Ausstellung „Three Doors“

Foto: Yeni Hayat

Gizem Gözüaçık

Nach fast drei Jahren im Hanau-Attentat und fast 18 Jahren im Fall Oury Jalloh kämpfen die Familien der Opfer und die Überlebenden immer noch um Aufklärung, Gerechtigkeit und Konsequenzen. Die Ausstellung „Three Doors“ beleuchtet verschiedene Aspekte rassistischer Gewalttaten in Deutschland und zeigt vor allem neue Erkenntnisse zum Attentat in Hanau und zum Handeln der Polizei.

Forensic Architecture/Forensis, die Initiative 19. Februar Hanau und die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh stellen vom 05.11.-30.12.2022 ihre gemeinsame Ausstellung „Three Doors“, die mit dem Frankfurter Kunstverein co-produziert wurde, im Haus der Kulturen der Welt in Berlin vor. Jeden Sonntag gibt es eine kostenlose Führung u.a. mit Cetin Gültekin, dem Bruder von Gökhan Gültekin, der beim rechtsterroristischen Attentat in Hanau ums Leben kam.

Das 2011 gegründete britische Künstlerkollektiv Forensic Architecture und sein Berliner Ableger Forensis haben es sich zur Aufgabe gemacht, mithilfe von digitaler und investigativer Methoden und Technologien Spuren der rassistischen Gewalt vor allem in Bezug auf staatliche Institutionen und Behörden zu untersuchen. Dabei werden Bilder aus Überwachungskameras, Zeugenaussagen oder Ermittlungsdokumente gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern analysiert, rekonstruiert und aus ihnen neue Informationen gezogen.

Die Ausstellung „Three Doors“ zeigt die neuesten Untersuchungen anhand von drei Türen: Die ersten beiden Türen stellen den versperrten Notausgang der Arena Bar in Hanau und die Haustür des Täters, die unzureichend von der Polizei überwacht wurde, dar. Die dritte Tür führt zu einem Nachbau der Zelle 5 des Polizeireviers Dessau in Sachsen-Anhalt, in der der junge Asylbewerber Oury Jalloh 2005 verbrannte. Hier wurde die Zelle nachgestellt und darauf die Rauchspuren projiziert, die beweisen, dass die Zellentür während des Brandes die meiste oder gesamte Zeit offen stand, was wiederum darauf hindeutet, dass es sich hier um einen Mord handelt.

Die zentralen Ergebnisse der Untersuchungen werden auf einer Zeittafel dargestellt, die sich über einen großen Teil des Ausstellungsraums erstreckt. Auf der einen Seite wird der Ablauf der Tatnacht vom 19. Februar genauestens abgebildet und das Organisationsversagen rund um den Notruf in Hanau rekonstruiert. Auf der anderen Seite erstreckt sich der Zeitstrahl über einen Zeitraum von insgesamt zweieinhalb Jahren und bildet den unermüdlichen Kampf um Aufklärung und Gerechtigkeit ab. Auf einer weiteren Tafel wird noch einmal das „Notruf-Desaster“ genauer beleuchtet.

Einen weiteren großen Teil des Ausstellungsraums nehmen zehn Monitore ein, auf denen die Aussagen der Angehörigen, die sie vor dem Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtages getätigt hatten, in Videoaufnahmen dokumentiert sind.

„Offen, als sie verschlossen hätten sein sollen und versperrt, als sie unversperrt hätten sein müssen – diese Türen verkörpern das Scheitern der sozialen Ordnung.“ – so werden die Türen in der Beschreibung der Ausstellung in einen symbolischen Zusammenhang gesetzt. Mit der Rekonstruktion des Gesamtkontextes wird das irritierende und verstörende Verhältnis zwischen rassistischen Täter:innen und staatlichen Behörden in Deutschland beleuchtet.