Walter Listl *
Rund 1,6 Billionen Dollar haben die Staaten der Welt im Jahr 2009 zusammen für ihr Militär ausgegeben, hat das Stockholmer Institut für Friedensforschung (SIPRI) berechnet.
Im Vergleich zu vor zehn Jahren sind die Militärausgaben damit um fast 50 Prozent gestiegen.
Nahezu drei Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung sind direkt auf Investitionen ins Militär zurückzuführen.
SIPRI diagnostiziert für den Zeitraum zwischen 2006 und 2010 einen weiteren Anstieg des weltweiten Rüstungshandels.
War zwischen 2005 und 2009 das Volumen des Weltrüstungshandels gegenüber dem vorangegangenen Jahrfünft (2000 – 2004) um 22 Prozent gewachsen, so lag der Anstieg zwischen 2006 und 2010 um 24 Prozent höher als zwischen 2001 und 2005.
Deutsche Exporte dagegen in diesem Zeitraum: +100%!
Im Dezember 2011 legte die Bundesregierung ihren jährlichen Bericht über den Export
von Rüstungsgütern vor.
Im Jahr 2010 sind Kriegswaffen im Wert von 2,119 Mrd. € exportiert worden. Im Jahr 2009 hatten diese Transfers einen Wert von 1,34 Mrd. € erreicht. Ein Plus von 72 Prozent – ein historischer Höchstwert! Seit 2005 hält Deutschland laut SIPRI den (west-)europäischen Spitzenplatz beim Rüstungsexport. Es führte in den letzten fünf Jahren beinahe so viele Rüstungsgüter aus, wie Frankreich und Großbritannien zusammen. Nach Erhebungen von SIPRI stieg der deutsche Weltmarktanteil auf 11 Prozent für den Zeitraum zwischen 2005 und 2009. 2004 hatte der deutsche Weltmarktanteil noch bei 6 Prozent gelegen.
Allein die Werte für die Genehmigungen für deutsche Ausfuhren von kleinen Waffen und Munition haben sich seit 1996 vervierfacht.
Diese Meldungen waren wieder recht schnell aus den Schlagzeilen verschwunden, die Empörung darüber hielt sich in Grenzen.
Verglichen mit dem Aufmerksamkeitswert der „Wulf-Affaire“ war das Thema Rüstungsexport aus Deutschland eher ein Nebenkriegsschauplatz.
Zwar sagt sogar die „Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung“ (GKKE), Waffenexport ist Beihilfe zum Massenmord – dennoch bleibt diese Beihilfe zum Massenmord weniger interessant als z.B. der politische Selbstmord eines Bundespräsidenten.
Warum?
Zwei Argumente spielen dabei eine Rolle:
Rüstung sichert Arbeitsplätze und: Wenn Deutschland die Waffen nicht liefert, dann liefern sie andere Länder.
Das ist so, als würde der überführte Bankräuber dem Richter erklären, dass wenn er nicht den
Bankschalterbeamten erschossen hätte, dies bestimmt ein anderer gemacht hätte. Und außerdem würde er daran erinnern, dass sein Banküberfall immerhin die Arbeitsplätze in den
Justizvollzugsanstalten sichern würde.
Je krimineller die Exportgeschäfte deutscher Waffenschmieden, desto dummdreister die Ausreden dafür. Vor allem der Handel mit extrem teuren Kampfflugzeugen hat deutlich zugenommen. „Staaten mit entsprechenden Ressourcen haben erhebliche Mengen geordert. Die Reaktion von Rivalen aus der jeweiligen Region bestand dann darin, ebenfalls zu bestellen“, sagte Paul Holtom, SIPRIS Forschungschef zum Waffenhandel. Beispiele: Pakistan/Indien oder Türkei/Griechenland. Das meiste Geld verdient die deutsche Rüstungsindustrie mit U-Booten, Kriegsschiffen und Panzern.
Hauptabnehmer sind die Türkei, Griechenland und Südafrika. Bei Panzern ist der Hauptabnehmer Saudi Arabien.
* Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus: https://www.isw-muenchen.de
Kutu
Einige Hauptproduzenten:
Rheinmetall
Umsatz 2 Mrd. EUR, gepanzerte Fahrzeuge, Luftabwehrsysteme, Munition
KM-Wegmann
Rüstungsumsatz 900 Mill., v.a. Kampfpanzer Leopard
Heckler und Koch
Umsatz 250 Mill. Pistolen, Maschinenpistolen, Gewehre, Panzerabwehrwaffen
Thyssen
Umsatz 700 Mill. U-Boote, Kriegsschiffe
Diehl
Umsatz 700 Mill. Lenkflugwaffen, Munition und Bordkanonen, Aufklärungssysteme
EADS
Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) ist Europas größter Luft- und Raumfahrt-, sowie zweitgrößter Rüstungskonzern. Mit einem Umsatz von 45,75 Milliarden Euro (Stand: 2010) ist EADS nach Boeing auch das zweitgrößte Luft- und Raumfahrtunternehmen der Welt.
