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SIPRI-Bericht: BRD steigt im internationalen Rüstungsranking auf

Die weltweite Rüstungsindustrie erlebt einen historischen Boom. Wie aus aktuellen Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI hervorgeht, erreichten die Umsätze der 100 größten Rüstungsunternehmen im Jahr 2024 mit 679 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von fast sechs Prozent. Haupttreiber dieser Entwicklung sind anhaltende geopolitische Spannungen, insbesondere der Krieg in der Ukraine sowie der Genozid in Gaza. Die Staaten dieser Welt setzen zunehmend auf militärische Abschreckung statt auf diplomatische Lösungen. Dies hat direkte Folgen für die Rüstungsindustrie, und zwar so positive wie lange nicht mehr.

Eren Gültekin

Besonders deutlich profitierten europäische Hersteller. Nahezu alle 26 europäischen Unternehmen auf der SIPRI-Liste meldeten Umsatzsteigerungen, insgesamt wuchsen die Erlöse der Branche in Europa um 13 Prozent. Innerhalb Europas sticht Deutschland hervor. Die vier größten deutschen Rüstungsunternehmen, Rheinmetall, ThyssenKrupp, Hensoldt und Diehl, steigerten ihre Umsätze zusammen um 36 Prozent. Damit zählt Deutschland zu den Ländern mit den höchsten Wachstumsraten weltweit. Rheinmetall schaffte es sogar als deutsches Unternehmen unter die Top-20 der größten Rüstungskonzerne.

Der Aufschwung Deutschlands ist eng mit der Ausrichtung der von Ex-Kanzler Scholz ausgerufenen Zeitenwende verbunden. Dieser hatte unmittelbar nach dem Ukraine-Krieg ein 100-Mrd.-Euro-Paket für Aufrüstung beschlossen. Auch im aktuellen Bundeshaushalt fließen 108 Mrd. Euro für Aufrüstung und Militarisierung. Hiervon profitieren an erster Stelle deutsche Rüstungsunternehmen, die eine wichtige Rolle bei der Ausstattung europäischer Partnerstaaten sowie bei Waffenlieferungen an die Ukraine spielen. An der weltweiten Spitze der Branche stehen weiterhin US-Konzerne, allen voran Lockheed Martin.

Auch im internationalen Waffenhandel hat sich Deutschlands Position deutlich verbessert. Im Zeitraum von 2021 bis 2025 ist die Bundesrepublik zum viertgrößten Waffenexporteur der Welt aufgestiegen und hat damit China überholt. Größter Exporteur bleiben die USA, gefolgt von Frankreich und Russland. Der Bedeutungsgewinn Deutschlands ist dabei kein isoliertes Phänomen, sondern Teil eines umfassenden europäischen Trends. So ist aktuell auch die Rede von einem europäischen Atomschirm, der von CDU-Politikern und Macron begrüßt wird.

Europa ist inzwischen die größte Empfängerregion für Waffenimporte weltweit. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die europäischen Waffenimporte mehr als verdreifacht. Allein 33 Prozent aller globalen Waffenlieferungen gingen an europäische Staaten. Besonders gefragt waren Kampfflugzeuge und weitreichende Luftabwehrsysteme, die vor allem aus den USA bezogen wurden. Hintergrund ist der aktuelle kriegstüchtige Kurs, bei dem das Narrativ des bösen Russen, der morgen vor unserer Tür stehen wird, verbreitet wird. Die Realität jedoch ist, dass Russland in fast allen Bereichen der NATO unterlegen ist, sollte es zu einem solchen Momentum kommen.

Während Europa massiv aufrüstet, entwickeln sich andere Regionen deutlich schwächer. In Asien und Ozeanien gingen die Rüstungsumsätze leicht zurück, was SIPRI vor allem auf China zurückführt. Dort ist ein Rückgang von minus zehn Prozent zu verzeichnen. Weltweit zeigt sich jedoch ein klarer Trend. Die militärischen Ausgaben steigen weiter, eine Trendumkehr ist nicht absehbar. 

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