Es beginnt schon in der Grundschule

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Alev Bahadır

Dass der Bildungserfolg stark von der sozialen Herkunft abhängt, ist längst kein Geheimnis mehr. Zahlreiche Studien belegen das immer wieder. Nun zeigt eine Studie der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK), dass arme Kinder bereits an der Grundschule keine notwenigen Kenntnisse erwerben. Das von der Kultusministerkonferenz (KSK) in Auftrag gegebene Gutachten macht die Zahlen sehr deutlich. Bereits jede:r fünfte Viertklässler:in verfehle die Mindeststandards in Deutsch und Mathe, jede:r Vierte sei Verhaltensauffällig. Dass Grundschüler:innen bereits früh abgehängt werden, sei keine neue Entwicklung, sondern die Zahl wachse seit Jahren bereits stetig, so das Gutachten.

Besonders betrifft das Kinder aus sozioökonomisch schlechter gestellten Haushalten und aus Migrant:innenfamilien. In den letzten fünf Jahren hat diese Entwicklung sich immer mehr zugespitzt. Ein Zusammenhang ist ebenfalls mit der psychischen Situation der Kinder zu ziehen. Psychische „Auffälligkeiten“, allen voran aggressives Verhalten, aber auch Depressionen, betreffen 20 % der Kinder. Das Instituts für Schulentwicklungsforschung (ISF) der Universität Dortmund bescheinigt 22 % der Viertklässler:innen, die einmal im Monat ein Buch lesen, haben einen sehr kleinen Wortschatz. Auch hier schneiden arme und migrantische Kinder besonders schlecht ab. „Häufiges Lesen an digitalen Geräten weist einen negativen Zusammenhang mit dem Wortschatz der Kinder auf“, so die Forschungsleiterin des ISF.

Die SWK kommt in ihrer Empfehlung dazu, dass diese Probleme nur langfristig gelöst werden können, in dem die individuelle Betreuung in KiTas und der Grundschule gestärkt werde. Bei der aktuellen schlechten finanziellen Ausstattung von Schulen und Tagesstätten und dem fehlenden Personal wird sich an dieser Lage so schnell nichts ändern. Geschätzt 40.000 Lehrkräfte fehlen zurzeit bundesweit, bei den Erzieher:innen sind es sogar 100.000. Auf der Strecke bleiben diejenigen, die am wenigsten Hilfe von Zuhause bekommen können.