Grünes Licht für „Krankenhausampel“? 

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Ines Tsartsaris

Seit dem 02. September 2021 wird in Bayern neben der 7 Tage Inzidenz und der Auslastung der Intensivbetten nun auch die sogenannte Krankenhaus-Ampel zu Rate gezogen, um die Auswirkungen der Pandemie im Blick zu behalten. Doch wie sinnvoll ist diese?

So funktioniert die Krankenhaus-Ampel: Werden bayernweit innerhalb einer Woche 1200 Krankenhausbetten mit CoronapatientInnen belegt, so schaltet die Ampel auf gelb. Auf rot schaltet sie, wenn 600 Intensivbetten von CoronapatentInnen belegt werden.

Sind diese Werte unterschritten, ist die Ampel grün. Das ist aktuell der Fall. Je nach Ampelstand werden Hygienemaßnahmen und Kontaktbeschränkungen verstärkt oder gelockert.

Letztes Jahr im Herbst fingen die Infektionszahlen wieder an zu steigen. Ein Trend, der 2021 bereits seit August zu beobachten ist. Und obwohl die Bundesregierung seit Anfang des Jahres eine riesige Impfkampagne fährt, ist zu erwarten, dass die Ampel nicht lange auf grün bleibt, denn noch immer sind viele Menschen in Deutschland nicht geimpft.

Es wirkt zunächst so, als hätten die PolitikerInnen aus dem letzten Jahr gelernt und sie würden versuchen, das Gesundheitssystem und die, die darin arbeiten mit dieser neuen Methode zu entlasten. Aber das täuscht.

Die Konsequenzen, die auf gelbes oder gar rotes Licht fallen, sind teilweise nicht genau definiert und reichen nicht aus, um das Infektionsgeschehen zu bremsen. Es wird also, wie so oft seit Beginn der Pandemie, meist zu spät und zu gering reagiert. 

Zudem sind die Pflegekräfte bereits – auch schon vor 2020 – völlig überlastet. Wegen dem seit Jahrzehnten bestehenden Pflegemangel arbeiten junge KollegInnen im Durchschnitt fünf Jahre, bevor sie sich entschließen, dem Beruf den Rücken zu kehren. Nachwuchskräfte können nicht adäquat ausgebildet werden, da sie als Lückenfüller dienen und keine Zeit für korrekte Anleitung bleibt. Viel Arbeit, wenig Anerkennung und ein Gehalt, dass der riesengroßen Verantwortung, die sie tragen, nicht gerecht wird.

Die Situation in der Pflege aber auch die bisherige Coronapolitik machen die Prioritäten der Regierung deutlich: der Profit steht über dem Menschen. Um die Pandemie zu bekämpfen und die Bevölkerung gesund zu halten, brauchen wir neben der Impfung und kostenlosen Tests und Schutzmaterialien auch ein intaktes Gesundheitssystem. Das DRG System schafft falsche Anreize und verhindert eine patienten- und gesundungsorientierte Behandlung. Pfleger müssen besser entlohnt werden, werden aber mit einmaligen Prämien abgewimmelt. Auf der anderen Seite muss mehr in die Ausbildung von Pflegekräften investiert werden. 

Diese Forderungen werden aber nicht von alleine in Erfüllung gehen. Sie müssen erkämpft werden. Die KollegInnen in der Pflege müssen sich endlich alle in der Gewerkschaft organisieren und Arbeitskämpfe führen, so wie wir das jetzt beispielsweise in der Berliner Krankenhausbewegung beobachten können. Auch sie haben ein Recht zu streiken und dieses müssen sie endlich wahrnehmen. Denn wenn sie nicht selbst auf die Straßen gehen, wird es auch niemand anderes für sie tun.