100 Milliarden für die Jugend

Die DIDF-Jugend und der Internationale Jugendverein (IJV) haben eine neue gemeinsame Kampagne mit dem Titel „100 Milliarden für die Jugend“ beschlossen. Wir haben mit Thoya vom IJV und mit Roylan von der DIDF-Jugend über die Kampagne gesprochen.

Im Rahmen der Preissteigerungen und der Energiekrise bilden sich derzeit viele Bündnisse und Initiativen. Wieso braucht es eine spezielle Jugendkampagne?

Thoya: Jugendliche sind von den Preissteigerungen auf besondere Weise betroffen. Ob beim Taschengeld, dem Nebenjob oder dem Ausbildungsgehalt – wenn man jung ist, hat man wenig Geld. Immer weniger Jugendliche können sich leisten, bei den steigenden Mieten aus dem Elternhaus auszuziehen und für immer teurere Freizeitaktivitäten können wir nicht mehr aufkommen. All das wirkt sich auf die Lebensqualität und die Zukunftsperspektiven aus. Diese Situation hat sich für uns nun noch weiter verschärft. Die Proteste, die sich von verschiedenen Seiten bilden, haben vielseitige Forderungen. Für uns steht an erster Stelle: „Löhne rauf“. Hier anzusetzen ist wichtig, denn für die lohnabhängig beschäftigte Bevölkerung ist dies die einzige Möglichkeit, die Inflation auszugleichen. Für die Jugend, die sich oft noch in der Ausbildung befindet, heißt das dann höhere Ausbildungsvergütung und auch Anhebung der staatlichen Unterstützung wie BAföG. Außerdem sind wir auf öffentliche Strukturen wie den ÖPNV und Mensen an den Schulen oder Universitäten angewiesen. An diesen Stellen wird jedoch seit Jahren gekürzt und privatisiert, was die Preise für uns in die Höhe treibt. Statt hier einzuschreiten und Geld in die Hand zu nehmen, nimmt die Bundesregierung lieber Kredite für ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro zur Aufrüstung der Bundeswehr auf und verkauft unsere Zukunft. Wir brauchen in Zeiten, wie diesen, eine Kampagne mit besonderen Forderungen für die Jugend, weil wir auf diese spezifischen Probleme Antworten finden müssen.

Aus dem Kampagnentitel geht eine Kritik an dem Sondervermögen für die Bundeswehr hervor. Wie sehr liegt der Fokus dieser Kampagne auf Antimilitarismus?

Roylan: Der Antimilitarismus ist die Grundlage unserer Kampagne. Mit dem Namen „100 Milliarden für die Jugend“ richten wir uns ganz gezielt gegen das Sondervermögen. Wir sehen eine zunehmende Gefahr durch die Stimmungsmache für den Krieg und die damit einhergehende Normalisierung von Militarismus und Aufrüstung. Es ist aber nicht normal, dass die Mehrheit der Gesellschaft, die nun mal in jedem Falle unter Kriegen leidet, für die einigen wenigen Profiteure des Krieges nun den Kopf hinhalten muss. Wir sehen sehr deutlich, dass es vor allem die Jugend ist, die grade im Ukraine-Krieg gegeneinander ins Feld geführt wird: In der Ukraine dürfen Wehrfähige das Land schon lange nicht verlassen und durch die Teilmobilmachung in Russland werden jetzt auch dort immer mehr junge Menschen eingezogen und ihrer Zukunft beraubt. Doch auch in Deutschland sehen wir, wie die Bundeswehr immer agressiver an Schulen und in der Öffentlichkeit wirbt und vor allem Jugendliche ansprechen will. Darum stellen wir uns geschlossen gegen die Versuche, uns als Kanonenfutter zu benutzen und zeigen mit unserer Kampagne all die Alternativen zur Kriegstreiberei auf, die unser Leben tatsächlich verbessern würden. Unsere Antwort auf ihre Kriege ist die Forderung nach einer lebenswerten Zukunft für uns alle!

Thoya, als IJV ist das eure erste Kampagne, die in mehreren Orten parallel laufen wird. Heißt das, dass es vielleicht den IJV in noch mehr Städten geben wird?

