Es gibt keine Alternative zum Frieden

Foto: Yeni Hayat

Taylan Ciftci

Die Kriegstrommeln schallen auf engem Raum. Warum? Weil sich die Mächte dieser Welt auf kurzer Distanz gegenüberstehen. Die NATO, ein Militärbündnis angeführt durch die USA, auf der einen Seite und Russland und China auf der anderen Seite. In diesem Zusammenhang hat die NATO dieses Jahr im Mai wieder provokative Militärübungen vor der russischen Grenze durchgeführt und war vor der chinesischen Küste präsent. Laut der NATO ist der Grund für diese Übungen, den Verteidigungsfall zu üben. Dass die Übungen jedoch die Bedrohung eines Krieges in Europa oder eines Krieges gegen China sind, wird verschleiert.

Zum einen beteiligt sich die Bundeswehr an den NATO-Übungen und macht sich damit der Provokation und einer möglichen Eskalation mitschuldig. Warum müssen Panzer und weiteres Kriegsgerät auf den Autobahnen Deutschlands Richtung russischer Grenze transportiert werden?

Des Weiteren wollen hochrangige Politiker am Zwei-Prozent-Ziel der NATO festhalten. Das bedeutet zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die Rüstung zu investieren. Klingt wenig? Das wären ungefähr 66 Milliarden Euro, für die Rüstung. Aktuell sind es 46 Milliarden Euro, die der Bundestag für dieses Jahr bereitgestellt hat. Und immer noch die Frage, ist das viel? Im Vergleich zu Gesundheit und Bildung ist das definitiv viel. Denn dafür werden jeweils gerade einmal 35 Milliarden und 20 Milliarden Euro ausgegeben. Das Geld fehlt an den relevanten Stellen und das kriegt vor allem die Jugend besonders zu spüren.

Rekrutierung = Karriere? 

Dabei wird die Bundeswehr als die einzige sinnvolle Alternative vom Staat vermarktet. Durch Abkommen zwischen Regierungen der Bundesländer und der Bundeswehr touren junge Soldaten durch die Schulen Deutschlands, um Schülerinnen und Schüler für den Waffengang zu begeistern. Die Bundeswehr hat das auch nötig, da seit dem Aussetzen der Wehrpflicht die Truppenstärke rapide gesunken ist. Auf die Schüler aus Gymnasien legen die Jugendoffiziere der Bundeswehr ein besonderes Augenmerk, da die Gymnasiasten später für Offizierslaufbahn vorbereitet werden sollen. Die Schüler, die in der Bildungshierarchie eher unten stehen, werden mit schnellem Geld, einer Ausbildungsmöglichkeit und der Absicherung der Zukunft motiviert. So bleibt der in der Bundeswehr unten, der auch bereits vorher unten war.

Die jungen Soldaten werden in die entferntesten Gebiete entsendet, um sich und die Völker dieser Welt mit dem G36 in tödliche Situationen zu bringen. Das Kriegstrauma ist in Ländern wie Afghanistan und Mali real und belastet die Betroffenen manchmal sogar ihr Leben lang. Dabei wird immer wieder das Credo der gerechten Einsätze und des gerechten Krieges rauf und runter erzählt. Der 20-jährige Krieg in Afghanistan sei für Menschenrechte, für Frauen- und Kinderrechte geführt worden. Die Lage ist aktuell so katastrophal wie lange nicht mehr zuvor. Da stellt sich uns die Frage, wer ein Interesse an solchen “Missionen” hat.

Eines bleibt immer noch wahr. Die Jugend hat kein Interesse am Krieg. Weder in Europa noch im Nahen Osten oder andernorts. Die Jugend hat ein Interesse an einer guten Bildung und Arbeitsbedingungen. Sie will eine Zukunft, die ihre Existenz sichert und ihr einen Sinn gibt. Daher werden die Themen Auslandseinsätze und Militarisierung aus Sicht der Jugend sicherlich auch ein Thema für die Bundestagswahlen sein: Wer hat für die ganzen Auslandseinsätze damals im Bundestag gestimmt und wer sucht schließlich die Konfrontation mit Russland und China? Die Forderung nach einer friedlichen Welt bleibt alternativlos. Es geht um die  Zukunft und die Zukunft der Menschheit.

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