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Was ess` ich denn heute?

Pinar Aki

Jeder zweite Deutsche sei zu dick, Grund hierfür sei der übermäßige Konsum von „Fast Food“ und besonders junge Menschen seien davon betroffen, so aktuelle Studienergebnisse. Und wie will die Regierung das Problem in den Griff kriegen? Klar doch: „Fast Food“-Preise drastisch erhöhen, damit vor allem Jugendliche weniger davon konsumieren, somit gesünder leben und nicht immer weiter zunehmen. Logisch: Je höher der Preis, desto niedriger die Nachfrage, oder so?!?! Also wäre Schluss mit Deutschlands Fett-Problem und wir leben alle fröhlich und gesund.
Die günstige Alternative „Fast Food“ zum teuren Gemüse und gesundem Essen war bisher und ist zumeist immer ungesundes, frittiertes oder gegrilltes Essen mit viel Fleisch. Der Vorteil ist nicht nur, dass es günstig ist, sondern es ist auch bequemer, schneller und obendrein schmeckt es auch noch wegen den Geschmacksverstärkern. Nun ist die Frage, ob es denn viel Sinn macht, die „Fast-Food“-Preise zu erhöhen, um somit auf eine Ernährungsumstellung der Deutschen zu hoffen oder ob sich nicht prinzipiell etwas Grundsätzliches an der „Essmentalität“ ändern muss. Heute wird zehn Mal mehr Fleisch verzehrt, als es überhaupt notwendig ist, obwohl der Mensch auch ohne Fleisch überleben kann, zumindest muss er nicht jeden Tag Fleisch konsumieren.
Jedoch: Durch Massentierhaltungen und brutalste Tierquälerei wollen die Fleischbarone „Wiesenhof“ und Konsorten möglichst viel Profit auf Kosten der Tiere und der Menschen erzielen, denn durch eine industrielle Produktion kann das Fleisch mit viel Gewinn in Supermärkten und Imbissbuden verkauft werden, als beim kleinen (Öko-)Bauern. Dabei ist Bio-Fleisch eigentlich nicht teuer, sondern die industrielle Produktion ist zu billig. Und das ganze wegen Milliarden Subventionen der Regierung oder begünstigenden Gesetzen, die einen Großteil der „Folgekosten“ der Billigfleisch-Produktion auf den Steuerzahler überträgt. Die Überdüngung der Böden durch einen zu hohen Bestand von Tieren auf einer viel zu kleinen Fläche, möglich geworden durch den Import von billigen Futtermitteln, führt dazu, dass das Grundwasser mit Stickstoff belastet wird und kann somit auch nicht mehr als Trinkwasser genutzt werden. Den Bau einer Fernwasserversorgung zahlt nicht der industrielle Tierhaltungs-Betrieb, sondern die Allgemeinheit. Deswegen können Produkte so billig auf den Markt gebracht werden. Wäre also das Fleisch nicht verhältnismäßig so günstig, dann wären die Preise für frisches Gemüse und Obst nicht so teuer. Ein Vergleich der Preisanstiege der Fast Food Ketten Mc-doof und Subway innerhalb der vergangenen sechs Jahre zeigt, dass ein Burger insgesamt „nur“ 1 € teurer geworden ist, jedoch ein Sub ganze 2,49 € mehr kostet, als im Jahre 2005. Und wenn man einen Vergleich ziehen möchte: Subway gilt noch als gesündeste Alternative im „Fast Food“-Schlaraffenland. Wie soll man denn den Fast-Food- und Nahrungsmittelkonzernen auch übel nehmen, wenn Gemüse und frische Lebensmittel heute drei Mal mehr kosten, als früher? Klar wird es dann auch keine neuen Angebote oder Konzepte für „Fast Food“ im gesunden Stil geben, denn wer könnte es schon mit den großen „Fast Food“ Ketten aufnehmen? Die Hoffnung, dass Deutschland dünner wird, wenn Pommes, Currywurst und Co. teurer werden, ist nur eine Utopie. Solange die Reallöhne gleich bleiben oder gar sinken, Studierende nicht mehr BAFöG bekommen und die Lebensunterhaltskosten immer weiter ansteigen, werden sich nur wenige frische, gesunde aber unverschämt teure Lebensmittel auf Dauer leisten können. Der starke Konsum von „Fast Food“ wird also weiterhin bestehen bleiben, wir werden bestimmt nicht noch aufs Essen verzichten. Aber mal schauen, an welcher Ecke wir jetzt noch sparen wollen.
Gehen wir in der Innenstadt einmal durch die Einkaufsmeile, es folgt ein „Fast Food“ Laden dem anderen, zuerst ist es Mc-doof, dann „Burger König“, nach wenigen Metern kommt eine Pommesbude usw. Anstatt also die Fritten- und Burgerpreise anzuheben, wird hier die Regierung gefordert, einen Rahmen zu setzen und diesen Entartungsprozess zu stoppen. Die Preise müssen die ökologische Wahrheit widerspiegeln, d.h. die Folgekosten der industriellen Produktion müssen in Zukunft von ihr selbst getragen werden. Tiere dürfen nicht mehr mit MRSA, Antibiotika, Futter mit hohen Dioxinwerten usw. vollgepumpt werden, wodurch dann Krankheiten wie z.B. BSE, Schweine- oder Vogelgrippe entstehen und Menschenleben in Gefahr gebracht werden. Statt Billigfleisch in Unmengen, ist es wichtig, qualitativ gute Lebensmittel zu produzieren und allen Menschen die Möglichkeit zu geben, diese auch zu konsumieren. Nur so würden die Schlagzeilen wieder lauten: Deutschland lebt gesund!

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