„Berlin Heat” – Politthriller von Johannes Groschupf

Özgün Önal

Es ist der erste Sommer nach der Corona-Pandemie und kurz vor den Bundestagswahlen im September 2021. Das ganze Geschehen spielt sich in Berlin ab. Die Touristen sind wieder in der Stadt, es ist Hochsommer und Berlin ist wieder lebendig nach eineinhalb Jahren Pandemie. „Wir alle tun so, als beginne das Leben von vorn,[…]” sagt Tom Lohoff, der mittendrin und der Protagonist des Ganzen ist. Tom Lohoff ist lediglich für die Menschen, die aus aller Welt kommen, so was wie ein Laufbursche für alles. Er hat einige Immobilien, die er an Touristen weitervermietet (eine Art AirBnB) und all die Bedürfnisse und Wünsche seiner Gäste erfüllt. Sein Abenteuer beginnt damit, dass er durch Spielschulden mit einem fiesen Typen zu tun hat. Zunächst ist seine Sorge, seine Schulden zu begleichen aber er gerät immer tiefer in Probleme, wie die falsch initiierte Entführung eines AfD-Politikers, die Bekanntschaft mit einem gewalttätigen Neonazi und selbst die Gefährdung seines Lebens.

Die Eigenschaft, die das Buch so lesenswert macht, ist unter anderem der realitätsnahe Bezug zu dem Leben des Lesers. Er kann sich sofort in das Leben von Tom Lohoff und die Geschehnisse drumherum hineinversetzen. Auch der Erzählstil ist großartig und überwiegend im Kiezdeutschen verfasst, so dass es hauptsächlich jungen Menschen nicht schwer fallen sollte, mit dem Schreibstil zurecht zu kommen. Der Autor Johannes Groschupf integriert die gegenwärtige Zeit in die Geschichte. Somit geht er in das Leben während einer Pandemie ein oder bezieht sich auf die rechtsterroristischen Mordanschläge, wie Hanau und den an Walter Lübcke und die Verbindung des deutschen Staates mit den rechten Strukturen. Auch das Versagen, der von der Bundesregierung geführten Coronapolitik, die wirtschaftliche Lage und die damit verbundene soziale und emotionale Lage der Bevölkerung wird thematisiert und dessen Einfluss auf die anstehenden Bundestagswahlen bzw. die Parteien eingearbeitet.

Der ausgesuchte Schauplatz Berlin dient ebenfalls für hohes Interesse, vor allem, wenn die Leser die genannten Orte kennen, können sie der Geschichte auch in Wirklichkeit folgen.

Zudem lässt der Autor des Politthrillers keine Klischees aus: Ein AFD Politiker wird entführt und die Linken werden verdächtigt, die Polizei geht einfachen Hinweisen nicht nach; Albaner sind kriminell, außerdem stinken sie und lieben ihre Messer; Romafrauen können und wollen immer Sex; wird ein Mann sexuell genötigt, ist das schrecklich (was es natürlich wirklich ist!) aber Frauen gewöhnen sich dran, nach dem Motto: „Ist schon in Ordnung” (was es natürlich NICHT ist!).

Hier stellt sich die Frage, ob der Autor diese Klischees bewusst eingebaut oder aus eigener Überzeugung dargelegt hat.

Dennoch lässt die Spannung auf die Frage „Wird Tom es schaffen, seine Schulden zu begleichen?” zu keiner Zeit nach. Während des Lesens bemerkt man, wie die Sehnsucht auf die „normale” Zeit nach der Pandemie immer größer wird und ob die Bundestagswahlen das sozio-ökonomische Leben hierzulande beeinflussen werden.

Dass die Geschichte praktisch in der Gegenwart und sehr nahen Zukunft spielt, macht sie überprüfbar, aber auch spannend.