Illerkirchberg ist in Trauer

Foto: Ali Çarman / Illerkirchberg

Ceyda Tutan

In Illerkirchberg bei Ulm sind am 5.12. zwei Mädchen, 13 und 14 Jahre alt, auf dem Weg zur Schule von einem Mann brutal niedergestochen worden. Trotz sofortiger Widerbelebungsversuche am Tatort, verstarb Ece Sarıgül im Krankenhaus an den Folgen ihrer schweren Verletzungen. Die 14- Jährige wurde am Mittwoch in ihrem Heimatort beigesetzt. Das andere Mädchen hat überlebt, ist jedoch schwer traumatisiert.

Einen Tag nach dem Angriff waren ein Meer aus roten Kerzen, Blumen und Grußbotschaften am Tatort zu sehen. 1000 Menschen kamen in das alevitische Kulturzentrum in Ulm, um den Angehörigen ihr Beileid und Mitgefühl auszudrücken. Am Abend öffnete die Kirche in Illerkirchberg für eine Andacht ihre Türen und auch hier kamen hunderte Menschen zusammen, um ihre Anteilnahme auszudrücken und gemeinsam zu trauern. Am Tag der Beisetzung waren wieder unzählige Menschen aus dem ganzen Bundesland angereist.

Vieles bleibt immer noch im Unklaren

Der mutmaßliche Täter wurde kurz nach der Tat in einer Flüchtlingsunterkunft gefasst. Zwei weitere Männer, die Mitbewohner des Tatverdächtigen, wurden auch auf die polizeiliche Dienststelle gebracht und danach wieder frei gelassen. Einer der beiden hat nun Suizid begannen. Der Tatverdächtige, der selbst verletzt aufgefunden wurde, befindet sich derzeit im Justizvollzugskrankenhaus und schweigt zu der Tat. Auf Antrag der Staatanwaltschaft wurde ein Haftbefehl wegen Mordes und versuchten Mordes erlassen. Dennoch bleiben die Hintergründe der Tat immer noch im Unklaren.

Politiker:innen, wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) haben nach dem Angriff zur Besonnenheit aufgerufen und appellierten keinen Generalverdacht gegen Fremde und Schutzsuchende zu hegen. Auch der Illerkirchberger Bürgermeister Markus Häußler wandte sich mit einem offenen Brief an die Bevölkerung und bat darum keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und nicht zu verallgemeinern.

Rechte Gruppierungen instrumentalisieren den Angriff

Und kaum sind diese Worte ausgesprochen, so machen sich die rechten Gruppen und die AfD die Tat zu Nutze und instrumentalisieren den brutalen Angriff für ihre rassistische Gesinnung. Schon am gleichen Tag hetzen sie in den sozialen Netzwerken gegen Geflüchtete. Die Identitäre Bewegung protestierte noch am Tag der Beerdigung vor dem Rathaus in der Gemeinde, die AfD meldete eine Demonstration an und Der-Dritte-Weg rief zur Kundgebung am 12.12. auf, unter dem Motto „Kriminelle Ausländer abschieben!“ Und das alles passiert, während die Familien und Angehörigen der Mädchen noch völlig gefangen sind in ihrem Schmerz und ihrer Trauer. Aber andere Stimmen werden laut aus Parteien, Vereinen, Organisationen, die gegen jeglichen Rassismus appellieren. Bürger:innen der Gemeinde haben bei der Gegendemonstration der AfD Plakate mit folgender Aufschrift getragen: „Wir in Illerkirchberg trauern und stehen für Frieden, Solidarität und Toleranz.“

Die Solidarität, das Mitgefühl und die Anteilnahme der Gemeinde und der Bevölkerung sind groß und nichts anderes brauchen die Familien und Angehörigen gerade. Dieser schreckliche Angriff muss lückenlos aufgeklärt werden, aber nicht mit Hetzerei und falschen Mutmaßungen, die in die Irre führen oder die Bevölkerung spalten.