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Warum nur echte Solidarität uns jetzt weiterbringen kann

Die Konflikte, Kriege und Verbrechen gegen ganze Völker häufen sich zunehmend. Während imperialistische Kräfte im Wettkampf um die Neuaufteilung der Welt, ihrer Ressourcen, Märkten und geostrategischen Aspekten Konflikte anzetteln, selber Angriffe durchführen oder Stellvertreterkriege führen lassen, leiden diejenigen, die am wenigsten Schuld trifft: die Völker dieser Welt.

Im Sudan tobt laut den Vereinten Nationen eine der größten humanitären Krisen der Welt, 12 Millionen Menschen sind geflüchtet, 26 Millionen leiden an Hunger und bereits jetzt sind Hunderttausende getötet worden. Ethnisch-motivierte Gewalt gegen vor allem nicht-arabische Stämme hat mehrere Massaker nach sich gezogen. Der Jemen bleibt eines der größten Katastrophengebiete weltweit. Der Krieg, der bereits seit über zehn Jahren andauert, hat ein zerstörtes Territorium geschaffen, in dem Gewalt, Vergewaltigung und Hunger andauern. In Palästina geht die Netanyahu-Regierung – trotz angeblicher Waffenruhe – nach wie vor gegen die Bevölkerung in Gaza vor. Militäroperationen, Bombenangriffe und die Abschirmung von Lebensmitteln und Medikamenten haben zu unermesslichem Leid geführt. Zehntausende wurden vom israelischen Militär ermordet, darunter mindestens 20.000 Kinder, Tausende sind verhungert. Die Palästinenser erleben aktuell einen Völkermord. Im Iran kämpfen die Menschen für eine Zukunft frei von Mullahs und Schahs. Tausende leben seit Jahrzehnten mit Inhaftierungen, Folter und Tod. In Syrien greift die islamistische Regierung mit ihren Milizen immer wieder Minderheiten an. Besonders die kurdische Bevölkerung ist der HTS ((Hayat Tahrir al-Sham) ein Dorn im Auge. Während die Regierung den Einfluss der kurdischen Kräfte in Syrien zurückzudrängen versucht, übt sie brutalste Gewalt gegen Zivilisten aus. (Während dieser Artikel geschrieben wird, erreichte uns die Nachricht, dass die kurdische Provinz Kobane von der Syrischen Armee umzingelt wird.) Unterstützt wird sie hierbei von der türkischen Regierung, die im eigenen Inland und Ausland die kurdische Opposition zerschlagen und das kurdische Volk kleinhalten will. Wie wenige andere Völker auf der Welt mussten die Kurden vor der Gewalt in der Region immer wieder fliehen und sind bis heute auf der ganzen Welt zerstreut.

Das Leid, das viele Völker in den Machtkämpfen der Regierenden ertragen müssen, ist für die meisten von uns kaum vorstellbar. Die Möglichkeiten, ihnen zu helfen, sind allerdings begrenzt. Wir können über die Situationen informieren, auf die Straßen gehen, Öffentlichkeit schaffen und unsere Forderungen an die Bundesregierung stellen. Solidarität ist eines der wenigen Mittel, die wir haben. Allerdings ist Solidarität keine Einbahnstraße. Man kann nicht solidarisch mit den Menschen in Gaza sein, aber schweigen, wenn islamistische Milizen kurdische Menschen vertreiben und töten. Ebenso wenig kann man Solidarität für die Kurden einfordern, ohne das Leid des palästinensischen Volks durch die israelische Regierung anzuerkennen. Wie stark die Solidarität sich äußert, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So sind palästinensische, iranische und kurdische Demonstrationen sichtbar, weil es große Communities in Deutschland gibt und nicht zuletzt, weil Deutschland sich positioniert und mitmischt, wohingegen das Leid der Menschen im Sudan oder Jemen für die meisten gar kein Begriff ist. Sollten wir es allerdings schaffen, die verschiedenen Bewegungen, die im Kern alle das Recht auf Selbstbestimmung verlangen, zusammenzubringen, kann eine große solidarische Bewegung entstehen. Insbesondere zwischen Palästina und Kurdistan, die seit Jahrzehnten für ein selbstbestimmtes Staatsgebiet und ein Leben ohne Gewalt kämpfen. Die Völker haben nichts zu gewinnen in den Konflikten der Imperialisten. Nur die echte Solidarität über Volksgrenzen hinweg kann etwas verändern. Und genau hier muss man ansetzen und darf sich nicht für hier und da ein Zugeständnis der imperialistischen Schutzherren vor dem Leid der anderen Völker wegdrehen. Die Völker dieser Welt haben nichts zu verlieren, als ihre Unterdrückung und Versklavung loszuwerden.

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