100 Milliarden für die Jugend: Die Kampagne an der Uni Hamburg

Sedat Kaya

Wenn wir „100 Milliarden für die Jugend“ sagen, dann fallen uns bereits jetzt viele Punkte auf, an denen das Geld in Universitäten wie der Uni Hamburg gut aufgehoben wäre: es gibt eine Kostendeckungslücke in Höhe von mehreren Millionen Euro, weshalb nicht zuletzt, wie auch im letzten Jahr angekündigt, Studienplätze z.B. in der Informatik oder das Lehrangebot in den Rechtswissenschaften gekürzt wurden. Anderorts werden z.B. Professuren oder andere Stellen nicht nachbesetzt, das Angebot der Bibliothek reduziert und es fehlt an Transparenz, wo, warum und wieviel gekürzt wird. Gleichzeitig arbeiten weiterhin hunderte von studentischen Beschäftigten an der Uni unter unsicheren und schlecht bezahlten Arbeitsbedingungen. Davon, dass die Inflation wie überall auch, die Preise in den Mensen in die Höhe schießen lässt, brauchen wir wohl nicht viel sagen…
Doch auch in diesem Semester sind wir als IJV und DIDF-Jugend wieder aktiv an der Universität Hamburg, dieses Mal im Rahmen unserer Kampagne „100 Milliarden für die Jugend“. Wir beginnen das Semester mit einer (inzwischen institutionalisierten) Semesterparty am 22. Oktober und machen unser erstes Auftakttreffen am 27. Oktober, bei dem wir gemeinsam die kommenden Aktivitäten besprechen. Geplant ist eine Informations- und Diskussionsveranstaltung unter dem Namen „nur noch Nudeln mit Ketchup?“, in dessen Rahmen wir über die steigenden Lebenshaltungskosten von Studierenden gemeinsam diskutieren und diese den Geldern für die Kriegsbestrebungen der deutschen Bundesregierung gegenüberstellen möchten. Es folgen noch eine thematisch passende Lesung sowie eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zur Frage der „Klasse“: ein Begriff, der auch an unserer Universität z.B. in Form der „Klassismus“-Diskussionen immer wieder auftaucht und dem wir wissenschaftlich auf den Grund gehen möchten – gerade jetzt, wo die ökonomischen und sozialen Probleme noch gravierender werden.
Natürlich sind viele von uns noch an den Aktivitäten im Rahmen der Kampagne, die außerhalb der Universitäten stattfindet aktiv (wir freuen uns schon darüber zu berichten). Doch ihr seht: an der Uni Hamburg gibt es auf jeden Fall genug zu tun!


Die Kampagne in Marburg
Aslı Gürhan
In Marburg treffen uns die Inflation, die gesteigerten Lebenshaltungskosten, die Mietpreissteigerungen und zuletzt auch die gestiegenen Mensapreise als Studierende besonders stark. Marburgs Studentenwerk, das bekannt ist für hohe Ablehnungsquoten und monatelange Bearbeitungszeiten hat sich durch die Krisen keineswegs verbessert und verstärkt die Prekarität, in der wir uns als Studierende befinden. Auch die Energiepauschale vom BAföG-Amt in Höhe von 200 Euro stellt lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein dar. Damit können höchsten längst überfällige Anschaffungen, wie Smartphones oder Schuldentilgungen getätigt werden, aber nicht die gestiegenen Kosten von Lebensmitteln oder Mieten in irgendeiner Weise langfristig deckeln. Und dabei war hier bisher nur die Rede vom aller nötigsten.
Gerade wegen der prekären und krisenbehafteten Zeit ist es wichtig insbesondere die Neuankömmlinge in unserer Stadt mit Infomaterialien zu versorgen. Also über die aktuelle Lage und über Handlungsmöglichkeiten zu informieren. Im Wintersemester füllt sich die Stadt mit vielen jungen Menschen, die gerade Abitur gemacht haben und das erste Mal das Elternhaus verlassen konnten. Um zumindest erstmal mit guter Stimmung die neuen Leute in unserer Stadt Willkommen heißen zu können, möchten wir als Ortsgruppen DIDF-Jugend Marburg und IJV Marburg eine Semesterparty schmeißen. Dazu konnten wir nicht nur zu Beginn des Semesters als Ortsgruppe unsere Arbeit wieder aufnehmen, sondern können auf unseren Infoständen auch gleich zu einer coolen Aktion einladen und vor allem eine günstige Möglichkeit bieten, in der Innenstadt Marburgs neue Leute kennenzulernen. Nach zwei Jahren Pandemie scheint die Sehnsucht nach einem kulturellen Abend groß und eine gute Möglichkeit als Gruppe zusammenzukommen zu feiern und gleichzeitig nach außen zu treten. Neben weiteren Veranstaltungen wie bspw. über Polizeigewalt oder mit dem Aktionsbündnis Gemeinsam für unser Klinikum, soll es auch eine große Veranstaltung zu 100 Milliarden für die Jugend geben. Dabei sollen vor allem die Klimafrage und in diesem Zusammenhang das 9€-Ticket diskutiert werden. Nach einer erfolgreichen Veranstaltung hoffen wir mit vielen neuen Gesichtern auf das hessenweite Polit-Camp gehen zu können um die Inhalte weiter vertiefen zu können.

