9-Euro-Ticket – schön und gut aber wie geht es weiter?

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Özgün Önal

Das 9 Euro Ticket kam einem Großteil der Bevölkerung zugute. Allein im ersten Geltungsmonat, Juni 2022, sollen mehr als 21 Millionen Menschen zugegriffen haben. Nun läuft das Ticket aus und wie es weitergehen soll, ist weitgehend ungewiss.

So wie viele Bereiche des Lebens ist auch der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) von Einschränkungen und Überteuerung betroffen. Daher auch die hohen Ticketpreise. In Frankfurt am Main kostet eine Monatskarte inkl. Frankfurter Flughafen beispielsweise 97,10 Euro. Eine Jahreskarte kostet ab 926, 10€. Da ist es nicht verwunderlich, wenn ein Großteil der Bevölkerung sich für das 9 Euro Ticket bzw. ein vergleichbares Ticket mit günstigem Tarif ausspricht.

Transport ist für Menschen mit einem niedrigen Einkommen nicht leistbar, vor allem nicht, wenn die Inflation und die damit einhergehenden Kosten wie beispielsweise die Energiepreiserhöhung mitberechnet werden. 

Kritik kommt zudem von der Bahn selbst. Überfüllte Züge würden dafür sorgen, dass gerade Vielnutzer und Berufspendler künftig eher wieder aufs Auto umsteigen würden, um bequem und pünktlich zur Arbeit zu kommen. Auch sei die Arbeitsbelastung des Bahnpersonals stark gestiegen. Die Bundesregierung hat derweil eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets, das 2,5 Milliarden Euro gekostet hat, ausgeschlossen, auch wenn etwa der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) vorschlägt, das Angebot einfach um zwei weitere Monate zu verlängern.

Mittelfristig ist der VDV aber für ein 69-Euro-Ticket als Nachfolger des 9-Euro-Tickets. Für Bedürftige könnte der monatliche Preis auf 29 oder 39 Euro gesenkt werden, wie VDV-Geschäftsführer Wolff der Süddeutschen Zeitung erklärt. Ein 69-Euro-Ticket könnte sich auch der Deutsche Städtetag, die Interessensvertretung der Kommunen, vorstellen, wie der Tagesspiegel schreibt. Auch ein 365-Euro-Ticket (auf Jahresbasis) ist im Gespräch. Damit würden etwa Nutzer, die ihr Jahresabo einmal jährlich auf einen Schlag bezahlen, rund die Hälfte sparen.

Ein weiterer Vorschlag kommt von Klaus Bogenberger, Professor für Verkehrstechnik an der TUM. Der Verkehrswissenschaftler schlug in der bayerischen TV-Sendung Sonntags-Stammtisch vor, dass ein Kilometermodell Sinn ergeben würde. Ähnlich wie bei dem Kauf von Datenvolumen beim Smartphone könnte man etwa 200 ÖPNV-Kilometer zu einem Preis von zum Beispiel 20 Euro buchen. Dies würde dann direkt via Handy verrechnet. Auch gedruckte Tickets seien möglich.

Für Menschen mit niedrigem Einkommen sieht der BUND ein Ticket vor, das vergleichbar günstig ist wie das Neun-Euro-Ticket.

Zur Finanzierung verweist der BUND unter anderem auf den Abbau klimaschädlicher Subventionen im Verkehrsbereich, wodurch jährlich mehr als 30 Milliarden Euro Steuergeld eingespart werden könnten.

Noch einfacher und besser wäre es natürlich, wenn der Zugang zum ÖPNV komplett kostenfrei realisiert werden könnte. Dieser Vorschlag wird von der Partei die Linke vertreten und umsetzbar wäre sie innerhalb von fünf Jahren und flankiert vom Ausbau des Streckennetzes. Finanziert werden könnte das Projekt durch den Abbau von Subventionen für Flugverkehr und private Dienstwagen, so die Linke.