Serpil Unvar: „Nur zusammen sind wir Laut. Deutsche und Migranten gemeinsam!“

Foto: Yeni Hayat

YeniHayat – NeuesLeben Marburg

Unter dem Titel: „Hanau war kein Einzelfall! Wie geht es weiter?“ fand am 30. November im Fachbereich Geographie der Philipps-Universität Marburg eine Podiumsdiskussion mit Serpil Unvar (Mutter des in Hanau Ermordeten Ferhat Unvar und die Gründerin der Bildungsinitiative Ferhat Unvar) und Abdullah Unvar (Cousin von Ferhat Unvar) statt. Hierzu hatte der Antirassismus Referat des Marburger AStA, die DIDF-Jugend Marburg und die Antirassistische Platform Solidarität Simdi eingeladen.

Trotz der andauernden Pandemie und der wieder steigenden Corona Zahlen ließen sich viele junge Menschen nicht entgehen um an der Veranstaltung in Präsenz teilzunehmen. Mit Abstandshaltung und Maske verfolgten knapp über 60 Menschen vor Ort das Ganze mit. Zudem gab es wie vorher angekündigt auch eine Live Übertragung per Instagram. Diese wurde ebenso von vielen Menschen wahrgenommen, um das ganze Live mitzuverfolgen.

Cansu Budak, die die Moderation an diesem Abend übernahm, zählte Sie zu beginn laut die Namen der jungen Menschen die am 19. Februar kaltblütig ermordet wurden, ehe sie zu einer Schweigeminute aufrief. Neben Serpil und Abdullah Unvar war auch Eren Gültekin im Namen des Antirassismus Referats sowie als Vorstandsmitglied der DIDF-Jugend und Sprecher der Plattform Solidarität Simdi mit auf dem Podium an dem Abend. Auf die erste Frage, die an alle Podiumsgäste gestellt wurde „Wieso Hanau kein Einzelfall war?“, war wie zu erwarten ein gemeinsamer Konsens im Raum. Eben weil alleine seit 1990 mehr als 200 Menschen aufgrund Rechten Terrors vom Leben gerissen wurden, aber auch wurde darauf verwiesen das zwischen 2019 und 2020 innerhalb von 9 Monaten mit Walter Lübcke, Halle und zuletzt Hanau dies in regelmäßigen Abständen stattfand und dies sei schon die einfachste Antwort auf diese Behauptung des vermeintlichen Einzelfalls. Gültekin führte hierzu noch aus, „Es ist nicht nur eine Verharmlosung des Rechten Terrors wenn Medien und Politik von Einzelfällen redet, sondern auch eine direkte Unterstützung“. Zur weiteren Frage an Serpil, ob sie von Anfang an das vollste Vertrauen an die Ermittelung hatten für eine vollständige Aufklärung, beantwortete Sie es so: „Hoffnung haben wir, denn wieso sollen wir es machen wenn wir keine Hoffnung hätten. Aber viel Erwartung haben wir natürlich nicht. Nur mit dem öffentlichen Druck ist es möglich ohne diese würden wir es nicht schaffen. Sie wollen es ja immer noch unter den Teppich kehren oder die Augen verschliessen, dass wissen wir, deswegen bleiben wir bis zum ende dran. Warum wir Aufklärung wollen,… Jetzt versuche ich und auch die anderen Familien, auch wenn wir wissen unsere Kinder werden nicht zurück kommen, aber wir machen es für die Zukunft, für andere Jugendliche, für unsere gemeinsame Zukunft. Bei Rassismus stirbt auch die deutsche Gesellschaft ,nicht nur Migranten. Deshalb kämpfen wir zusammen, sie waren ja auch Freunde Ferhats und sind auch traumatisiert, sind auch traurig und wollen nicht so weiter leben. Druck ist sehr wichtig, weil die Politik sich sonst nicht bewegt ohne Druck. Und nur zusammen sind wir laut. Deutsche und Migranten gemeinsam. Alle meine Kinder sind hier geboren und auch meine Enkelkinder werden hier zur Welt kommen und wir werden nirgendwo anders hingehen wir sind hier und deshalb müssen wir gemeinsam kämpfen.“