Im Gespräch mit jungen Erwachsenen Azubis und Studis:

Murat, 24 Jahre, Studierender aus Marburg
Die Inflation trifft mich als Studierender an allen Lebensbereichen. So muss ich zweimal überlegen was ich mir beim Einkaufen leisten kann. Sonst kann ich das alles nicht stämmen. Auch die Energiekrise macht mir fürchterlich Angst, weil ich nicht weiß, was mich erwartet, wenn die ersten Rechnungen bezahlt werden müssen. Kurz danach ist auch der Semesterbeitrag wieder fällig.

Celine, 18, Auszubildende im Einzelhandel aus Marburg
Ich war am überlegen, nach FfM für meine Ausbildung zu ziehen, aber da ich von meinem Kolleginnen mitbekommen habe, dass sie über die Hälfte ihres Gehaltes nur für die Wohnung zahlen (kalt), kommt das für mich jetzt nicht mehr in Frage. Im Prinzip ginge das gesamte Gehalt nur fürs Lebensnotwendigste drauf. Es war vorher schon kaum bezahlbar, aber jetzt mit der Ungewissheit der steigenden Energiekosten musste ich mich gegen einen Auszug bei meinen Eltern entschieden. Viele andere Azubis im Betrieb sind auf ihre Eltern angewiesen, ich möchte aber meine Eltern nicht noch zusätzlich belasten.

Zouina, 19 Jahre, Studierende aus Hamburg
Ich bin Studentin und lebe derzeit noch bei meinen Eltern Zuhause, Miete oder Gas habe ich also nicht zu zahlen, trotzdem bekomme auch ich die Teuerungen zu spüren. Besonders weil zum Beispiel Ausziehen erstmal keine Option ist und sich mit der Zeit als immer schwieriger gestaltet. Mit ca. einer Stunde Fahrt zur Uni bin ich auf den ÖPNV und die Mensen angewiesen, die bei den Teuerungen natürlich gut mithalten. Dazu bleibt neben meinem Studium kaum verfügbare Zeit zum Arbeiten und selbst bei mir ist am Ende des Monats so gut wie nichts übrig.

Joy, 21 Jahre, Studierende aus Hamburg
Als Studentin hat mir diese Einmalzahlung wenig geholfen. Ich wohne momentan mit anderen Studierenden in einer Wg und allein die bisherigen Nachzahlungen für Heizkosten, haben wir uns, trotz „Entlastungspacket“, kaum leisten können. Wegen den ohnehin schon hohen Lebenserhaltungskosten in Hamburg, habe ich neben dem Studium noch einen Teilzeitjob, daher mache ich mir Sorgen um weitere finanzielle Belastungen, die auf mich zukommen.