Kriegs-Alarm an den Finanzmärkten?

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Die wirtschaftlichen Konsequenzen der momentanen Eskalationsspirale rund um die Ukraine sind bereits jetzt spürbar. Der Anstieg der Gaspreise ist dabei ein wichtiger, aber nicht ausschließlicher Indikator für die aktuellen Umbrüche. Die Finanz- und Rohstoffmärkte sind in heller Aufregung und die Diskussionen um mögliche Schocks im Falle einer Invasion Russlands erstarken. Inwieweit sich die Situation an den Märkten wieder stabilisiert oder weiter zuspitzt (mit oder ohne den Faktor eines Krieges in Europa) bleibt abzuwarten.

An der Wall Street waren durchgehend starke Reaktionen der Märkte zu beobachten. Anleger von als risikoreich geltenden Aktien stiegen auf langfristig sichere Goldpapiere und Staatsanleihen um. Neun der elf S&P-Sektoren verzeichneten Rückgänge. Der Technologiesektor-Index (.SPLRCT) fiel um drei Prozentpunkte, gefolgt vom Konsumgüter-Index (.SPLRCD) mit 2,8 Prozentpunkten. Hingegen stieg der Index des Energiesektors mit ebenfalls 2,8 Prozentpunkten an, was als der Ausdruck des höchsten Anstiegs der Ölpreise seit sieben Jahren angesehen werden kann. 

Die gesteigerte Aktivität an der Wall Street galt ursprünglich der Erhöhung des Leitzins der US-Notenbank Fed, die wiederum Attraktivität von Staatsanleihen befeuerte. Die Renditen von US-Staatsanleihen liegen bei 1,941 Prozentpunkten. Besonders die Aktienkurse der hochbewerteten US-TechKonzerne litten an dem Vorstoß der Notenbank. NVIDIA verlor 7,3 Prozentpunkte, Amazon 3,6, Apple und Microsoft über zwei Prozentpunkte. Die anhaltende Inflation in den USA rief die Fed auf den Plan, über eine Steigerung des Zinses die eigene Währung zu stabilisieren. Die EZB handelt im Vergleich deutlich vorsichtiger, um der Inflation innerhalb der EU entgegenzuwirken. EZB-Präsidentin Lagarde kommentierte: „Falls nötig, werden wir handeln. Aber das geht nur Schritt für Schritt.“

Steigen Gaspreise noch mehr?

Stimmen, die einen Einmarsch Moskaus in die Ukraine für wahrscheinlich halten, kommen mehrheitlich aus den USA und Großbritannien. So erhöhte das nordamerikanische Analyse-Haus BCA Research die Wahrscheinlichkeit einer russischen Invasion von 50 auf 75 Prozentpunkte. Die Panikmache vor einer mutmaßlichen russischen Invasion, verstärkt durch Warnungen des US-Auslandsgeheimdienstes CIA und die Aufforderung der US-Regierung, US-Bürger mögen so schnell wie möglich die Ukraine verlassen, sorgen für immer größere unvorhersehbare Schwankungen auf den Märkten.

Die Rohstoffmärkte sind dabei von zentraler Bedeutung. Schon jetzt mutmaßen Analysten über zukünftig stärkere Schwankungen bei den Rohstoffpreisen. Die westlichen Sanktionsdrohungen gegen Moskau befeuern derartige Analysen. Es bleibt nämlich abzuwarten, wie Moskau auf Sanktionen oder auf die Weigerung Kiews, das Minsker Abkommen zu realisieren, reagieren wird. Ein Stopp von russischen Gaslieferungen über die Ukraine könnte zu einer exorbitanten Steigerung des Gaspreises führen. Andererseits werden auch die russischen Märkte durch die aktuelle militärische Anspannung und das gegenseitige Sanktionspotential belastet. Der in US-Dollar berechnete russische Index RTS brach in den letzten Tagen ein. Aeroflot und Gazprom verloren mehr als viereinhalb Prozentpunkte.

Angst nutzt den US-Konzernen

Die Verschärfung des Konflikts könnte insbesondere den USA zugute kommen. Der Druck der Biden-Regierung gegenüber Berlin, Nord Stream 2 ad acta zu legen und die Angst vor einem russischen Einmarsch zu erhöhen, kann zwangsläufig zu einer weiteren Steigerung der Attraktivität von LNG-Gas aus Nordamerika und zu einer damit einhergehenden weiteren Entkoppelung der deutschen Wirtschaft von russischem Gas führen. Das hofft zumindest Washington. Scholz ist da deutlich vorsichtiger. Auch weil eine westliche Sanktionspolitik russische Gegenmaßnahmen auslösen würde. Eine (wie es immer so schön heißt) diplomatische Lösung wäre Berlin lieber mit dem Ausblick, Nord Stream 2 als wichtigen Stabilisierungsfaktor der deutschen Wirtschaft beizubehalten.

Weitere Eskalationen hätten weitreichende Konsequenzen auf europäische Aktienkurse. Je mehr eine Wirtschaft mit der ukrainischen und russischen Wirtschaft verflochten ist, umso größer der potentielle Fall der Kurse. Besonders betroffen wären Länder wie Polen oder Österreich. Der DAX könnte sogar um die 700 Punkte einbüßen. Er ist bereits um 3 Prozentpunkte gesunken. Die Automobilindustrie wäre sogar mehrfach betroffen. Russland stellt die drittgrößte Palladium-Produktion weltweit. Das für Autokatalysatoren notwendige Palladium könnte zu einem weiteren Risiko der deutschen Automobilindustrie werden.

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