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Mehr als ein Handy

Çiğdem Ronaesin

Inzwischen ist das Handy nicht mehr aus dem Alltag der Kinder und Jugendlichen wegzudenken und gehört zu einem festen Bestandteil der ab 10-jährigen Kinder. Im Jahr 2011 nutzten in Deutschland mehr als 70 Prozent der 6- bis 19-jährigen regelmäßig ein Handy und 65 Prozent besaßen ein eigenes Handy. Hierbei gibt es keine Unterschiede bei den Geschlechtern. Ganz abgesehen von den 12- bis 19-Jährigen, bei denen die Handynutzung mit mehr als 90 Prozent am weitesten verbreitet ist, nimmt das Mobiltelefon bereits im Grundschulalter einen wichtigen Platz ein. Im Jahr 2008 lag die Handynutzung bei den 6- bis 7-jährigen noch bei 8 Prozent. 2011 ist die Zahl derer auf 20 Prozent gestiegen.

 

Der sprunghafte Anstieg in der Handynutzung auf über 60 Prozent bei den 10- bis 11-Jährigen ist sehr auffällig. Der Sicherheitsaspekt spiele dabei eine wichtige Rolle, so die Experten. Denn in dem Alter wechseln die Schüler auf weiterführende Schulen. Der Schulwechsel bringt neue Freunde und einen neuen Schulweg mit sich und die Eltern wünschen sich den Kontakt mit ihren Kindern.

 

Hauptsächlich wird das Handy bei den Kindern und Jugendlichen für Telefonate, SMS oder Fotos genutzt. Das Interesse wechselt jedoch mit dem Alter und das Handy wird mehr als ein Handy. Damit werden Videos gemacht und verschickt, die Verbindung mit dem Internet gilt als eines der wichtigsten Aspekte und auch Handyspiele sind nicht wegzudenken. Der Hype um die Smartphones in den letzten Jahren lässt auch die jüngeren nicht unberührt. Während Jugendliche vor 6-7 Jahren erst mit 16 Jahren den ersten Kontakt mit einem Handy hatten, fängt das inzwischen im Grundschulalter an und führt leicht dazu, dass die Kreativität und die sozialen Kompetenzen abnehmen. Denn Kinder und Jugendliche, die ein Smartphone besitzen, hängen den ganzen Tag damit ab – unabhängig davon, ob sie alleine sind oder mit Gleichaltrigen. Sie ersetzen ihre täglichen Treffen mit Cybertreffen, liegen lieber auf der Couch, statt auszugehen und unterhalten sich, sogar wenn sie sich im gleichen Raum befinden, per SMS, Whatsapp, Facebook, Tango oder anderen Kontaktmöglchkeiten, die ein Smartphone mit sich bringt. Der heutige Stand der Jugendforschung belegt, dass Jugendliche die Hälfte ihres gesamten Zeitbudgets mit mobiler Kommunikation verbringen. Hundert und mehr Freunde in sozialen Netzwerken wie Facebook und schülerVZ sind üblich. Und das Smartphone sorgt dafür, dass Jugendliche überall, wo sie sind, mit diesen in Kontakt treten können.

 

Dass das Smartphone viele Risiken mit sich bringt, übersehen viele Eltern. Denn den Zugang zum Internet zu Hause am Computer können Eltern besser kontrollieren, als den am Handy. „Nach eigenen Angaben haben 12% der europäischen Kinder und Jugendlichen zwischen 9 und 16 Jahren bereits Erfahrungen mit dem Internet gemacht, die sie unangenehm berührt oder verletzt haben; unter den 9- bis 10-Jährigen sind dies 9%.“ (EU Kids Online, erste Befunde 2010). Am meisten werden Online-Kontakte mit fremden Menschen genannt oder auch der Kontakt mit belastenden oder verletzenden Inhalten. „22% der 11- bis 16-Jährigen – diese Frage wurde nur den älteren Kindern gestellt – haben bereits Kontakte mit belastenden oder verletzenden nutzergenerierten Inhalten gemacht, darunter Hassforen (12%), Pro-Anorexia bzw. Magersucht (11%), Selbstverletzung (8%), Drogen (7%) und Selbstmord (5%)“ (EU Kids Online, erste Befunde 2010). Die technischen Möglichkeiten des Mobiltelefons werden auch häufig mit Risiken in Verbindung gebracht wie z.B. mit Cyber-Mobbing oder Gewalt. Das gefährlichste an dem Handy dabei ist, die Permanenz über 24 Stunden pro Tag. Der Jugendliche ist durch das Handy rund um die Uhr erreichbar.

