Am letzten Februar-Wochenende haben wir unser 30-jähriges Bestehen mit unserer 15. Bundeskonferenz abgehalten und unsere Meilensteine gefeiert. „Birlikte güclüyüz“ ist für uns nicht nur eine Floskel, sondern auch Motto unseres gelebten Kampfes, das hat uns unsere Konferenz gezeigt.
Lara Sommer
Aus ganz Deutschland, von Ulm, Nürnberg bis in den Norden nach Hamburg sind unsere Delegierten in Frankfurt am Main zusammengekommen und haben über aktuelle politische Geschehnisse, unsere vergangene Arbeit und die Aktualisierung unseres Selbstverständnisses gesprochen, als auch Ziele und Beschlüsse gefasst, mit denen der neu gewählte Bundesvorstand beauftragt wurde.
Zu Anfang der Konferenz hat uns die Nachricht zu der Lage im Iran erreicht. Israel und die USA haben mehrere Orte bombardiert und gezielt das religiösen Oberhaupt Ali Chamenei sowie Zivilisten, u.a. durch den Beschuss einer Mädchengrundschule, umgebracht. Vor Ort haben wir ein Video aufgenommen, in dem wir Stellung beziehen und uns mit den Völkern im Iran solidarisieren. Unsere schnelle Reaktion auf die Geschehnisse ist ein bedeutender Gradmesser für den Ausbau unserer Fähigkeit, Dinge politisch einzuordnen und ein Zeichen dafür, dass wir als bundesweite Organisation unsere journalistischen und medialen Kompetenzen ausweiten konnten.
In der Bewertung unserer Arbeit haben wir klar herausgestellt, dass wir unsere Kampagnen wie „Zeit aktiv zu werden“ nicht nur mottohaft umsetzen, sondern inhaltlich verstehen und sie in unseren jeweiligen Orten angepasst an unsere Zielgruppe umsetzen. Ein Beispiel dafür sind sowohl die „Cay und XY“ Veranstaltungen als auch unsere „Pizza & Politics“-Reihe. Mit diesen Veranstaltungen schaffen wir v.a. einen niedrigschwelligen Zugang zu uns. Auch auf der Bundeskonferenz konnten wir einige neue Delegierte bei uns begrüßen, die wir durch diese Veranstaltungen für unsere Arbeit gewinnen konnten. Deshalb ist eines unserer Ziele auch, die Stärkung und Verstätigung unserer niedrigeschwelligen Gesprächsangebote. Diese Erfahrungen haben uns einmal mehr gezeigt, dass es wichtig ist, unseren Jugendlichen nicht nur unsere Politik einfach überzustülpen, sondern sie aktiv einzubinden und unsere Probleme auf Augenhöhe gemeinsam zu benennen. Das, was wir bereits seit 30 Jahren erarbeiten, ist im vergangenen Jahr einmal mehr deutlich geworden: Kultur ist ein sehr guter Zugang zu migrantischen Jugendlichen und genau deshalb wollen wir gerade diese Angebote vervielfältigen.

Foto: Yeni Hayat
Doch da hört es nicht auf. Wir haben auch deutlich gemacht, dass es einen großen Bedarf gibt, junge Menschen, die erst neu aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind, abzuholen und einen Raum innerhalb unserer Arbeit für sie zu schaffen.
Für unsere Publikationen wie die „JungeStimme“ und „Jung&Laut“ (gemeinsame Plattform mit der „Lautschrift“ des Internationalen Jugendverbands) haben wir zunächst unsere Erfolge festgehalten. Außerdem konnten wir aus Beispielen der verschiedenen Orte feststellen, wie wichtig unsere Publikationen für unsere politische Arbeit sind. Sie helfen uns dabei, das politische Geschehen zu verfolgen und es aus unserer Sicht in die Welt zu tragen. Aber vor allem bieten sie uns die Möglichkeit, unsere Argumente zu schärfen. Allerdings müssen wir uns mehr in Formaten über „Jung&Laut“ einbringen und die Perspektive migrantischer Jugendlicher gezielter wiederspiegeln.
Als letzten Punkt wurde unsere Arbeit zu unseren Festivals und unser Sommercamp diskutiert. Dort haben wir v.a. unsere Erfahrungswerte zu den Festivals aus den einzelnen Orten kollektivieren können und festgehalten, dass wir durch Festivals in unseren Orten, sowie unserem bundesweiten Festival, eine große Bandbreite an Jugendlichen erreichen können. Wir haben bewertet, dass die Festivals in jedem Ort ausgetragen werden sollten und, dass wir den Mut dazu haben sollten, Fehler zu machen und aus diesen zu lernen. Denn: „Wir sollten nicht anfangen, um viele zu sein, sondern anfangen, um viele zu werden!“
Über unsere Sommercamps haben wir v.a. die Wichtigkeit unseres diesjährigen Camps besprochen. Denn dieses Jahr erwarten wir über 800 Jugendliche auf unserem internationalen Sommercamp. Jugendorganisationen aus ganz Europa, Lateinamerika und Süd-Asien werden mit uns am Camp teilnehmen.

Foto: Yeni Hayat
Ein weiteres wichtiges Thema der Konferenz war die Auseinandersetzung um unsere Arbeit zum Thema Frau. Wir haben sowohl in unserem Selbstverständnis als auch in unseren Publikationen unzureichend die Perspektive der migrantischen Frau aufgegriffen. Wir haben uns deshalb vorgenommen, eine gezielte Broschüre zu formulieren und auch weiter in unseren Publikationen zu diesem Thema zu arbeiten. Diese und viele andere Themen waren Gegenstand als wir über unser Selbstverständnis diskutiert und dieses aktualisiert haben.
Nachdem der Bundesvorstand gewählt worden ist, verabschiedeten wir uns motiviert und voller Tatendrang, um auf unsere großen Veranstaltungen, das DIDF Festival am 13. Juni in Köln und das Sommercamp, vom 29. Juli bis 9. August am Attersee, hinzuarbeiten.

