Die Bürger Istanbuls zeigen ihren Willen gegen die Verhaftung von Ekrem İmamoğlu

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Zahlreiche Menschen versammelten sich im Istanbuler Stadtteil Saraçhane, dem Sitz der Stadtverwaltung, um gegen die Verurteilung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu zu 2 Jahren, 7 Monaten und 15 Tagen Haft und „Politikverbot“ zu protestieren.

İmamoğlu wurde wegen „Beleidigung des Wahlrats“ angeklagt, die Anklage forderte eine Freiheitsstrafe von bis zu vier Jahren und einem Monat und ein Politikverbot. Noch während der Urteilsverkündung wurde zu einer Kundgebung in Saraçhane ausgerufen. Das Gericht verurteilte İmamoğlu zu 2 Jahren, 7 Monaten und 15 Tagen Haft. Auch ein Politikverbot wurde beschlossen. Damit das Urteil rechtskräftig wird, muss es vom Berufungsgericht bestätigt werden.

İMAMOĞLU KAM NACH SARAÇHANE

Auch İmamoğlu stieß zu den Bürgerinnen und Bürgern. In seiner Ansprache machte er deutlich, dass er sich den Repressionen nicht beugen werde und er gemeinsam mit den Menschen Istanbuls zusammenstehen und gegen die Ungerechtigkeit kämpfen werde.

Zahlreiche Parteien war dem Ruf İmamoğlus zur Versammlung gefolgt. So waren u.a. die CHP-Vorsitzende der Provinz Istanbul, Canan Kaftancıoğlu, und der Vorsitzende der EMEP, Ercüment Akdeniz bei İmamoğlu. Die Bürger riefen häufig die Parole „Die Regierung muss zurücktreten“.

In seinem Redebeitrag machte İmamoğlu deutlich, wie er den Prozess einschätzt: „Dieses Gericht, dieser Prozess ist der Beweis dafür, dass es in der Türkei keine Gerechtigkeit mehr gibt. Dies ist ein Fall, der von Leuten geführt wird, die dem Land nicht die erhabensten Werte wie Gerechtigkeit und Demokratie bringen wollen. In der Tat ist es so, dass Leute, die sagen, wir sind der Staat, wir sind die Nation, uns gehört alles, schamlos den Prozess beeinflussen und Entscheidungen treffen. Ich wünschte, dieser Fall wäre ein Rechtsfall. Wenn es doch nur ein Gerichtsverfahren vor der Justiz gegeben hätte. In diesem Fall handelt es sich um einen Auftrag, den wir als korrupten Auftrag im bestehenden Auftrag bezeichnen können. Jede Entscheidung, die sie treffen, ist zu ihrem eigenen Vorteil. Die Schwierigkeiten, in denen sich unser Land befindet, seine Verarmung, sind das Ergebnis eines hässlichen Prozesses, mit dem viele Probleme von der Bildung bis zur Justiz vertuscht werden sollen. In einem Umfeld, in dem unsere Kinder keine Hoffnung für die Zukunft haben, ist der Fall, den wir heute erleben, ein Prozess, der uns allen schadet, weil er dem Recht schadet, indem er Klagen mit fadenscheinigen Gründen hervorbringt.“

Zum Schluss seiner Ansprache verkündete er, dass er zuversichtlich auf die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2023 blicke. İmamoğlu wurde 2019 zum Bürgermeister von Istanbul gewählt, was eine historische Niederlage für die AKP war, die die Stadt am Bosporus 25 Jahre regiert hatte. Auch nachdem sich die AKP mit fadenscheinigen Gründen gegen die Wahl gewährt hatte und diese wiederholt wurde, gewann İmamoğlu erneut. Ekrem İmamoğlu gilt als möglicher Herausforderer Erdoǧans bei der Präsidentschaftswahl 2023.