Am Mittwoch, den 7.Januar 2026, haben sich mehr als 300 Mitstreiter und Weggefährten in der St.Georgs Kirche von Rolf Becker verabschiedet. Rolf Becker hat sein Talent und seine Fähigkeiten als Schauspieler genutzt, um die Arbeiterklasse und ihre gewerkschaftlichen Vertretungen in ihren Kämpfen Zeit seines Lebens zu unterstützen. Neben Freunden und Familie waren Schauspielkollegen, politische Mitstreiter wie das Auschwitz Komitee, die ver.di oder die GEW und andere politische Organisationen eingeladen. Neben einigen Reden wurden Beckers Lieblingslieder von Anton Karas und Mikis Theodorakis auf dem Klavier begleitet. Am Mittag um 14:30 Uhr fand die Urnenbeisetzung auf dem Ohlsdorfer Friedhof statt.

Rolf als politischer Künstler
Becker wurde am 31.März 1935 in Leipzig geboren. Nachdem sein Vater im Zweiten Weltkrieg gefallen war, wuchs er bei seinen Großeltern auf dem Lande in Schleswig-Holstein auf. Seit seinem Debüt 1957 an den Münchner Kammerspielen verschrieb sich Becker der Kunst und verband dies stets mit seiner politischen Arbeit. Becker verstand das Theater als Mittel, um den Kampf für eine Welt ohne Krieg und Ausbeutung näher an die Menschen zu bringen. Dafür nutzte er seine mitreißende und einnehmende Art, Geschichten zu erzählen und in Bildern zu sprechen. Er schaffte es, mittels Kunst und Theater, die in der Regel einer kleinen Elite zugänglich sind, mit den Menschen “in der letzten Reihe” zu sprechen, ihre Probleme zu sehen, anzusprechen und in die Klassengesellschaft einzuordnen. Schauspielkollegen betonten, welche wichtige Rolle Becker in ihrem Werdegang gespielt hat und wie er sie auf seine Weise mit dem Werk von Bertolt Brecht bekannt gemacht hat, der Zeit seines Lebens einen zentralen Bezugspunkt für ihn gebildet hat. Die Dreigroschenoper konnte er auswendig rezitieren. So unterstrich auch Michael Weber, Hamburger Theaterschauspieler und Regisseur: “In dieser Klassengesellschaft werden zwei Sprachen gesprochen und Becker sprach mit seiner Kunst immer die Sprache der Arbeiterklasse.”

Becker hatte immer 5 Minuten
In mehreren Reden vom Einwohnerverein St. Georg, Familie, Freunden und der Evangelischen Kirche Deutschlands ging hervor, dass Becker immer ein offenes Ohr für alle hatte. Insbesondere für diejenigen, die in dieser Gesellschaft von unten kämpfen müssen. Er engagierte sich bei Hinz&Kunzt und setzte sich in seinem Stadtteil ein. Er sah die Ungerechtigkeit und setzte alles daran, sich für eine bessere Welt ohne Unterdrückung, Ausbeutung und Krieg stark zu machen. Michael Joho vom Einwohnerverein hielt fest: “Bei Rolf ging es immer um die Frage, was wir gemeinsam tun können, um die bestehenden Verhältnisse zu verändern und der sozialen Ungerechtigkeit und Kälte mit Solidarität zu begegnen.”
Gewerkschafter gegen Krieg
Neben Antje Kosemund, die im Auschwitz Komitee und bei der VVN-BdA aktiv ist und Beckers Einsatz gegen die Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg ehrte, betonte Brigitte Domes von der GEW, dass Rolf sich Zeit seines Lebens für den Frieden eingesetzt hat. Ihm war klar, dass die Kriege nach außen hin zwar im Namen der Nation und der nationalen Verteidigung geführt werden, doch Ausdruck der Konkurrenz unter den Großmächten sind. Dabei ist es die breite Bevölkerung, die unter diesen Kriegen leidet. Domes erzählte eindrücklich aus dem Kosovokrieg 1999. Auf Beckers Entscheidung sind beide gemeinsam mit anderen Gewerkschaftern hingefahren. Es war eine Entscheidung im Namen der internationalen Solidarität unter den Arbeitern und Werktätigen weltweit. Es war eine Entscheidung, die zeigt, dass Becker Worten Taten folgen ließ und ihm kein Weg zu weit und zu steinig war, sich für eine Welt ohne Krieg einzusetzen. Dort ist beiden vor Augen geführt worden: In Kriegen sind es die Fabriken, in denen Arbeiter arbeiten, Schulen, in denen Kinder lernen und Städte, in denen die breite Bevölkerung lebt, die zerstört werden. Domes hielt fest: “In Kriegen brennen die Hütten, nicht die Paläste.” Rolf war bis ins hohe Alter auf Friedensdemos, hielt Rede und Lesungen und verstand es immer, klare Worte gegen Nationalismus und Krieg zu finden. Domes resümierte: “Rolf lebte: Nie wieder ohne Widerstand!”
Urnenbeisetzung
Auch bei der Urnenbeisetzung waren Hunderte Mitstreiter und Weggefährten anwesend und erwiesen Rolf die letzte Ehre. Begleitet wurde die Beisetzung musikalisch mit der Trompete. Anschließend an die Reden aus der Kirche hielten Genossinnen und Genossen in Reden an Rolfs Engagement und seine Tatkraft fest, bis zu seinem Tode für den Frieden einzusetzen. Bis zuletzt erhob Rolf seine Stimme gegen den Genozid am palästinensischen Volk und trat für eine Welt frei von Ausbeutung und Krieg ein. Statt Blumen wurde in seinem Sinne um Spenden an „Nothilfe für Gaza“ gebeten. Wir gedenken an Rolf Becker, ehren sein Engagement und knüpfen an diese seine Kämpfe an.

