Zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion

Foto: Sowjetische Rekruten in Moskau auf dem Weg an die Front, 23.  Juni 1941 Von RIA Novosti archive, image #662733 / Anatoliy Garanin /

Diethard Möller

Als die Regierung des deutschen Imperialismus unter Hitler am 22.6.1941 die Sowjetunion überfiel, war das der Anfang von ihrem Ende. Nach den leichten Siegen über Polen und Frankreich sowie der Besetzung großer Teile Europas wollte sich das deutsche Kapital mit Hilfe der Nazis zum Beherrscher Europas aufschwingen und zur Weltmacht werden.

Schon 1939, als der Nichtangriffsvertrag zwischen der Sowjetunion und Deutschland unterzeichnet wurde, weil sich Frankreich, Großbritannien und die USA geweigert hatten, gemeinsam mit der UdSSR gegen Nazi-Deutschland vorzugehen, hatte Hitler in einer internen Besprechung klar gesagt: „Alles, was ich unternehme, ist gegen Russland gerichtet.“ Schon am 18. Dezember 1940 gab er an die Führung der Reichswehr den Befehl, Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen.“

Anfangs sah es auch nach einem schnellen Sieg aus. Denn die Rote Armee war zunächst durch die vorangegangenen Auseinandersetzungen mit trotzkistischer Sabotage geschwächt. Zudem war Deutschland ein hochentwickeltes Industrieland mit entsprechender Rüstungsproduktion, während in der Sowjetunion die Industrie noch im Aufbau begriffen war. Dazu kam, dass die Sowjetunion in Voraussicht des kommenden Krieges große Teile ihrer gerade aufgebauten Schwerindustrie weit in den Osten verlagert hatte und dort erneut wieder alles aufbauen und in Gang bringen musste.

In ihrem Siegesrausch sangen die Nazis „Denn heute, gehört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt.“

Das Programm war Vernichtung! So schrie Joseph Goebbels, Propagandaminister: „Wogegen wir unser ganzes Leben gekämpft haben, das vernichten wir nun auch!“ Und die Wehrmacht, von der heute noch einige Historiker behaupten, sie habe nichts mit dem Naziterror zu tun gehabt, gab an die Soldaten die Parole aus: „Еs geht darum, das rote Untermenschentum, welches in den Moskauer Machthabern verkörpert ist, auszulöschen!“

Dementsprechend machte sich die Wehrmacht daran, politische Kommissare der Roten Armee entgegen dem Kriegsvölkerrecht zu ermorden. Die SS ermordete systematisch Zivilisten, vor allem Juden. Allein in den ersten sechs Monaten wurden 5 Millionen Soldaten der Roten Armee ums Leben gebracht. Goebbels bekannte in seinem Tagebuch: „Wir haben sowieso so viel auf dem Kerbholz, dass wir siegen müssen, weil sonst unser ganzes Volk, wir an der Spitze mit allem was uns lieb ist, ausradiert werden.“ Doch da irrte er sich: Erstens konnten sie nicht siegen. Zweitens war Stalin kein fanatischer Massenmörder wie die Nazis. Unmittelbar nach dem Sieg über Nazi-Deutschland erklärte Stalin: „Die Hitler kommen und gehen, das deutsche Volk aber bleibt.“ Er setzte daher auch durch, dass im Potsdamer Abkommen die Einheit Deutschlands festgeschrieben und eine Zerschlagung Deutschlands abgelehnt wurde. Es war an den Westalliierten, dies zu hintertreiben und Deutschland zu teilen. Konrad Adenauer meinte damals: „Lieber das halbe Deutschland ganz als das ganze Deutschland halb.“ Willige Unterstützer fanden die Westalliierten bei den Revisionisten unter Chruschtschow und Ulbricht, die ebenfalls lieber ihren Teil unter Kontrolle halten wollten, als in einem vereinten Deutschland die Arbeiterklasse gegen den deutschen Imperialismus zu mobilisieren.

Schon mit der Winterschlacht um Moskau war der Krieg für Hitler und den deutschen Imperialismus verloren. Der Vormarsch war gestoppt. Beim Kampf um Stalingrad 1942/43 wurde den faschistischen Invasoren, wie Thälmann es vorhergesagt hatte, das Genick gebrochen. Von da erkämpfte sich die Rote Armee Sieg um Sieg.

