Diversität – wie es meinen Interessen passt

Am Montag startete „Die Mannschaft“ ihren Flug zur Fußball-WM in Katar. „Aus Gründen der Nachhaltigkeit“ so die PR-Abteilung, flog das komplette DFB-Team inklusive Betreuer und medizinischem Personal per Linienflug mit der Lufthansa. Es saßen also auch normale Passagiere im Flugzeug, statt nur das DFB-Team. Wenn es um gute PR geht oder lukrative Geschäfte, endet Moral und Anstand und wenn Nachhaltigkeit „Mode“ geworden ist, dann steigen alle mit ein, sogar Unternehmen, deren Geschäftsfeld auf der Verpestung der Luft und Verbrennung von Kerosin beruht. Es ist halt schick, „sauber zu fliegen und das als positiv zu verkaufen“, aber – wertneutral betrachtet – wehe man klebt sich auf Asphaltböden für mehr Umweltschutz, dann wird man zum Klimaterroristen erklärt und kriminalisiert.

Bei der zweiten PR-Aktion der Mannschaft handelte es sich um das Flugzeug selbst, auf dem sich eine Sonderlackierung „Diversity Wins“ (zu dt. „Vielfalt gewinnt“) befindet. Darunter sind Zeichnungen von Personen unterschiedlicher Herkunft zu sehen, die Arm in Arm eingehakt neben einander stehen. Die Lufthansa, Sponsor des DFB, erklärt die Aktion so: „Lufthansa bringt Gäste aller Nationen und Kulturen zusammen und heißt alle an Bord willkommen – unabhängig von Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft, Religion, Nationalität, sexueller Orientierung oder Identität. Für diese Haltung wirbt das Unternehmen jetzt hoch über den Wolken und in aller Welt: Diversity wins!“

So viel Heuchelei, dass einem die Spucke im Halse stecken bleibt. Ob die Sonderlackierungen auf Lufthansa-Flugzeugen auch zum Einsatz kommen werden, wenn die nächste Abschiebung aus Deutschland ansteht – unabhängig von Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft, Religion, Nationalität, sexueller Orientierung oder Identität? Denn die Abschiebung ist ein lukratives Geschäft für Lufthansa: Stolze 25 % der Abschiebungen aus Deutschland führt Lufthansa durch, 5885 waren es z.B. 2019. Diese Doppelmoral, gegen Katar ein Zeichen setzen zu müssen, während man in Länder abschiebt, aus denen die Menschen aus gleichen Gründen fliehen!

Diese Aktion als großartiges Statement zu feiern, ist so typisch deutsch, möchte man schon sagen. Im Grunde ist er aber nichtssagend und fällt eher unter rückratlos-peinlich als zum standhaften Statement. Da tun sich Lufthansa und DFB nichts, sie sind darauf aus, Profit zu schlagen und Gewinn zu erzielen auf Kosten von Menschenwürde und –leben, mal mit Abschiebung in Kriegs- und Krisenländer, mal mit Legitimierung von Homo- und Frauenfeindlichkeit durch Teilnahme an undemokratischen Turnieren.

Aber kann man es denen den verübeln? Immerhin treiben die Bundesregierungen jeglicher Couleur die gleiche Taktik bereits seit Jahrzehnten sehr erfolgreich voran. Nicht erst seit Merkel oder Scholz werden Menschen- oder Frauenrechte und Demokratie als flexible Kaugummis zerkaut und immer wieder aus Schubladen herausgeholt, wenn diese in die strategischen und ökonomischen Interessen des deutschen Kapitals passen. Egal ob „KZs in Jugoslawien“, „Schulen für Mädchen“ oder „Religionsfreiheit für Uiguren“: Wenn es der Bundesrepublik dient, werden alte und neue Skandale aufgerollt, während parallel dazu die Augen ganz fest verschlossen werden, wenn in Hinterzimmern mit autoritären Präsidenten oder Scheichs Deals abgewickelt werden und Deutschland seine Positionen sichern kann. Die ganze Aktion ist Fassade und soll nur die wahren Interessen beschönigen.