Hannes Werner
Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg sind vor 107 Jahren für ihren Kampf gegen Aufrüstung und Krieg ermordet worden. Deshalb sind wir, wie jedes Jahr, als IJV und DIDF-Jugend bundesweit mit über 300 Jugendlichen nach Berlin gefahren, um der beiden am zweiten Januarwochenende zu gedenken. Warum ihr Kampf heute immer noch genauso aktuell ist wie vor 107 Jahren, haben wir gemeinsam mit einem Theaterstück, auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz, einem Abendprogramm und bei der Demonstration in Podien, Panels, Redebeiträgen und Slogans beantwortet.

Ich, Rosa Luxemburg
Einen kulturellen Einstieg bekamen wir schon am Freitagabend, an welchem die Berliner Ortsvereine der DIDF, des GKB, der DIDF-Jugend und des IJVs zur Aufführung des Theaterstücks “Ich, Rosa Luxemburg” einluden. Die Darbietung von Jülide Kural spiegelt das revolutionäre Leben Rosa Luxemburgs wider. Von ihrer Politisierung, zur Organisierung in verschiedenen Strukturen und Ländern bis hin zur Novemberrevolution in Deutschland und ihrer Ermordung. Vor allem für die vielen Jugendlichen, die zum ersten Mal mit uns beim LL-Wochenende waren, war es also der perfekte Einstieg.

Die bisher größte Rosa-Luxemburg-Konferenz
Am Samstag beteiligten wir uns, wie auch in den letzten Jahren, an der Rosa-Luxemburg-Konferenz der Tageszeitung “junge Welt”, zusammen mit fast 4.000 weiteren Teilnehmenden. Am Mittag konnten wir einen Nebensaal der Konferenz, welcher ebenfalls über 200 Personen fasste, füllen und unsere Veranstaltung ”Wir haben eine Welt zu gewinnen – Podium zur Jugendbewegung in Deutschland” durchführen. Im Fokus stand dabei die Kampagne “Zeit aktiv zu werden – Gegen Rassismus, Aufrüstung und Sozialabbau”. Unsere Genossin Jara berichtete für den IJV, insbesondere über die vielfältigen Aktivitäten an Universitäten und Hochschulen gegen die Erhöhung von Semesterbeiträgen, wie es sie beispielsweise in Kiel, Bremen und Göttingen gab oder auch von dem erfolgreichen Kampf gegen die Einführung einer Maximalstudienzeit an der Goethe-Universität in Frankfurt. Neben den Universitäten zeigte sich, dass die Schulstreikbewegung gegen die Wehrpflicht die aktuell erfolgreichste Jugendbewegung gegen die Militarisierung und Aufrüstung des deutschen Imperialismus ist. Zu dieser Dynamik haben auch wir als IJV in einigen Städten eine ganze Menge beigetragen und in immer mehr Städten werden Schüler in Schulstreikkomitees, aber auch in Ortsgruppen unseres Verbandes aktiv. Die Wehrpflicht und die Frage, was für eine Ansprache es braucht, um türkeistämmige Jugendliche zu erreichen, war Thema des Beitrages von Ramazan von der DIDF-Jugend. Aufgrund der finanziell oft schwächeren Lage, sind die hohen Gehälter bei der Bundeswehr für Türkeistämmige oft besonders attraktiv und die zunehmend schlechter werdenden Perspektiven einen Ausbildungs- oder Studienplatz zu finden, sorgen dafür, dass immer mehr Jugendliche, sich ihren sozialen Aufstieg in der Bundeswehr erhoffen. Dies sind besondere Bedingungen, auf die es spezifische Antworten braucht, aber nichts daran ändern, dass die gesamte Jugend das objektive Interesse hat, nicht zur Bundeswehr und irgendwann in den Krieg zu gehen.
In einem zweiten Teil der Veranstaltung wurden Videobeiträge von Jugendlichen aus der Türkei, Brasilien, Tunesien, Spanien und den USA gezeigt, welche über die jeweilige Lage der Jugendbewegung in ihren Ländern sprachen. Aus diesen und weiteren Ländern werden Delegationen am 29. internationalen, antifaschistischen, antiimperialistischen Jugendcamp teilnehmen, welches im Sommer in Österreich stattfindet und zu einem Ort werden soll, an dem Jugendliche aus aller Welt sich über ihre Probleme und ihre Kämpfe austauschen und weiterbilden können.
Potenzial der Schulstreikbewegung
Auch auf der großen Bühne der Konferenz war die Wehrpflicht bestimmend und Thema des Jugendpodiums. An diesem nahm ich für den IJV, neben Vertretern der SDAJ, der Verdi-Jugend, der Jungen Linken, des Schulstreikkomitees Göttingen und der Linksjugend teil. Es gab eine weitgehende Einigkeit darüber, dass die Wehrpflicht und die daraus entstandene Bewegung von Schülern ein besonderes Potenzial hat und der nächste Schulstreik am 05.03. noch größer werden muss. Dabei berichtete der Vertreter des Schulstreikkomitees wie die Organisierung in seiner Schule lief, die SDAJ, welche Rolle die “Nein zur Wehrpflicht” Bündnisse spielen und wir, wieso die Kriegstüchtigkeit, den Interessen der Jugend gegenübersteht, wie die Ablehnung der Wehrpflicht weiter politisiert werden kann und welche Rolle die Vereinigung der Schülerbewegung mit Studierenden und jungen Arbeitern spielt. So gab es beispielsweise in Hamburg, am Nachmittag des ersten Schulstreiktages eine Kundgebung der DGB-Jugend, bei welcher sich insbesondere junge Arbeiter mit den Schülerinnen und Schüler solidarisierten und beschrieben, wie sich im Betrieb die Militarisierung ausdrückt. Solche Beispiele, dazu gehören auch Unistreiks gegen die Wehrpflicht, müssen ausgebaut werden, um die Jugendbewegung gegen die Aufrüstung als solche zu stärken.

Fotoğraflar: Sinan Özbolat / Berlin
Kälte und Bahnausfälle konnten die Demonstration nicht aufhalten
Die stark gesteigerte Beteiligung von Jugendlichen am LL-Wochenende zeichnete sich bereits auf der Konferenz ab und wurde am Sonntag bei der LL-Demonstration noch deutlicher. Ein Großteil der über 10.000 Teilnehmenden waren Jugendliche, darunter auch unser Block mit knapp 400 Menschen. Dazu gab es einen großen Jugendblock von SDAJ, Linksjugend und SDS und weitere Blöcke, die stark jugendlich geprägt waren. Dabei fiel wie in den letzten Jahren allerdings auf, dass einige Blöcke erneut nach außen abschreckend auftraten. Dazu gehörten Vermummung, das Laufen in Reihen und insbesondere Spruchchöre die nicht am Bewusstseinsstand der Jugend und der Arbeiterklasse anknüpfen. Dadurch ergaben Teile der Demonstration, wie auch in den letzten Jahren, ein geschlossenes Bild, was eine Teilnahme von außen anstatt zu fördern eher verhinderte. Nichtsdestotrotz ist das Wachstum um mehrere tausend Teilnehmende, trotz der Anreiseschwierigkeiten durch Bahnausfälle als Erfolg zu werten und geben Hoffnung für die Kämpfe der Jugend und dem Aufbau einer breiten Jugendbewegung in Deutschland.

