Frei wie ein Vogel?

Alev Bahadır

Massenentlassungen beim Facebook-Mutterkonzern Meta oder Twitter, Streiks bei der Logistik von Amazon. Lange Zeit haben sich große Tech-Unternehmen Mühe gemacht, sich als „alternative“ Arbeitgeber zu verkaufen, bei denen der Kreativität und Flexibilität keine Grenzen gesetzt sind. Jetzt zeigen sie ganz deutlich, was ihre echten Prioritäten sind.

Die Übernahme von Twitter durch Elon Musk ist seit Monaten eines der größten Gesprächsthemen. Die Angst, die der Kauf für die Zukunft des sozialen Netzwerks bedeutet, war groß. Hatte Musk im Vorfeld Twitter immer wieder Zensur vorgeworfen und sich für die Umsetzung der Redefreiheit im Falle eines Kaufs durch ihn ausgesprochen. Damit bezieht er sich in erster Linie auf die Eingriffe durch Mitarbeitetende, wenn Falschbehauptungen und Desinformation betrieben wurde. Ebenso kündigte er an, dass Donald Trumps Ausschluss aus dem Netzwerk rückgängig gemacht werden solle, was schlussendlich auch geschah. Die Befürchtung, dass die Plattform also zu einer Sammelsurium für Hassrede und Fakenews wird, ist sehr groß. Während sich soziale Netzwerke gerne als Plattformen für die Meinungsfreiheit und den Austausch vermarkten, sehen wir nochmal ganz deutlich, dass sie nichts anderes sind, als Unternehmen, die eine gewisse Unternehmenspolitik verfolgen. Die Einfluss auf Nachrichten und Meinungsmache nehmen. Und anders, als oft vorgespielt haben es die Angestellten in solchen Unternehmen alles andere als leicht.

So wurden nach der Übernahme Twitters durch Musk etwa die Hälfte der 7000 Mitarbeitenden entlassen. Diejenigen, die fest eingestellt waren, mussten Geheimhaltungserklärungen unterschreiben. Gleichzeitig beschäftigte Twitter tausende Menschen über Leiharbeitsfirmen, die jetzt ohne Abfindung ausgehen. Diejenigen die bleiben „durften“ mussten erklärten, dass sie zu „langen Stunden bei hoher Intensität“ bereit seien müssen, sonst wurden sie ebenfalls entlassen. Dagegen klagen jetzt sowohl die Angestellten der Subunternehmer als auch ehemalige Festangestellte, da Massenentlassungen 60 Tage im Voraus angekündigt werden müssten. In Deutschland wurden nahezu alle der 30 Angestellten von Twitter Deutschland gekündigt. Dagegen organisieren sie sich nun bei ver.di, um einen Betriebsrat zu gründen und gegen die Kündigungen vorzugehen.

Mit diesem Verhalten ist Twitter nicht alleine. Auch der Facebook-Konzern Meta hat Anfang November 11.000 Personen entlassen, das sind 13 % der Belegschaft weltweit. Mehrere andere Techunternehmen, wie Microsoft, haben aufgrund der Rezession Entlassungen angekündigt. Somit reagieren die großen Internetfirmen wie alle anderen Unternehmen, wenn der Gewinn zurückgehen sollte, mit Kündigungen. Daran ändern auch bunte Sitzkissen wenig. Jedoch ist der Organisationsgrad in der IT-Branche bei den Gewerkschaften noch immer nicht hoch genug. Den Mitarbeitenden wird vermittelt, dass in solchen Firmen Kreativität belohnt werde, dass sie Mitbestimmungsrecht hätten und das Büro sich eher anfühlen solle, wie ein Zuhause. Das bekannteste Beispiele ist der Internetriese Google, der Fitnessräume, Fahrräder und Spielzimmer auf dem Firmengelände anbietet. Stattdessen wird so nur der Eindruck suggeriert, man arbeite weniger, während man tatsächlich mehr Zeit am Arbeitsplatz verbringt. Die Förderung von „Kreativität“ bedeutet nichts anderes, als den Konkurrenzdruck unter den Mitarbeitenden zu erhöhen. In den aktuellen Fällen wird die wahre Absicht der Unternehmen jedoch deutlich: den Profit zu erhalten und zu steigern.

Das zeigen einmal mehr die Logistik-Beschäftigten von Amazon Deutschland, die am Black Friday 10 der 20 Logistikzentren in der BRD bestreikt haben. Seit Jahren kämpft die Gewerkschaft ver.di mit den Beschäftigten für Tarifverträge, höhere Löhne und eine Arbeitssituation frei von dem Druck und der Überwachung, wie sie aktuell der Fall ist. Der Streik wurde am Black Friday in 23 Ländern von Amazonmitarbeitenden durchgeführt.