Thoya: Der Internationale Jugendverein hat sich 2016 in Hamburg gegründet. In Frankfurt, Hanau und Marburg haben sich in den letzten Jahren ebenfalls Ortsgruppen gebildet, die auf Grundlage unseres gemeinsamen Selbstverständnisses gegen Krieg, Ausbeutung und Faschismus einstehen und Jugendliche, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, aus allen Lebensbereichen organisieren: gemeinsam in Schule, Betrieb und Uni. Die Kampagne ist für uns ein großer Schritt dahin, als bundesweite Organisation zu arbeiten und aufzutreten. Die Probleme, die wir damit angehen, gibt es nicht nur in Frankfurt, Hanau, Marburg und Hamburg. In jeder Stadt gibt es Jugendliche, die die Belastungen unserer Gesellschaft spüren und etwas dagegen unternehmen möchten. Darum streben wir in jedem Fall an, in noch mehr Orten gemeinsam mit der DIDF-Jugend präsent zu sein und denken auch, dass die bundesweite Kampagne Gelegenheit gibt, neue Schritte in diese Richtung zu machen.

Roylan, die DIDF-Jugend organisiert sich an Betrieben, Schulen und Universitäten – in welchem Zusammenhang stehen eure Basisgruppen mit der Kampagne?

Roylan: Unsere Basisgruppen – also Gruppen, in denen wir als Schüler, Studierende oder junge Arbeiter zusammenkommen – sind im Grunde der Kern unserer Kampagne. Das ist wichtig, denn Schüler:innen spüren die Militarisierung zum Beispiel durch vermehrte Präsenz der Bundeswehr an ihrer Schule, Studierende merken es in den Versuchen, militärische Forschungen an den Unis stärker zu etablieren. Für Auszubildende hingegen bedeutet die Krise erschwerte Chancen auf Übernahme sowie größere Probleme, mit der Ausbildungsvergütung über die Runden zu kommen. Das sind nur ein paar Beispiele, wie die derzeitige Lage sich in den verschiedenen Bereichen auswirkt. Durch die Organisierung in den Basisgruppen schaffen wir es, darauf konkret einzugehen. Das heißt aber nicht, dass wir uns den einzelnen Bereichen voneinander abschotten. Viel zu oft wird versucht uns einzureden, wir hätten nicht die gleichen Probleme und müssten jeder für sich durch die kommende Zeit gehen. Wir merken jedoch, dass die Probleme in den einzelnen Bereichen die gleichen Ursachen haben und dass die Jugend einen gemeinsamen Kampf führt. Kurz um gewinnt die Kampagne durch die Basisgruppenarbeit ihre Qualität.

Wie werden die Kampagne und eure Arbeit in den kommenden Monaten aussehen?

Roylan: Die Kampagne ist sehr vielseitig und wird unsere Aktivität in den nächsten Monaten prägen. Dazu gehören Proteste und Veranstaltungen. Wir haben auch spezielles Material für die Kampagne gestaltet. Es geht darum, dass sich unsere gemeinsamen Probleme in jeder Stadt anders äußern können und wie wir unsere Arbeit in den Städten voranbringen können. Seien es z.B. unsere Schülergruppen in Berlin und Ulm, unsere Hochschulgruppen Hamburg und Marburg oder unsere Azubiplattform in Frankfurt. Es geht darum diese Strukturen zu stärken, dass Jugendliche sich anhand ihrer Lebensrealität einbringen und erkennen können, dass wir nur organisiert etwas verändern können.

Thoya: Genau, deshalb möchten wir es schaffen, dass die Kampagne nicht nur eine Kampagne der DIDF-Jugend und des IJV ist, sondern eine Kampagne der Jugend selbst. Denn die Frage ist klar: wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen, dass so mit unserer Zukunft gespielt wird? Es ist die Möglichkeit, in dieser turbulenten Zeit für jede und jeden, einen Schritt nach vorne zu machen: vom Nachdenken und Beschweren hin zur Beteiligung daran etwas praktisch zu verändern. Wir möchten genau dafür eine Gelegenheit bieten.