Eine Textilmetropole in der sich die Textil-Arbeiter erheben!

Mahir Sahin

Bei den spontanen Arbeitskämpfen der Textil-Arbeiter in der Türkei kommt es in Gaziantep, eine Industriestadt im Südosten, zu betrieblichen Kämpfen für außerordentliche Lohnerhöhungen. Denn die dahin schmelzenden Löhne durch die hohe Inflation erschweren die Lebensbedingungen auf extreme Weise. Die Stadt ist bekannt als Textilstadt, gerade bei der Teppichproduktion und mit ihren Webereien ist sie federführend in der Textilbranche.

Extreme Ausbeutungsbedingungen für syrische Flüchtlinge!

Gaziantep liegt an der türkisch-syrischen Grenze und hat über 2 Millionen Einwohner. Sie ist auch eine der Städte mit den meisten Flüchtlingen aus Syrien mit ca 450.000 Menschen. Viele werden als Billigarbeiter, prekär und als nicht registrierte, also nicht sozialversicherte Arbeitskräfte, in der Textilindustrie eingesetzt. Somit werden sie unter dem Mindestlohn vergütet.

Arbeiter wehren sich!

Gerade in diesem Bereich arbeiten fast alle Beschäftigten unter dem Mindestlohn, der jetzt aktuell auch nur noch unter dem Hungerslohn liegt. Die Textilmetropole Gaziantep ist ein Paradies für Arbeitgeber, denn die stellen aktuell Exportrekorde auf. Auf der anderen Seite führt die extreme Ausbeutung dazu, dass die Beschäftigten versuchen, sich zu organisieren oder gemeinsam Gegenwehr zu leisten. Der Organisationsgrad ist sehr gering, denn die verschiedenen Textilgewerkschaften machen sich kaum die Mühe, die Beschäftigten zu organisieren, sie wollen lediglich den Status quo halten. Das ändert sich aber gerade durch die Gründung einer von unten organisierten Textilgewerkschaft.

Eine kämpferische Textilgewerkschaft formiert sich!

Die Gewerkschaft für Textil, Weber- und Lederarbeiter (BIRTEK-SEN), steht in der Stadt an der Spitze der Proteste und Arbeitskämpfe für Lohnerhöhungen und um die Organisierung der Beschäftigten. Aber es kommt immer wieder zu Repressionen gegen die Arbeiter und insbesondere gegen Mehmet Türkmen, den Vorsitzenden der Gewerkschaft. Allein in der letzten Woche wurde er dreimal verhaftet und nach kurzer Zeit wieder freigelassen. So versuchen die Arbeitgeber bewusst Gewerkschaftsarbeit zu kriminalisieren. Der Gewerkschafter wurde zuvor durch mafiöse Kreise verfolgt und mit dem Leben bedroht. Aber an seiner Entschlossenheit für die Rechte seiner Kollegen weicht er keinen Millimeter ab und braucht unsere Solidarität.