Grüngewaschen

Foto: München / Yeni Hayat

Sinan Cokdegerli

Wer der Autoindustrie ihre grüne Masche abnimmt, ist nicht einfach selber schuld, auch wenn man das vereinfacht meinen könnte. Die Automobilgrößen haben erneut alles daran gesetzt, den Menschen ein Bild vorzuspielen, das schlicht und einfach nicht der Wahrheit entspricht und die Kanzlerin, die ihre Amtszeit über mit diesen Konzernen zusammengearbeitet hat, gönnt ihnen noch einen letzten Besuch in diesem Amt.

Überall Polizeieinsatzkräfte aus ganz Bayern, Busse auf festen Posten und mehr Präsenz durch regelmäßigere Streifen. In den Tagen vorher noch mehr Kontrollen in den öffentlichen Verkehrsmitteln und am nahegelegenen Einkaufzentrum. Seit Wochen ähnelt die Messe München einem Hochsicherheitsgebiet.

Schließlich ist eine Messe zu Besuch, die für die deutsche Wirtschaft und Politik nicht bedeutsamer sein könnte. Die Internationale Automobilausstellung (IAA) ist eine der weltweit wichtigsten Messen für diese Branche und findet normaler Weise gar nicht in München statt, sondern in Hannover.

Doch dieses Jahr wollte man es der Welt zeigen. Die deutschen Automobilfirmen, vertreten durch den Verband der Automobilindustrie (VDA), wollte klarstellen, dass man im 21. Jahrhundert angekommen ist, die Herausforderungen der Zeit, mit Klimawandel und Digitalisierung verstanden hat und sich Gedanken um die Zukunft macht. Die selbe Industrie, die Dieselskandale, Millionenspenden an Parteien und Blockade für klimafreundlichen Fortschritt bekannt ist, hat sich für die IAA extra grün gewaschen.

Keine Demonstrationen, sondern die Revolution?

Doch einige mutige Organisationen, darunter viele Münchner KlimaaktivistInnen wollten dem VDA hierbei nicht die Meinungshoheit geben und die Münchner Stadtregierung war nur zu gewillt, sie öffentlich zu kriminalisieren und gegen sie vorzugehen. In München regieren derzeit die SPD, mit dem Oberbürgermeister Dieter Reiter, und die Grünen, mit der stellvertretenden Oberbürgermeisterin Habenschaden, das sollte zu Vollständigkeit auch gesagt werden.

Als ob es also nicht gereicht hat, dass man einer der klimaschädlichsten Industriebereiche eine Plattform bietet, auf der sie sich selbst auf surreale Art und Weise als Umweltindustrie präsentieren, Angela Merkel dort noch eine Lobeshymne bei der Eröffnung der Messe spricht und die gesamte Stadt im Ausnahmezustand ist, findet das alles auch noch in einer Stadt seinen Lauf, wo die selbsternannte Klimapartei, die Grüne, mitregiert.

Um zu verhindern, dass wirklicher Protest stattfinden kann, wurden bereits im Vorfeld, rechtswidrig Aktive der Klimabewegung festgenommen und überall als Randalierender Mob dargestellt, vor denen man die Messe angeblich schützen muss. Doch den Protest konnten sie trotzdem nicht aufhalten. Tausende Menschen nahmen an der Hauptdemo teil, es gab Autobahnblockaden, Poolaktionen von Greenpeace, Hausbesetzungen und vieles mehr. Wenn die IAA etwas gezeigt hat, dann, dass die Kreativität der Protestierenden den angeblichen Innovationswillen der Automobilkonzerne bei weitem übersteigt und der Protest weiterlebt, trotz Kriminalisierung und Repression.