13. Bundeskonferenz DIDF-Jugend: „Wann, wenn nicht jetzt!“

Foto: Yeni Hayat

Dirim Su Derventli

Mit 59 Delegierten und einigen Gästen tagte die DIDF-Jugend anlässlich ihrer 13. Bundeskonferenz vom 25. – 27. März 2022 in der Jugendherberge Köln-Riehl. Unter dem Motto „Wann, wenn nicht jetzt!“ trafen sich Jugendliche aus ganz Deutschland, um an dem Wochenende die Arbeit der vergangenen zwei Jahre zu bewerten und für die neue Legislaturperiode neue Beschlüsse zu fassen und zu planen. 

Delegierte aus ganz Deutschland

Die Jugendlichen aus über 17 Städten wurden zuvor von ihren DIDF-Jugend Ortsstrukturen als Delegierte für die Bundeskonferenz gewählt. Mehr als die Hälfte der Delegiertenzahl war von jungen Frauen besetzt; ebenfalls für mehr als die Hälfte war dies die erste Bundeskonferenz. Etwa ein Viertel der Delegierten waren Schülerinnen und Schüler, während Studierende die größte Gruppe darstellten. Mit etwa 20 Personen konnte auch ein Zuwachs an Azubis und jungen Arbeiterinnen und Arbeitern festgestellt werden. Die 16 bis 29-jährigen organisieren sich in ihren Orten innerhalb von Schulen, Betrieben und Universitäten, darüber hinaus auch in Stadtteilen.  

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Politische Jugendarbeit in Zeiten von Krieg

Einen wesentlichen Teil nahm die politische Bewertung ein, in der insbesondere der Krieg in der Ukraine thematisiert wurde. Hierbei wurden die geostrategischen Imperialinteressen sowohl Russlands als auch der NATO-Staaten herausgearbeitet. Dies sei schon im Jahr 2014 deutlich geworden, als es zu den Maidan-Protesten und Auseinandersetzungen um die Krim und die Annexion dieser durch Russland ging, so Alev Bahadir, geschäftsführendes Bundesvorstandsmitglied der DIDF-Jugend. Neben der Kritik an Waffenlieferungen problematisierte Bahadir auch die 100 Milliarden Euro Sonderetat an die Bundeswehr und betonte, dass die von Olaf Scholz angekündigten 2% des BIP für Rüstungsausgaben die eigentlichen Bestrebungen der Bundesregierung aufzeigen würden, nämlich die Wahrung der Kapitalinteressen von Großkonzernen wie Hensoldt oder Heckler & Koch. Auch in der anschließenden Diskussion wurden unterschiedliche Punkte in Bezug auf den Krieg benannt. Insbesondere die Reaktivierung der Wehrpflicht wurde rege diskutiert. Dabei lag ein Fokus auf die bisherigen Agitationsstrategien der Bundeswehr, die gezielte Werbeformate auf Sozialen Medien einsetzt, um zu rekrutieren. Dass dieser Krieg nicht im Interesse der Jugend sei, prägte die Abschlussdiskussion: wenn sich an dieser Situation nichts ändere, sei die Jugend in Zukunft die Leidtragenden des aktuellen Krieges. 

Die vergangenen zwei Pandemiejahre sind nicht spurlos an der Jugend vorbeigegangen. Umso wichtiger seien daher solidarische und kollektive Zusammenarbeit mit anderen Jugendorganisationen wie dem Internationalen Jugendverein (IJV) gewesen. In ihrem Grußwort betonten die Vertreterinnen des IJV daher die starke Verbundenheit beider Organisationen. Die hervorgehobene gemeinsame Arbeit äußerte sich unter anderem durch die Teilnahme an der Bundeskonferenz des IJV. Auch weitere Grußworte erreichten die Konferenz, darunter die des DGB-Jugend Bundesvorsitzenden Kristof Becker. Becker sprach die Zusammenarbeit und starke Partnerschaft zwischen der DIDF-Jugend und der Gewerkschaftsjugend an. 

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Das neue Arbeitsprogramm der DIDF-Jugend

Nach einer Gruppenarbeitsphase wurde ein Arbeitspapier für die nächsten zwei Jahre beschlossen. Mit konkreten Forderungen sowie Arbeitsschritten will die DIDF-Jugend sich acht verschiedenen Themen widmen. Für das Thema Arbeit wurden unter anderem die Einführung des ausnahmslosen Mindestlohns für alle und das kostenlose ÖPNV-Ticket für Azubis festgehalten. In Sachen Bildung einigte man sich u.a. auf Forderungen wie eine Schule für alle und ein BAföG, das für ein selbstbestimmtes Leben reicht. Auch frauenpolitischer Inhalt ist im Arbeitsprogramm festgehalten, so ist eine Kernforderung die vollumfängliche Umsetzung der Istanbul Konvention. Forderungen wie Aufrüstungsstopp der Bundeswehr und „Deutschland raus aus der NATO“ wurden im Kapitel Frieden festgehalten. Aber auch soziale Themen wie Gesundheit und Wohnen fanden besondere Berücksichtigung, indem unter anderem die Enteignung von Immobilienkonzernen und Schluss mit der Privatisierung des Gesundheitswesens in das Arbeitsprogramm mitaufgenommen wurden. Mit Blick auf die Umweltzerstörung wurde unter anderem der sofortige Ausstieg aus fossilen Energien und den massiven Ausbau erneuerbarer Energien als Forderung beschlossen. Schließlich ist auch innerhalb dieses Arbeitspapiers ein Abschnitt zu Rassismus und rechtem Terror, wobei eine der Forderungen das Verbot aller rassistischer und faschistischer Parteien und Organisationen umfasst. Um die Forderungen auch in Zukunft zu verbreiten, hat die 13. Bundeskonferenz einstimmig beschlossen, weiterhin stark in Bündnissen, mit Gewerkschaften und anderen sozialen Bewegungen zu arbeiten.

Darüber hinaus wurde beim Tagesordnungspunkt „Junge Stimme“, die Zeitschrift der DIDF-Jugend, mit nur zwei Enthaltungen für eine Wiederaufnahme der ursprünglichen Auflage von 2000 beschlossen. Hier wurde betont, dass gerade die Printversion einer Zeitschrift über die Funktion eines Mediums hinausgeht und einen organisierenden Charakter in Form eines Werkzeugs erhält. 

Der Blick in die Zukunft

Mit 58 gültigen Stimmzetteln wählte die 13. Bundeskonferenz den neuen 15köpfigen Bundesvorstand. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass 10 der Vorstandsmitglieder Frauen sind. Die Tatsache, dass junge Frauen sich immer mehr politisch organisieren und leitende Tätigkeiten übernehmen, ist bei der DIDF-Jugend bereits fest etabliert. Für die zukünftige Arbeit des Bundesvorstandes stehen nun Aufgaben wie das bundesweite Open-Air-Festival in Zusammenarbeit mit dem Erwachsenenverband (DIDF – Föderation demokratischer Arbeitervereine) an. Auch die Mobilisierung für das internationale Sommercamp in Österreich am Attersee, vom 29.07 – 07.08.2022 wird für die Jugendlichen in den nächsten Monaten eine besondere Aufgabe. Bis zu 300 Jugendliche werden dann im oberösterreichischen Teil des Salzkammergutes im Bezirk Vöcklabruck zusammenkommen, um in zehn Tagen ein kollektives Zusammenleben in Frieden und Solidarität zu verwirklichen. 

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