Neuer Vergleich ergibt: Bildungsniveau in Deutschland niedrig!

Kompetenzen von Schülern in Deutschland im internationalen Vergleich

Thoya Kruse

Ein internationaler Vergleich, den das Münchner ifo-Institut auf Grundlage von Schulleistungsstudien gezogen hat, hat ergeben, dass der Anteil der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, denen grundlegende Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen fehlen, mit 23,8 % relativ groß ist. Deutschland landet dabei gerade mal auf Platz 30 im Vergleich zu anderen Ländern. Die Spanne der Quoten in verschiedenen Ländern reicht sehr weit. Unter den 195 Ländern haben 101 einen Anteil über 50 %, während 36 Länder sogar über 90 % liegen. Insgesamt wurde ermittelt, dass zwei Drittel der Jugendlichen weltweit diese grundlegenden Fähigkeiten fehlen. Vor allem Kinder und Jugendliche südlich der Sahara fallen durch das Raster. Die Länder, die am besten abgeschnitten haben, sind China, Macau und Singapur. Deutschland platziert hinter anderen europäischen Ländern, wie Schweden und Portugal, aber auch Russland. Die USA und die Türkei liegen noch hinter der Bundesrepublik. Ifo-Bildungsexperte Wößmann äußert sich besorgt, dass mit diesem hohen Wert in Deutschland durch Lernrückstände die wirtschaftliche Zukunft und der Wohlstand Deutschlands bedroht seien.

Diese Rückstände in der Lernentwicklung müssen auf ihre Ursachen zurückgeführt werden. Welche Faktoren spielen in die Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler eine Rolle? Der erste und wohl auch gravierendste Faktor ist der Personalmangel in Kitas und Schulen. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung fehlen in Deutschland rund 100.000 Vollzeitstellen für Erzieher. Das hat zur Folge, dass die Kindergartengruppen zu groß sind und keine Betreuung möglich ist, die den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird. Besonders in diesen jungen Jahren ist dies jedoch besonders wichtig. Sie bilden die Grundsteine für die Lernvoraussetzungen der nächsten Jahre. Dieser Erziehermangel spiegelt sich direkt wieder in den grund- und weiterführenden Schulen wieder. Auch hier sind die Klassen zu groß, was laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zu schlechteren Lernergebnissen führt.

Darüber hinaus schlägt sich die Unterfinanzierung des Bildungssystems im Zustand der Bildungsstätten nieder. Asbest in den Wänden, Schimmel auf der Toilette und billiges Baumaterial sind keine Seltenheit an deutschen Schulen. Laut einer Befragung der Kreditanstalt für Wiederaufbau unter den Kommunen (2019) liegt der Investitionsrückstand in Sachen Schulgebäude deutschlandweit bei 42,8 Milliarden. Dass das Bildungssystem in Deutschland derartig unterfinanziert ist, ist angesichts der Ausgaben für die Aufrüstung der Bundeswehr durch das 100 Milliarden Sondervermögen besonders erschreckend.

Wen betrifft dies besonders? Es wird berichtet, dass unter sozial benachteiligten Kindern die Lernverluste besonders groß seien, was einen allgemeinen Anstieg und eine Vertiefung der sozialen Ungleichheit zur Folge hat. Das bedeutet, dass Kinder aus Arbeiterfamilien oder Familien mit Migrationshintergrund besonders von diesen Problemen im Bildungssystem getroffen werden. Sie sind weniger dazu in der Lage, die Defizite des Bildungssystems auszugleichen, gehen an schlechter finanzierte Schulen und sind von Rassismus betroffen.