Yanki Kaya
Wir blicken zurück auf das Jahr der Atomkehrtwende, die Bilder haben die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt, nicht allein wegen der knapp 20.000 Menschen, die bei der Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe ums Leben kamen, mehr weil die Vorfälle dort auch das eigene Leben beeinträchtigen können.
Der japanische Regierungschef Yoshihiko Noda sagte in einem Interview, dass nach monatelanger Arbeit die zerstörten Meiler unter Kontrolle seien und langsam die Kaltabschaltung beginnen könne. Das Unglück soll nun unter Kontrolle sein, so Noda. Dass vor wenigen Tagen das Risiko einer Kernschmelze im benachbarten Fukushima Daina bestand und weiterhin regelmäßig Erdbeben auftreten, somit die Stabilität stark behindern, wird nicht erwähnt.
„Hier von Kaltabschaltung zu sprechen grenzt an eine bewusste Lüge“, so Atomexperte Reinhard Uhrig. Denn Brennelemente, welche sich durch den Boden durchgebrannt hätten und nun als Klumpen in der Umhüllung liegen, sollen Temperaturen von rund 3000 Grad aufweisen. Auch soll das ganze Verfahren der Kaltabschaltung etwa drei Jahrzehnte beanspruchen.
Erst Tokaimura, dann Fukushima, beide Kernkraftwerke gehören dem Konzern TEPCO, dieser ist der viertgrößte Stromkonzern der Welt und der größte Asiens. TEPCO konnten über die Jahre über 200 Fälschungsfälle nachgewiesen werden. Diese nuklearen Vertuschungen gelingen dem Konzern durch die Verfolgung von Informanten, die Unterdrückung von Kritikern und nicht zuletzt durch die wirtschaftliche Macht.
Heute plant TEPCO den Bau von sechs neuen Kernreaktoren, darunter die Reaktoren 7 und 8 der Anlage Fukushima Daiichi (2014 und 2015) sowie die Reaktoren 1 und 2 der Anlage Higashidori, die am Pazifischen Ozean in Nordjapan liegt. Auch der US-Präsident Obama ist in der Planung von insgesamt 30 neuen Atomkraftwerken in den Vereinigten Staaten. Die Türkei hält ebenfalls an den AKW-Plänen fest und natürlich wird die EU, trotz großer Worte der „Ablehnung“ keinen Rücktritt machen. Es sollen ungefähr 10 neue AKWs in Kraft gesetzt werden.
Während hierzulande der Schein von umweltfreundlicher Politik gewahrt wird, wird in osteuropäischen Ländern wie Bulgarien, der Slowakei und Rumänien, in denen zuvor keine Nuklearenergie existierte, der Bau von AKWs gefördert.
Offensichtlich handelt es sich hierbei um kapitalorientierte Machtspiele der Unternehmen, die den Regierungen rentierende Angebote machen, und somit hochgradige Partnerschaften bezwecken.
In finanzschwachen Staaten freut man sich über Strom zu Discounterpreisen, man spart dank Kraftwerken, welche von den größeren Staaten der EU gesponsert werden (z.B. von Deutschland) und erhält somit eine sorgenlose Partnerschaft in der EU. Mal wieder ist die Profitgier einzelner wichtiger als die Gesundheit der Weltbevölkerung. Es hat sich also nichts verändert, außer einer vermeintlich umweltfreundlichen Politik in Deutschland.
