100 Milliarden für die Jugend!

Foto: Yeni Hayat

İdil Çallı

100 Milliarden für die Jugend! – das ist die gemeinsame Kampagne der DIDF-Jugend und des Internationalen Jugendvereins. Denn während einer Inflation von über 10%, während der steigenden Preise, die unsere Existenz bedrohen, während Ausbildungsplätze gestrichen werden und Schulen auseinanderfallen, ist für uns klar und deutlich, wofür es jetzt ganz dringend Geld braucht und wofür nicht! Wir spüren aktuell stärker denn je, wie sich unsere Lebensbedingungen von Tag zu Tag verschlechtern, wir sehen die Auswirkungen des Kriegs und müssen uns als Jugend Angst um unsere Zukunft machen. Gleichzeitig sehen wir aber auch, wie wir mit mickrigen Einmalzahlungen vertröstet werden, während von einer Nacht auf die andere 100 Milliarden Euro für Aufrüstung und Kriegstreiberei locker gemacht werden können. Wir wollen dieses Sondervermögen nicht und stehen entschlossen ein für Frieden, für eine lebenswerte Welt und für die Zukunft der Jugend. Wir brauchen weder Panzer noch U-Boote und Kampfjets für die Bundeswehr, sondern 100 Milliarden für die Jugend und das nicht nur als Floskel, sondern genau hier:

100 Milliarden für die Schulen!

An den Schulen in Deutschland fehlen 40.000 Lehrerinnen und Lehrer und Prognosen zufolge wird sich diese Zahl in den kommenden zehn Jahren fast verdoppeln. (Deutscher Lehrverband). Ein einziges U-Boot der deutschen Marine kostet 371 Millionen Euro: allein damit könnten im Durchschnitt über 6.000 Lehrerinnen und Lehrer für ein ganzes Jahr beschäftigt werden. Klar ist, dass das Geld also da ist, aber nicht aufgebracht wird! Schülerinnen und Schüler mussten während Corona größtenteils allein ihren Unterrichts-Stoff abschuften und wer digital nicht ausreichend ausgestattet war, fiel hinten runter. Doch auch nach der Pandemie sind die Bedingungen in den Schulen selbst verheerend. Kostenlose Mahlzeiten und Freizeit-Angebote fehlen und die Lehrinhalte sowie Material, Gebäude und Ausstattung sind komplett veraltet. Jetzt, während der krassen Inflation, können sich die meisten von ihnen im Unterricht nicht mal mehr richtig konzentrieren, weil an den meisten Schulen nicht einmal mehr die Heizungen aufgedreht werden können! In den letzten Jahren war es Corona und heute ist es der Krieg. Wir sehen, dass unsere Bildung von allen Seiten angegriffen wird und es daher an uns liegt, uns für sie einzusetzen und unsere Bedürfnisse in den Vordergrund zu rücken! Deshalb fordern wir 100 Milliarden für die Schulen!

100 Milliarden für Azubis und junge Arbeiter!

Für Ausbildende und junge Arbeiterinnen und Arbeiter sieht die Situation nicht anders aus. Im vergangenen Sommer konnten über 150.000 von ihnen keinen Ausbildungsplatz finden. (Quelle: BA) Und auch diejenigen, die einen finden, leiden unter den Bedingungen der aktuellen Krise. Die Ausbildungsgehälter sind zum Teil so niedrig, dass viele von ihnen sich Nebenjobs besorgen müssen und aufgrund von Mangel an bezahlbarem Wohnraum und Azubi-Wohnheimen wieder nach Hause ziehen müssen. Auch nach der beendeten Ausbildung sorgen das Fehlen von Übernahmegarantie und befristete Verträge weiter für Existenzsorgen. Dabei ist auch bei den Azubis das eigentlich da. Beispielsweise könnten von den 10 Milliarden Euro, die von der Bundesregierung für die Beschaffung von 35 neuen Kampfjets vorgesehen sind, die aktuelle Forderung nach 200€ mehr Geld der fast 300.000 Azubis im öffentlichen Dienst für mehr als 15 Jahre bezahlt werden – und genau das braucht es für uns. Wir brauchen einen sofortigen Anstieg der Ausbildungsvergütungen in den Tarifverhandlungen, aber auch eine höhere Mindestausbildungsvergütung. Genau deshalb organisieren wir uns im Betrieb, an der Berufsschule und in der Gewerkschaft. Gegen Inflation und Krise tragen wir entschlossen unsere Forderungen auf die Straßen und fordern 100 Milliarden für Azubis und junge Arbeiterinnen und Arbeiter.

100 Milliarden für die Unis!

Auch an den Universitäten verschlechtert sich die Situation der Studierenden während Krise und Inflation immer weiter. Mehr als ein Drittel von ihnen lebt mittlerweile unter der Armutsgrenze und 40% müssen ihre langfristigen Berufspläne drastisch überdenken. Gegenüber den steil steigenden Mensa-Preisen, dem unbezahlbaren Wohnraum und der niedrigen Bafög-Sätze sind die Einmalzahlungen für Studierende dabei nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Auf der anderen Seite leidet auch die Lehre an den stetig an Unterfinanzierung, den Dozierenden sind die Mittel genommen und unser Studium wird unkritischer und frontaler. Die Unterfinanzierung vertieft die Abhängigkeit von Drittmitteln, wodurch die Lehre an den Interessen ihrer Sponsoren orientiert wird. So werden immer mehr Stimmen dafür laut, die sowieso schon sehr unverbindliche Zivilklausel an einigen deutschen Universitäten aufzuheben – Militärforschung an unseren Hochschulen wäre die Konsequenz. Viele von uns Jugendlichen müssen in dieser Zeit ihr Studium mit mehreren Nebenjobs finanzieren oder gar abbrechen, weil wir uns das Lernen einfach nicht mehr leisten können! Dabei wäre allein das Geld was 2017 von einem Tag auf den anderen für neue Leopard 2 Panzer ausgegeben wurde (laut Berliner Morgenpost 760 Mio.) genug gewesen, um fast alle fehlenden 25.000 Wohnheimplätze mit einem Schlag zu schaffen (laut Studentenwerk 800 Mio.). Das Geld ist da und es muss umgehend an Studierende gelangen, deshalb fordern wir 100 Milliarden für die Unis!

All diese Dinge sind keinesfalls nur einfach Zahlen, die wir um uns werfen, sondern konkrete Forderungen, die wir als Jugend stellen und die uns zustehen. Deshalb kämpfen wir in jeder Stadt, in der wir vertreten sind, an jeder Uni, Schule und in jeden Betrieb, für die Jugend!