Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf empfiehlt eine Nullrunde für die diesjährige Tarifrunde!

Foto: Ali Çarman

Ayhan Zeytin

Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf hatte vor kurzem der Presse gegenüber gesagt, trotz der hohen Inflation gebe es in diesem Jahr keinen Spielraum für Lohnerhöhungen. „Wenn wir im Herbst in eine Gasmangellage kommen, fällt das genau in unsere Tarifrunde“, sagte Wolf. „Dann wird es nicht möglich sein, die Firmen der Metall- und Elektroindustrie mit Lohnerhöhungen weiter zu belasten.“

Wie wir bereits berichtet haben, wurden in den Betrieben Ende Mai und Anfang Juni von den Tarifkommissionen verschiedener Regionen Diskussionen darüber eingeleitet, welche Art von Forderungen für die diesjährige Tarifrunde gestellt werden sollten. Laut einer Befragung der IG Metall unter Betriebsräten in über 2.500 Betrieben steht fest: Die wirtschaftliche Lage der Betriebe ist trotz Risiken etwa resultierend aus dem Ukrainekrieg, hohen Energiepreisen, einem drohenden Gasembargo oder Lieferschwierigkeiten, etwa bei Halbleiterchips, überwiegend gut. Die überwiegende Mehrheit berichtete von einer stabilen Auftragslage, einer guten Kapazitätsauslastung und einem hohen Ergebnis.

Der Auftragsbestand der Metall- und Elektroindustrie hat mit durchschnittlich 6,1 Monaten Reichweite einen historischen Höchstwert erreicht. Laut einer Umfrage der IG Metall unter Betriebsräten beurteilen rund 84 Prozent ihre Auftragslage als „gut“ oder „eher gut“, nur 2,6 Prozent als „schlecht“. 69 Prozent erwarten in den kommenden sechs Monaten eine gleichbleibende Auftragslage, 18 Prozent sogar eine bessere. Ein Bremsklotz sind derzeit noch Engpässe in den Lieferketten, etwa bei den Halbleitern. Zwei Drittel der Betriebe haben derzeit eine normale oder hohe Kapazitätsauslastung. Auch mit Blick auf die Ertragslage 2022 sind 70 Prozent der Betriebe optimistisch. Tatsache ist, dass alle Unternehmen während der Pandemiezeit beispiellose Gewinne erzielten. Trotz Preissteigerungen und der Inflation mit dem Ausbruch des Russland-Ukraine-Krieges war die letzte Lohnerhöhung, die sich auf den Lohntabellen bemerkbar machte, im Jahr 2018, also vor vier Jahren. Diese ganze Situation spielte bei der Diskussionen unter der Beschäftigten und der Aufstellung der Tarifforderung eine Rolle. 

Deshalb forderten Betriebe in Baden-Württemberg und Bayern eine Gehaltserhöhung von 6,6 % bei LINDE und 7-8,5 % bei BMW (und einen Bonus von 80 Euro für Gewerkschaftsmitglieder), während Beschäftigte in vielen anderen Betrieben eine Gehaltserhöhung von 8 % bis 15 %, für eine Laufzeit von 12 Monaten forderten. Dass eine dauerhafte prozentuale Lohnerhöhung für Arbeitnehmer besonders wichtig ist, zeigen erste Ergebnisse einer Befragung der IG Metall unter rund 166.000 Beschäftigten.

Der IG Metall Vorstand beeinflusst die Höhe der Tarifforderung 

Obwohl die oben aufgeführten Diskussionen noch andauerten und der 30. Juni das Datum war, an dem die Tarifkommissionen in den Regionen zusammentreten sollte, um die Tarifforderungen festzulegen, hat der IG Metall-Vorstand und der IG Metall-Vorsitzende Jörg Hoffmann am 20. Juni den Tarifkommissionen für die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie empfohlen, eine Forderung von 7-8 Prozent für 12 Monate zu fordern. 

Zudem ist die Meinung der IG-Metall-Führungskräfte bereits aus der Eisen & Stahl Tarifrunde im Mai bekannt, dass die Tarifpolitik allein die aktuellen Teuerungsraten nicht ausgleichen können und mehr Hilfsmaßnahmen von der Politik erwarten sollten.

Die Diskussionen in den Tarifkommissionen, die am 30. Juni tagten, zeigten erwartungsgemäß eine große Bandbreite in den Betrieben: Während einige betriebliche Arbeitervertreter erklärten, dass ihre Unternehmen aufgrund von Preiserhöhungen in einer schwierigen Ertragslage seien, die sie nicht an ihre Kunden weitergeben könnten und zum Beispiel anhaltende Lieferschwierigkeiten bei Halbleiterchips, die meisten Arbeitervertreter berichteten von Milliardengewinnen und Rekordrenditen in ihren Unternehmen und brachten deutlich höhere Erwartungen als 8 % aus den Diskussionen mit ihren Belegschaften mit.

Dessen ungeachtet haben die Tarifkommissionen auf Anraten des IG-Metall-Präsidenten Jörg Hofmann am 30. Juni auf eine 8% Forderung der Löhne und Ausbildungsvergütungen für die Dauer von 12 Monaten entschieden.

Am 11. Juli hat die IG Metall der endgültigen Tarifforderung für ihre mehr als 3,8 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie genehmigt.

Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf macht sich über die Metallarbeiter lustig, indem er für die diesjährige Tarifrunde 0 Prozent empfiehlt.

Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf hatte vor kurzem der Presse gegenüber gesagt, trotz der hohen Inflation gebe es in diesem Jahr keinen Spielraum für Lohnerhöhungen. „Wenn wir im Herbst in eine Gasmangellage kommen, fällt das genau in unsere Tarifrunde“, sagte Wolf. „Dann wird es nicht möglich sein, die Firmen der Metall- und Elektroindustrie mit Lohnerhöhungen weiter zu belasten. 

“Zudem sei das Lohnniveau in der Metall- und Elektrobranche laut Unternehmenssprecher bereits zu hoch. „Die Löhne können nicht weiter steigen – schon gar nicht in diesem Fall“, sagte Wolf. Er verteidigte die Ansicht, dass „Mitarbeiter steigende Preise ohne Gehaltserhöhungen bewältigen müssen“. 

Die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektrobranche beginnen Mitte September.

Am 28. Oktober endet die Friedenspflicht. Nach diesem Datum sind Warnstreiks möglich. Mal sehen, wie die Arbeiter in den Metall- und Elektrounternehmen darauf reagieren, vom Gesamtmetall-Präsidenten verspottet zu werden.