Spaltung der Gesellschaft in 2G/2G+/3G schießt am Kern des Problems vorbei

Bild von Pete Linforth auf Pixabay

Das Parlament hat neue Corona-„Schutz“massnahmen beschlossen, der Bundesrat hat dem zugestimmt und die lokale Umsetzung ist in vollem Gange. Doch wieder schießt die Politik am Kern des Geschehens weit vorbei. Test- oder Immunschutznachweis am Arbeitsplatz und Kontrollen in Bahn und ÖPNV werden die Infektionsketten weder unterbinden, noch in irgendeiner Weise zur Eindämmung beitragen. Sie werden lediglich Ungeimpften das Leben schwer machen und sie als Sündenböcke der Infektionsverbreitung darstellen. Somit ist das politische Gewissen für diesen Winter gerettet: Wir haben alles versucht, aber die wollen sich nicht impfen lassen…

Dabei ist längst auch wissenschaftlich nachgewiesen, dass Geimpfte auch Träger des Virus sein können, sich aber in falscher Sicherheit wiegen, weil sie nicht getestet werden müssen. Würde es ja doch an der heiligen Impfquote wackeln und das Kartenhaus zum Zerbrechen bringen, wenn sich Leute trotz Impfung weiterhin für Tests anstellen müssten. Wo kämen wir denn dann dahin, wenn nicht jeder Geimpfte sein Handy zücken und hohen Hauptes durch die Restauranttür marschieren könnte? Im Endeffekt geht ja nicht um Sicherheit und Gesundheit, sondern um Bequemlichkeit, eines der Hauptmotivationen, warum sich viele Impfen ließen. Würde man offen zugeben, dass auch die höchste erreichbare Impfquote bei einem schnell mutierenden Virus trotzdem viele Opfer erfordern könnte, müsste man auch die Frage beantworten, ob es doch noch einen anderen Weg geben könnte, als „impfen impfen impfen“.

Wenn wir uns mal rückbesinnen auf den Anfang der Corona-Krise vor fast 2 Jahren war die Hauptangst, dass das Gesundheitssystem zusammen brechen könnte. Jetzt, Hunderte Milliarden Euro Konzern-Hilfspakete, Kurzarbeitergeld und Patentsubventionen später merken wir: Nichts hat sich im Gesundheitssystem zum Positiven hin geändert. Im Gegenteil sogar: Für 83 Millionen Bürger stehen ca. 34.800 Intensivbetten, davon ca 9.000 als Notfallbetten zur Verfügung, von denen -was normal ist für kalte Jahreszeiten, enorm viele – nämlich 21.800 bereits belegt sind. Ca jeder 6. dieser Patienten (3.429) sind Corona-Positiv, und ungefähr die Hälfte von ihnen (1.735) wird invasiv beatmet. Am Rande bemerkt: ca 42 Prozent der Verstorbenen über 60-Jährigen sind doppelt Geimpft (RKI-Wochenbericht vom 18. November). Laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) gibt es in 100 von rund 400 Land- und Stadtkreisen in Deutschland derzeit maximal noch ein freies Intensivbett für Erwachsene, in etwa 50 Kreisen sind sogar alle Betten belegt. Jetzt sollte die Frage doch statt 2 oder 3 G eher lauten: Wo sind die fast 700 Millionen Euro, die seit Beginn der Pandemie für den Aufbau von 13.700 weiteren Intensivbetten ausgegeben wurden? Die Betten wurden vom Steuerzahler bezahlt und sind in den Kellern der Krankenhäuser noch original verpackt. Es mangelt jedoch am Personal, sie zu bedienen. Der Bund hat den Krankenhausbetreibern im letzten Jahr ganze 15,3 Milliarden Euro Corona-Zuschüsse überwiesen, die sich nun auf Konten der Aktionäre befinden. Sollte man nicht eher darüber diskutieren, als über Kimmichs Impfentscheidung oder 2G+ in der Bahn?