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UNICEF-Bericht zeigt: Kinder und Jugendliche weiterhin ohne Zukunftsaussichten

Özgün Önal

Auch 2025 hat sich die Situation vieler Kinder und Jugendlicher in Deutschland kaum verbessert. Noch immer hängt die gesellschaftliche und demokratische Teilhabe junger Menschen stark von der sozialen Herkunft ihrer Eltern ab. Wer in finanziell oder sozial benachteiligten Familien aufwächst, hat deutlich geringere Chancen auf Bildungserfolg, Mitbestimmung und soziale Sicherheit.

Mit dem „UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2025“ hat das Kinderhilfswerk erneut auf diese Missstände aufmerksam gemacht. Die Veröffentlichung fasst zentrale Entwicklungen zusammen und zeigt auf, wie tiefgreifend soziale Ungleichheit das Aufwachsen junger Menschen beeinflusst.

Kinder und Jugendliche sind seit Jahren vielfältigen Belastungen ausgesetzt. Diese entstehen sowohl im familiären Umfeld, als auch durch äußere Faktoren wie Schule, institutionelle Rahmenbedingungen oder fehlende Förderangebote. Der aktuelle Bericht macht deutlich, dass rund 40 Prozent der jungen Menschen unter erheblichen körperlichen oder psychischen Belastungen leiden.

Der Vorsitzende von UNICEF Deutschland, Georg Graf Waldersee, richtet deutliche Kritik an die Bundesregierung. Er fordert verstärkte Investitionen in den Schutz von Kindern sowie in mehr Chancengleichheit. Insbesondere Maßnahmen gegen Kinderarmut und soziale Ausgrenzung seien bislang nicht ausreichend umgesetzt worden.

Ein zentrales Problem bleibt die Bildungsungleichheit. Der Bericht zeigt, dass die schulischen Leistungen – insbesondere im Bereich der Lesekompetenz – in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen haben. Gleichzeitig verfügen 41 Prozent der Achtklässler nicht über grundlegende digitale Kompetenzen. Kinder aus finanziell benachteiligten Familien sind hiervon überdurchschnittlich häufig betroffen.

Neben fehlender Förderung im privaten Umfeld mangelt es vielen Schülerinnen und Schülern auch an ausreichender Unterstützung im schulischen System. Laut UNICEF verlassen jährlich rund 62.000 Jugendliche die Schule ohne einen Abschluss. Diese Zahl verdeutlicht die strukturellen Defizite im Bildungssystem und die ungleichen Startbedingungen vieler Kinder.

Armut hat für zahlreiche Kinder in Deutschland unmittelbare Folgen. Über eine Million gelten als materiell benachteiligt und können grundlegende Bedürfnisse wie angemessene Kleidung, ausreichend beheizten Wohnraum oder regelmäßige warme Mahlzeiten nicht zuverlässig abdecken. Besonders problematisch ist die Wohnsituation: 44 Prozent der armutsgefährdeten Kinder leben in überbelegten Wohnungen, etwa 130.000 gelten als wohnungslos.

Der UNICEF-Bericht, der seit 2006 regelmäßig erscheint, untersucht die Lebensbedingungen von rund 14 Millionen Kindern und Jugendlichen in Deutschland anhand mehrerer Wohlstandsdimensionen. Die aktuelle Ausgabe wurde vom Deutschen Jugendinstitut gemeinsam mit Experten und erstmals auch unter Beteiligung junger Menschen erstellt.

Kinderarmut beeinträchtigt in Deutschland nahezu alle Lebensbereiche von Kindern und Jugendlichen. Sie wirkt sich negativ auf Bildungschancen, Gesundheit, soziale Beziehungen und gesellschaftliche Teilhabe aus und belastet viele Betroffene auch psychisch stark. Im internationalen Vergleich ist der Anteil armutsbetroffener Kinder hierzulande seit Jahren hoch und stagniert bei rund 14 bis 15 Prozent. Etwa 1,9 Millionen Kinder leben von Bürgergeld oder Asylbewerberleistungen. Gleichzeitig nehmen gesundheitliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen sowie Schlafprobleme deutlich zu, ebenso eine geringe Lebenszufriedenheit, insbesondere bei finanziell benachteiligten Mädchen. Auch familiäre und schulische Unterstützung wird von vielen Kindern als unzureichend erlebt. UNICEF sieht daher dringenden Handlungsbedarf und fordert gezielte Investitionen, den Ausbau von Unterstützungsprogrammen in Schulen und Kitas sowie stärkere Maßnahmen zur nachhaltigen Bekämpfung von Kinderarmut.

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