Desweiteren wurde dem Eren nach seiner Einschätzung als Vertreter der DIDF-Jugend gefragt, wie Sie den Anschlag von Hanau einschätzen und wie sich das auf ihre antirassistische Arbeit gewirkt hat. Hierzu führte er aus, dass seit der Gründung ihres Jugendverbandes, seit 1996 eben viele rechte Anschläge in diesem Land verübt wurden. Jedoch war Hanau für sie als Jugendverband, dessen Jugendliche die in Shihsabars viel Zeit verbringen eben nochmal mit anderen Gefühlen mitgenommen hat. Jedoch war es kein Wegruf, sondern es hat gezeigt, dass was Sie seit 25 Jahren machen eben noch intensiver und entschlossener führen müssen. Wichtig sei hierbei den Kampf gegen Rassismus nicht losgelöst von gesellschaftlichen Entwicklungen zu sehen um die genauen Ursachen des Problems erkennen zu können. Da immer wenn die sozialen Missstände stärker sind und die Perspektivlosigkeit innerhalb der Gesellschaft sich zuspitzt, dass immer dann versucht wird mit Rassismus die Gesellschaft zu spalten um eben von den eigentlichen Ursachen abzulenken.

Auf die Frage von Cansu Budak, was genau die Funktion der kürzlich eröffneten Bildungsinitiative Ferhat Unvar Räumlichkeit sei, schilderte Abdullah Unvar, dass die Bildungsinitiative Ferhat Unvar vielfältig sei, weil es eine Anlaufstelle für Mütter, für junge Menschen sind, die z.b. die Hausaufgaben Betretung wahrnehmen. Es gibt Demokratie-Trainer, die man ausgebildet habe, die an die Schulen gehen und Workshops den LehrerInnen anbieten, sie sensibilisieren. Die Initiative, so beschrieb Abdullah aus.“ ist vielfaltig, wir haben gesagt wir müssen das machen, was wir vorher nicht hatten. Wir müssen in die Bildung einsteigen, da es viele Familien, gibt die von sich aus dies nicht tun können und ihre Kinder nicht unterstützen können, aufgrund der Sprache oder wegen dem Finanziellem oder Sonstigem, darum ist es für viele Menschen eine Anlaufstelle. Und wir bieten ihnen die Möglichkeit diesen Menschen in welcher From auch immer zu unterstützen.“ Hierzu ergänzte Serpil, dass es auch vor allem um Zusammenhalt gehe, die Jugendlichen die da sind auch Vorbilder seien für ander Jugendliche, und sie für den Zusammenhalt ermutigen werden sollen.

Zum Schluss wurde erneut an alle Podiumsgäste die Frage gestellt was man machen müsste damit sich rechtsterrortische Anschläge wie Hanau sich nicht wiederhole. Hierzu war wie bei der Eingangsfrage der konkrete gemeinsame Konsens zu sehen, sowohl Serpil, Abdullah als auch der Eren haben in ihren Antworten es deutlich unterstrichen, dass eben gemeinsam gekämpft werden müsse und man sich zusammen tun muss statt nebeneinander isoliert zu kämpfen. Eren, führte in seiner Antwort zudem ausführlich aus und beschreib ebenso, dass: „wir uns bewusst sein müssen, dass wir selbst die Veränderungen herbeiführen können sowie müssen, und eben alle Errungenschaften in dieser Gesellschaften von den Menschen selbst erkämpft wurde und nicht geschenkt wurde“. Dazu gab er ein konkretes Beispiel aus Marburg, das am ersten Jahrestag von Hanau ein Mahnmal zum gedenken für alle Opfer von rechten Terror seit 1990 heute in Marburg stehe und dies vom Stadtparlament offiziell anerkennt wurde, dass dies nur möglich war weil junge Menschen zusammen kamen und gemeinsam für diese Forderung gekämpft haben.

Das Mahnmal, das sich heute im Südviertel von Marburg befindet, wurde vor der Veranstaltung gemeinsam mit den Podiumsgästen aus Hanau das Erste mal besucht und der ganze Prozess erläutert und gemeinsames Foto geschossen.

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