Rechte Verlage auf der Frankfurter Buchmesse

Foto: Yeni Hayat

Özgün Önal

Einmal im Jahr wird die Frankfurter Buchmesse zur Welthauptstadt der Ideen. Sie ist der wichtigste internationale Handelsplatz für Inhalte aller Art – von Romanen über Kinderbücher hin zu wissenschaftlichen Datenbanken. Hier treffen sich Experten aus dem weltweiten Publishing mit Partnern aus der Technologiebranche und den angrenzenden Kreativindustrien wie Film und Games, von hier aus nehmen neue Kooperationen und Geschäftsmodelle ihren Lauf. Sie ist zudem eine Tochtergesellschaft des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Coronabedingt fiel die Buchmesse letztes Jahr aus. Dieses Jahr fand sie mit einer einjährigen Pause erneut statt.

„Meinungsfreiheit“ für rechte Verlage

Unabhängig vom Inhalt der Buchmesse hat sie vor allem für negative Schlagzeilen gesorgt. Nach langjähriger Diskussion über rechte Verlage, die ebenfalls einen Platz in der Buchmesse bekamen, war auch dieses Jahr der rechte Verlag Jungeuropa vertreten. Verleger ist der 30-jährige Dresdner Rechtsextreme und Aktivist Philip Stein. Davor war er Pressesprecher der Deutschen Burschenschaft. Heute organisiert er das rechte Crowdfunding-Projekt „Ein Prozent für unser Land“, das im Umfeld der AfD für die Verbreitung nationalistischer und asylrechtsfeindlicher Ideen wirbt. Die Auftritte von „Ein Prozent“ bei Facebook, Instagram und YouToube sind aktuell gesperrt. Im jüngsten Verfassungsschutzbericht wird „Ein Prozent“ als Verdachtsfall aufgeführt. Messechef Jürgen Boos verteidigt die Anwesenheit des Dresdner Verlags Jungeuropa auf der Buchmesse mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit.

Absage der Teilnahme aus Protest

Viele akkreditierte Schriftsteller und Künstler haben daraufhin ihren Besuch auf der Buchmesse abgesagt. Direktor der Frankfurter Anne Frank Bildungsstätte solidarisiert sich mit den abgesprungenen AutorInnen und KünstlerInnen, aber ebenfalls mit JournalistInnen, wie Jutta Ditfurth, deren Akkreditierung in letzter Minute abgelehnt wurde. Der Direktor äußert sich zudem zu den Vorfällen wie folgt: „Anschläge wie in Halle, Hanau oder auch der Mord an dem ehemaligen Landtagsmitglied Walter Lübcke vor zwei Jahren machten überdeutlich, dass die giftige Ideologie der Rechten eine konkrete Gefahr für Menschenleben bedeutet”.

Protestaktion vor der Messe

Die Respekt-Initiative Frankfurt hat mit den Studierenden DGB-Jugend Hessen-Thüringen und dem Ortsjugendausschuss IG Metall Frankfurt zusammen am Samstag, den 23. Oktober, vor der Buchmesse eine Protestaktion organisiert. Sie wollten Postkarten mit der Aufschrift „Respekt! Kein Platz für Rassismus” verteilen und gegen rechtes Gedankengut, irrelevant in welchem Kontext oder in welchem Bereich des Lebens, Widerstand zu leisten. Obwohl dies eine friedliche Art des Protestierens ist, wurden die Demonstranten nicht auf das Gelände gelassen und daran gehindert, die Postkarten zu verteilen.

Das spiegelt die Haltung der Buchmesse und des Börsenvereins klar wider.

Es ist skandalös, dass solch eine große und internationale Veranstaltung unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit, Faschisten duldet und somit Künstler und Autoren, die sich mit ihrer Arbeit gegen diese Ideologie einsetzen, vertreibt.

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