Politisches Jugend-Kino in Hamburg

Thoya Kruse

Wer kennt es nicht? Geht man ins Kino, steht an der Kasse und möchte Tickets für sich und seine Freunde kaufen und ist entgeistert, dass der Eintritt inzwischen mehr als den Stundenlohn kostet. In Hamburg wurde dieses Problem vor und auf der Leinwand aufgegriffen. Am Mittwoch den 9. November lud der IJV Hamburg ein zu „Der Internationale Jugendverein präsentiert: Sorry we missed you“, ein Film über eine Familie, die nach der Finanzkrise 2008 in Armut gestürzt wird und mit den Folgen zu kämpfen hat. Kaum ein Auge blieb bis zum Ende der Filmvorstellung trocken, denn dieser Film hat es in sich. Ungeschönt stellt er die täglichen Kämpfe einer Arbeiterfamilie in England dar, und lässt dabei keine tragische Entwicklung in ihrem Zerfall aus.

In „Sorry we missed you“ versucht der Familienvater Ricky seine Angehörigen und ihren Haushalt nach dem Verlust seiner Stelle und seiner Anlagen wieder auf beide Beine zu stellen. Hierfür tappt er in die Falle der Scheinselbstständigkeit und arbeitet als Folge 14 Stunden am Tag als Paketbote und trägt das volle Risiko für seine Zustellungen. Seine Frau arbeitet mit regelmäßigen Überstunden und zu knochigen Bedingungen als Pflegerin, während der 15-jährige Sohn und die 10-jährige Tochter mit zwei arbeitenden Elternteilen zuhause sich selbst überlassen werden. Der Film beschreibt die Verzweiflung der Familie, die sich auch in ihren Beziehungen zueinander niederschlägt, aber auch, wie sie sich immer und immer tiefer in den alltäglichen Problemen verlieren. Auf den Punkt bringt es ein Traum, den die Mutter gegen Ende des Films schildert. Sie und ihr Mann versinken in einem Treibsandbeet, während ihre Kinder versuchen sie herauszuziehen, doch sie sinken immer weiter und der Sand schließt ihnen die Luft zum Atmen ab.

Das junge Publikum wurde besonders von dem Film getroffen, denn was abgebildet wird, ist entweder ihre Realität oder das, wovor junge Menschen jeden Tag Angst haben müssen: Wie wird ihre Zukunft aussehen? Armut in Deutschland bedeutet ein monatliches Einkommen von 781€ zu haben. Demnach leben mehr als 13 Millionen Menschen (16,5%) in Deutschland in Armut, das ist jeder Sechste. Wobei das durchschnittliche Einkommen bei knapp 1300€ liegt. Sprich, selbst wenn man berufstätig ist und den Reichtum dieser Gesellschaft produziert, kratzt man in Deutschland am Existenzminimum. Diese Zahlen sind über die Pandemie gewachsen und werden mit der Inflation und dem Reallohnverlust weiterwachsen. Jugendliche sind besonders, wenn sie sich noch in der Ausbildung befinden, überproportional von Armut betroffen, denn das Ausbildungsgehalt und das BAföG reichen vorne und hinten nicht.

Deshalb wurde im Rahmen der Filmvorführung vom IJV die Perspektive aufgemacht, sich gegen diese gemeinsamen Probleme der Jugend zusammenzuschließen und zu kämpfen. Ein Ansatz hierfür soll die Kampagne „100 Milliarden für die Jugend“ sein, in der Forderung nach höheren Löhnen, mehr BAföG und dem Ausbau öffentlicher Strukturen auch der massiven Aufrüstung und dem 100 Milliarden Paket für die Bundeswehr gegenübergestellt werden. Außerdem wurde dazu aufgerufen, sich da zu organisieren, wo man seinen Alltag verbringt und in der Gesellschaft positioniert ist, sprich in der Schule, in der Uni, im Stadtteil und im Betrieb.