Kölner Kliniken sollen „Rein-raus-Praxis“ bei Krankenhaus-Reinigungsfirmen stoppen

„Rein-raus-Praxis“ stoppen: Die Kliniken der Stadt Köln versprechen „beste Medizin für alle“, so ist es auf deren Homepage zu lesen. „Leider bieten sie über Dienstleister, die sie beauftragen, aber nicht die besten Arbeitsbedingungen: Nämlich nicht einmal Jobsicherheit für die, die Patientenzimmer, Operationssäle und Krankenhausflure sauber halten“, sagt Erman Oran von der Gebäudereiniger-Gewerkschaft IG BAU in Köln. Er kritisiert einen „unerträglich häufigen Wechsel“ der Dienstleister bei der Gebäudereinigung in städtischen Kliniken. Dem Kölner Rathaus wirft er vor, vor prekären Arbeitsbedingungen die Augen zu verschließen.

Konkret gehe es um mehr als 200 Reinigungskräfte, die im Krankenhaus Merheim und im Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße in Riehl „von einem Dienstleister zum nächsten weitergereicht werden“. Der nächste Wechsel stehe dort unmittelbar bevor: Im Dezember geht ein neues Unternehmen an den Start – die Apleona Ahr Healthcare & Services mit Sitz in Oberhausen löst den bisherigen Dienstleister ab“, so IG BAU-Branchensekretär Oran. Die Beschäftigten würden darüber erst am kommenden Montag (Hinweis f.d. Red.: 29. November) offiziell informiert. Der erneute Dienstleisterwechsel habe sich allerdings längst herumgesprochen und zu einer „enormen Verunsicherung unter den Reinigungskräften“ geführt.

Dabei seien Sorge und Unmut nicht unbegründet, so die IG BAU. „Ein Großteil bekommt immer nur befristete Jobs. Viele Arbeitsverträge haben ein Verfallsdatum: Häufig haben Reinigungskräfte ihren Job nur für ein Jahr sicher. Viele sogar nur für sechs Monate. Sie müssen dann davon ausgehen, dass sie danach in der Luft hängen“, sagt Erman Oran. Selbst Beschäftigte, die schon seit Jahren in Kölner Kliniken reinigen, bekämen immer nur „Etappen-Arbeitsverträge“. Damit verbunden sei das dauerhafte Gefühl der Verunsicherung. „Das ist eine prekäre Arbeitssituation. Pläne kann man damit nicht machen – keine Familienplanung und nicht einmal einen Autokauf. Denn auch Kredite sind bei einer befristeten Beschäftigung nur schwer oder gar nicht drin“, berichtet IG BAU-Gewerkschaftssekretär Oran.

Bei einem Dienstleisterwechsel in Kölner Kliniken erlebe die IG BAU auch immer wieder Entlassungen: „Betriebsbedingte Kündigungen sind ein gängiges Mittel, um Kräfte loszuwerden. Neue werden dann eingestellt – und das meistens zu ungünstigeren Konditionen für die Beschäftigten“, sagt Erman Oran. Auch die Drohung mit einer Kündigung werde oft genutzt, um beispielsweise die Arbeitsstunden und damit den Lohn zu reduzieren. Das Arbeitspensum bleibe dabei aber das gleiche. „Hier werden Reinigungskräfte zum ‚Turbo-Putzen‘ gezwungen. Gerade in Krankenhäusern, wo es auf penible Sauberkeit und Hygiene ankommt, ist das ein mehr als fragwürdiges und sehr riskantes Vorgehen“, so der IG BAU-Sekretär.

Es gebe Reinigungskräfte, die in zehn Jahren bereits bei fünf unterschiedlichen Firmen beschäftigt gewesen seien – immer am gleichen Arbeitsplatz. Die IG BAU im Rheinland ruft die Stadt Köln deshalb jetzt auf, dieser „‘Rein-raus-Praxis‘ einen Riegel vorzuschieben“. Reinigungsteams könne man nicht von einem Dienstleister zum anderen weiterreichen. Schon gar nicht, um ihnen damit immer mehr Arbeit aufzubürden und weniger Geld zu geben“, so die IG BAU.

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