 

Auch Lehrer können immer weniger Einfluss auf dieses Phänomen nehmen. Die Schüler sitzen im Unterricht mit ihren Handys unter dem Schreibtisch und schreiben sich kostenlose Nachrichten. Die Konzentration und Teilnahme im Unterricht lässt immer mehr nach. Aber wie sollen die Jugendlichen nicht von diesem Hype beeinflusst werden? Die Werbung, die für iPhone 5 gemacht wird und die Gespräche, die darüber geführt werden, zeigen, dass man nur dazu gehören kann, wenn man ein anständiges und internetfähiges Handy mit sich trägt. Bevor iPhone 5 überhaupt auf dem Markt war, gab es unzählige Vorbestellungen. Stelle man sich vor, man kauft etwas und gibt um die 700 € aus, ohne es einmal gesehen zu haben. Da stellt sich einem die Frage, ob es wirklich um die Qualität geht oder wirklich nur um den Namen und um den Wahn, alles Neues von Apple zu besitzen. Die Experten von “Hot Stocks Investor” bestätigen ihre Kaufempfehlung für die Apple-Aktie. Erwartungsgemäß breche die Nachfrage nach dem neuen iPhone 5 alle Rekorde und der Kurs der Aktie sei unmittelbar nach dem Launch des neuen Smartphones auf ein neues Allzeithoch von 703 USD geklettert.

 

Sind Handys inzwischen mehr als Handy? Kauft man die neuesten Handy, um mit dem Trend mitzuhalten oder wafür braucht man die Handys? Diese Fragen sollten wir uns alle stellen, bevor wir ein Handy nach dem anderen kaufen und mit dem Markt nicht mithalten können. Ich denke nicht, dass die paar Funktionen, die beim iPhone 5 mehr sind, mich kommunikationsfähiger machen, als die anderen Handys. Höchstens einsamer mit meinem Handy und kommunikationsunfähiger.

 

 

 

Zilan Yavuz hat ein Paar Jugendliche befragt, was ein Handy für die bedeutet.

 

Kim Stele, 16 Jahre alt und macht eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker

 

Mein Handy bedeutet mir schon viel: Ich habe eine Internetflat und brauche das Handy zum telefonieren oder zum SMS schreiben. In erster Linie finde ich bei einem Smartphone gut, dass man damit ins Internet gehen kann. Außerdem ist die Bedienung auch viel einfacher als bei normalen Handys. Es gibt auch viele Apps, die viel Spaß machen. Deshalb finde ich Smartphones schon wichtig, aber ich würde nicht sagen, dass das ein Muss ist. Der ganze Trubel, der momentan um das iPhone 5 gemacht wird, ist schon zu viel, denke ich. Ich bin nicht so der iPhone Fan und bin zufrieden mit meinem Smartphone.

 

 

Jonas Braun, 18 Jahre alt und arbeitslos

Ein Handy brauche ich nur zum Telefonieren. Ich hab auch nur ein kleines, einfaches Handy. Ich finde auch nicht, dass Smartphones so wichtig sind, wie sie dargestellt werden. Es kommt natürlich auch darauf an, wie viel man verdient. Man muss schon etwas Geld haben, um sich eins leisten zu können. Auch das iPhone 5 ist voll übertrieben. Ich finde es nicht richtig, dass so viel Lärm darum gemacht wird.

 

 

Mike Birkofski, 15 Jahre und Schüler

Ein Handy muss schon internetfähig sein. Es bedeutet mir sehr viel, weil ich damit ziemlich viel mache und es sehr oft benutze. Deshalb habe ich selber ein iPhone. Aber natürlich ist ein Smartphone kein Muss. Ich würde sagen: Jedem das Seine. Aber die ganze Werbung, die für iPhone gemacht wird, ist schon sehr übertrieben. Schließlich ist es nur ein neues Handy. Und ich finde es nicht notwendig, dass es so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht.

 

 

Jana, 13 Jahre alt und Schülerin

Ein Handy und vor allem ein Smartphone ist mir sehr wichtig, weil ich damit viel mache. Ich telefoniere damit, ich schreibe SMS, ich benutze das Internet. Irgendwie alles. Ich selber habe auch ein Smartphone. Ich finde auch, dass ein Smartphone absolut ein Muss ist, weil das besser ist, als andere Handys und mehr Funktionen hat. Aber dass nur noch über das iPhone 5 gesprochen wird, finde ich schon komisch. Aber es ist eigentlich unnötig, so viel Trubel darum zu machen.

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