Armee der Armen wächst weiter

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Die Inflationsrate in Deutschland ist mittlerweile auf 7,9% gestiegen, fast doppelt so hoch wie im Juli 2021. Viele Menschen sind hiervon betroffen, Menschen mit Kindern und Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit am stärksten, wie es eine Untersuchung des Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) belegt.

Als Grund für die Zunahme der Armut in dieser Bevölkerungsgruppe werden zunächst die Lockdowns und Einschränkungen durch die Covid-19-Pandemie angeführt. Diese führten zu Störungen globaler Lieferketten und anschließend zu der Knappheit von industriellen Produkten, die wiederrum eine Verteuerung bedeuteten. Einen weiteren Schlag versetzte dem die russische Aggression gegen die Ukraine. Der Krieg, der im Februar 2022 ausgebrochen ist, führte zu einer Energiekrise wegen Lieferproblemen von Gas, was die Preise nochmal extrem in die Höhe trieb. Dass dabei auch Preise von Gütern und Produkten in die Höhe schossen, die von Gasnachfragen unabhängig sind, hat eher mit Börsen und Spekulationen zu tun, als mit Lieferengpässen.

Besonders von der steigenden Inflation sind Haushalte mit niedrigem Einkommen betroffen. Das liegt unter anderem daran, dass Haushalte mit geringem Einkommen prozentual gesehen mehr Geld mehr für Nahrungsmittel und Konsumgüter des täglichen Bedarfs ausgeben, als „Großverdiener-Familien“.

Familien mit Kindern und insbesondere diejenigen mit Migrationshintergrund äußern ihre großen finanziellen Sorgen, Niedrig- und Geringverdiener sehen, wie das Ersparte innerhalb kürzester Zeit dahin schmilzt. Gehör finden die Betroffenen bei der Bundesregierung aber keinesfalls. Die minimalen finanziellen Entlastungspakete verdampfen schon, bevor sie auf dem Konto landen. Statt z.B. die Mehrwertsteuer für Nahrungsmittel, Kleinkind- oder Säuglingsprodukte abzusenken oder abzuschaffen und Multimilliarden-Konzerne und ihre Eigner zur Kasse zu bitten, werden im Gegenteil Milliarden an die Wirtschaft geschenkt, um Insolvenzen und Minuszahlen auf Papier wettzumachen. Statt Spekulation auf Nahrungsmittel und gegen Länder z.B. in Afrika (was den Hungertod von Millionen Menschen zur Folge hat) zu unterbinden, werden nur Maßnahmen ergriffen, welche der Wirtschaft dienen und die Profite nicht anrühren. Es ist kein Zufall, dass die Armee der Armen wächst und im entgegengesetzten Pol die Zahl der Multimilliardäre ebenfalls gestiegen ist. Beide extreme nehmen zu, wenn auch nicht im gleichen Verhältnis. Allein die Corona-Maßnahmen sorgten dafür, dass zusätzliche 150 Millionen Menschen weltweit in absoluter Armut versanken. Die Inflation wird ihr Übriges tun und deutlicher zeigen, dass die Armen der Welt keine Zukunft in diesem System haben. Jetzt gilt es, diesen Menschen eine gesellschaftliche Alternative zu zeigen, in der nicht Profit, sondern der Mensch im Mittelpunkt steht.