Doch noch in ihrer Niederlage zeigten die Nazis und der deutsche Imperialismus ihr barbarisches Gesicht. SS-Führer Himmler ordnete am 7.September 1943 an: „Еs muss erreicht werden, daß bei der Räumung von Gebietsteilen in der Ukraine (Sowjetunion) kein Mensch, kein Vieh, kein Zentner Getreide, keine Eisenbahnschienen zurückbleiben; kein Haus stehenbleibt, kein Bergwerk vorhanden ist, das nicht für Jahre zerstört ist, kein Brunnen vorhanden ist, der nicht vergiftet ist. Der Gegner muss wirklich ein total verbranntes und zerstörtes Land vorfinden.“

In ihrer Bestialität hat die faschistische Wehrmacht ungeheure Grausamkeiten begangen. 27 Millionen Bürger/innen der Sowjetunion, überwiegend Zivilisten, wurden ermordet. Unzählige Städte, tausende Dörfer wurden in Schutt und Asche gelegt. Massenweise wurden Industrieanlagen zerstört. 5,7 Millionen sowjetische Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft. Mehr als die Hälfte von ihnen, 3,3 Millionen wurden umgebracht durch Überarbeitung, durch Hunger, Krankheiten und fehlende medizinische Versorgung, durch Folter, durch Erschießung usw. Schon vor Kriegsbeginn hatte man im sogenannten Hungerplan den Hungertod so vieler sowjetischer Soldaten einkalkuliert.

Von Deutschland minimal entschädigt wurden kaum 4.000 ehemalige Rotarmisten. Das sind 0,07 Prozent der Opfer! Nur die DDR hat Reparationen für einen Teil der riesigen Schäden in der UdSSR bezahlt. Die Bundesrepublik weigert sich bis heute.

Die Rote Armee und die UdSSR hat die Hauptlast bei der Befreiung ganz Europas vom Faschismus geleistet. Sie hat den Sieg ermöglicht. Daher gehört ihr Dank!

In der Bundesrepublik wurde nie ernsthaft mit der Vergangenheit gebrochen. Mit Theodor Blank durfte ein ehemaliger Offizier der Wehrmacht die Vorbereitungen zur Wiederbewaffnung und zum Aufbau der Bundeswehr übernehmen. Am 23. Januar 1951 sprach der damalige Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte, Dwight D. Eisenhower eine Ehrenerklärung für die Soldaten der Wehrmacht aus. Die Wehrmacht wurde von ihren Verbrechen frei gesprochen, weil man sie im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion wieder brauchte. Dadurch wurde die Wiedereingliederung ehemaliger führender Wehrmachtsoffiziere und Mannschaften möglich gemacht.

Am 10. März 1952 bot der Vorsitzende des Ministerrats der UdSSR, Josef Stalin, den Westmächten (Frankreich, Großbritannien, USA) in einer Note Verhandlungen über die Wiedervereinigung und Neutralisierung Deutschlands an. Dieser ernst gemeinte Vorschlag wurde von den Westmächten und Adenauer als Vertreter des deutschen Kapitals ausgeschlagen, wie oben schon erwähnt.

Bei Gründung der Bundeswehr stammten deren Offiziere und Unteroffiziere fast ausnahmslos aus der Wehrmacht – teilweise auch aus der Waffen-SS. Im Jahre 1959 waren von 14.900 Bundeswehroffizieren 12.360 bereits in der Reichswehr oder Wehrmacht zu Offizieren ernannt worden. 300 Offiziere entstammten der Waffen-SS.

Diese Tradition hat die Bundeswehr bis heute geprägt, wie man an den zahlreichen Skandalen sehen kann. Rechtsradikale im KSK, Bundeswehroffiziere wie Franco A., die Terroranschläge planen, Feiern mit Hitlergruß und Hitlerbildern – das sind nur einige Beispiele der vielen hundert bekannt gewordenen „Einzelfälle“.

Heute spielt sich der deutsche Imperialismus wieder als Moralweltmeister auf. Nach dem Motto „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ wird mit so „demokratischen“ Verbündeten wie dem Diktator Erdogan oder Saudi-Arabien, dass für seine „Menschenrechte“ und den demokratischen Umgang mit Oppositionellen wie bei der Ermordung von Kashoggi bekannt ist, eng zusammengearbeitet. An solche Regime werden Waffen geliefert und mit ihnen Waffenbrüderschaft gefeiert. Dafür spielt sich die Bundesregierung bei anderen Staaten wie Russland oder China als „Hüter der Menschenrechte“ auf. Das sind kapitalistische, imperialistische Konkurrenten, für die wir keine Sympathie haben. Aber da wird von Seiten des deutschen Imperialismus kräftig Öl ins Feuer gegossen und aufgerüstet. Gemeinsam mit der NATO hat man hier wieder neue (alte) Feinde ausgeguckt.

Die Lehren aus dem Überfall des imperialistischen Deutschlands auf die UdSSR heißen:

Schluss mit Aufrüstung und Krieg!

Raus aus dem Kriegsbündnis NATO!

Schluss mit den Waffenexporten!

Wer aber dauerhaft Frieden will, der muss das Übel mit der Wurzel ausrotten und mithelfen, den Kapitalismus zu beseitigen.