraße ist überall“ unter dem Motto „Erinnern heißt kämpfen – kein nächstes Opfer“ aufgerufen.

In Nürnberg hatten das Bündnis Straßenfest gegen Rassismus und Diskriminierung – für ein besseres Zusammenleben und die Initiative „das Schweigen Durchbrechen“ zum Gedenken am Tatort in der Scharrerstraße aufgerufen. Neben Redebeiträgen vom Straßenfest, Schweigen Durchbrechen und des Jugendzentrums „LUISE“, das gegenüber vom Tatort liegt, gab es Gedichte, die von Vertretern des Staatstheaters Nürnberg und von DIDF gelesen wurden. Begleitet wurde die Gedenkveranstaltung von Musik, während die Teilnehmer Kerzen und Blumen an der Gedenktafel niederlegten.

Am 12. Juni veranstaltete das Straßenfest-Bündnis das 7. Straßenfest gegen Rassismus und Diskriminierung. Das Fest wurde 2015 ins Leben gerufen, um den Opfern des NSU in Nürnberg zu gedenken, aber auch um zu zeigen, dass sich viele verschiedene Gruppen, Vereine, Jugendverbände und Parteien gemeinsam gegen Rassismus engagieren und das sie – trotz der vielen Unterschiede, die sie haben – verbindet. Während es im letzten Jahr eine Online-Version des Straßenfests gab, ging es dieses Mal wieder auf die Straßen. Drei Kundgebungen wurden in der Nürnberger Südstadt durchgeführt, zwar ohne Essensstände und Spielaktionen, aber mit viel politischem Inhalt und mitreißender Musik. Es gab viele unterschiedliche Redebeiträge, auch vom Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, und zahlreiche Musiker beteiligten sich am Programm. Begleitet wurde das alles von Streams, die man online verfolgen konnte. Selbst als es bei der letzten Kundgebung am Aufseßplatz Stress von Seiten der Polizei gab, bei der u.a. auch von einem Polizisten eine rassistische Äußerung getätigt wurde, dass die meisten Besucher die politischen Inhalte sowieso nicht verstehen würden (bezogen darauf, dass viele Migranten sich am Aufseßplatz aufhalten), konnte all das die Stimmung nicht trüben. Ein erfolgreiches Fest, das wieder einmal zeigte: uns verbindet mehr, als uns trennt.

Am nächsten Tag ging es weiter zum Gedenken an Abdurrahim Özüdoǧru. Dort erinnerten die Beiträge vom Straßenfest Bündnis, von das Schweigen Durchbrechen und vom Nürnberger Bündnis Nazistopp an den vor 20 Jahren ermordeten Familienvater. Sie alle betonten, dass man weiterhin Aufklärung einfordern werde.