Akute Bedrohung eines Kölner Hilfsprojektes in Kobane

Foto: Kölner Helfen

Am Dienstag fand in den Räumen des Kölner Friedensbildungswerks eine Pressekonferenz der Initiative „Kölner helfen“ statt. Journalist-Schriftsteller Günter Wallraff musste seine Teilnahme sehr kurzfristig absagen.

Anlass war die seit Mitte November andauernde Bombardierung kurdischer Städte im Norden Syriens und im Norden Iraks. Die Initiative „Kölner helfen“ befürchtet, dass bei einem Einmarsch und der Besetzung des nordsyrischen Grenzgebiets durch die Türkei die Situation der dort lebenden Menschen noch schlimmer wird und auch die humanitären Projekte gefährdet sind. Die Kölner Initiative „Kölner helfen“ (Schirmherr: der ehem. Oberbürgermeister Jürgen Roters) finanzierte seit Ende 2014 mit über 100.000 Euro an Spenden von Kölnerinnen und Kölnern den Aufbau einer Mädchenberufsschule und des Waisenhauses Alan’s Rainbow in Kobanê in Nordostsyrien.

Der anwesende Schirmherr Jürgen Roters machte deutlich, dass nur ein mutiges und entschlossenes Vorgehen aller gesellschaftlichen und politischen Kräfte diese Brutalität und weitere Angriffe stoppen kann.

Ehemalige Ministerin für Wissenschaft und Forschung NRW Anke Brunn (SPD) erweiterte die Perspektive und machte deutlich, dass Erdogan sich ein solches Vorgehen im Schatten des Krieges in der Ukraine erlaubt. Verstöße gegen elementare Menschenrechte durch willkürliche Verhaftungen und Beschuldigungen unter fadenscheinigen Gründen, wie im Falle des Oberbürgermeisters der Kölner Partnerstadt Istanbul, Imamoglu, zeigen das systematische Vorgehen Erdogans um jedwede Form der Opposition und Selbstbestimmung zu unterdrücken. Beide wiesen darauf hin, dass diese Angriffe auf kurdische Städte in einem komplexeren Zusammenhang zu sehen sind, auch gerade im Hinblick auf die im nächsten Jahr anstehenden Präsidenten- und Parlamentswahlen.

Bereits 2018 und 2019 hatte die Initiative „Kölner helfen“ darauf aufmerksam gemacht, dass die Lebensgrundlage der KurdInnen aber auch der anderen religiösen und ethnischen Minderheiten, wie Aramäer, Eziden und Armenier im Nordostsyrien aufgrund der Angriffe der Türkei gefährdet ist. – Nun ist das durch Initiative der Kölner Bürger aufgebaute Projekt erneut gefährdet: Im Waisenhaus wurde bereits ein Bunker gebaut, wo die Kinder zurzeit gezwungen sind ihr Leben zu verbringen.

Die Mitglieder der Initiative berichten, dass durch die aktuellen Angriffe der Türkei alleine in Kobanê und Umland über 19 Schulen teilweise vollständig zerstört wurden und deshalb über 22.000 SchülerInnen aktuell ihr Recht auf Bildung nicht wahrnehmen können. Sie appellieren, dass von kommunaler Ebene, wie auch in Köln, bis in die Bundes- und Europaebene politischer Druck ausgeübt werden muss, um weitere Angriffe oder sogar einen möglichen Einmarsch der Türkei in den Nordostsyrien zu verhindern. Ferner bitten Sie die KölnerInnen um weitere Spenden, damit die geplante Krankenstation in Alan’s Rainbow errichtet werden kann.