Written by 16:00 DEUTSCH

„Wir organisieren uns für Solidarität und Gleichberechtigung“

Zwischen dem 13. und 15. März findet der  Bundeskongress der Föderation Demokratischer Arbeitervereine (DIDF) statt. 130 Delegierte und Gäste werden zusammenkommen, um die vergangenen zwei Jahre zu bewerten und die zukünftige Arbeit der Organisation zu planen. Wir haben mit Alev Bahadır, Bundesvorstandsmitglied von DIDF, über den Kongress gesprochen.

In wenigen Tagen findet euer Bundeskongress statt, wie laufen die Vorbereitungen?

Dieser Kongress ist sehr besonders. Sowohl innen- als auch außenpolitisch befinden wir uns an der Schwelle zu gravierenden Veränderungen der Gesellschaft. Weltweit wird aufgerüstet und das Recht des Stärkeren militärisch durchgesetzt. Und Deutschland befindet sich inmitten dieser Verteilungskämpfe und will sich ein großes Stück Kuchen rausschlagen. Wir kommen aus einer Zeit, in der die Angriffe auf Werktätige und insbesondere auf Migranten zunehmen. Gleichzeitig jährt sich im Herbst das Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und Deutschland zum 65. Mal. Wir haben also ein historisch wichtiges Jubiläum und gleichzeitig sehr aktuelle und reale Probleme, die uns beschäftigen.

Deshalb ist der Kongress für uns nicht irgendein Termin, der am 13. März beginnt und am 15. endet. Er beschreibt eine Phase, in der wir uns als Bundesvorstand, aber auch die DIDF Mitgliedsvereine bundesweit vorbereiten. Denn wir funktionieren von unten nach oben und von oben nach unten. Das heißt unsere Vereine haben selbst ihre Ortskonferenzen durchgeführt, ihre Arbeit bewertet, Ziele für die Zukunft gesetzt und neue Vorstände gewählt. All das tragen sie in unseren Bundeskongress ein. Wir werden dort dann mit dem Bild, das sich abzeichnet, unsere bundesweite Arbeit bewerten, aber auch Ziele für unsere Gesamtorganisation setzen, die wiederum zurück in die Orte getragen werden. Ein wechselseitiger Prozess, der uns als Ganzes stärkt. Genauso funktioniert es auch im Verhältnis zum Jugendverband DIDF-Jugend, der seine Bundeskonferenz Ende Februar durchgeführt hat.

Am Freitagabend werden wir einen Empfang veranstalten, da sich auch unser Bestehen zum 45. Mal gejährt hat. Dort diskutieren wir mit der Wissenschaftlerin Nicole Mayer-Ahuja (Universität Göttingen), Rebecca Liebig vom ver.di Bundesvorstand und den Bundestagsabgeordneten Cem Ince (die LINKE) und Jan Dieren (SPD) die Fragestellung: Wie stärken wir die gesellschaftliche Solidarität? Also uns erwartet ein spannendes Wochenende.

Du hast eben gesagt, dass es grade eine besondere Zeit ist. Welche Rolle spielt DIDF in dieser Phase?

Ich glaube ich muss die Details all der Angriffe, die wir aktuell erleben, nicht aufzählen. Wir spüren sie ja am eigenen Leib, sehen sie in Wahlentwicklungen und Yeni Hayat / Neues Leben berichtet ja regelmäßig darüber. Dass soziale Probleme auf Migranten und Geflüchtete abgewälzt werden ist nicht neu, das gab es immer wieder in der Geschichte. Mal mehr, mal weniger. Denn es wird immer wieder versucht, die gesellschaftliche Solidarität zu schwächen. Das mag aktuell durchaus Erfolg haben, aber gleichzeitig sehen wir auch, dass sich dagegen was tut.

Menschen gehen zu tausenden auf die Straße. Sie kämpfen bei den Tarifauseinandersetzungen und legen, wie erst vor kurzem beim ÖPNV, das gesamte Land lahm, wenn sie wollen. Sie sagen „Nein“ zu Krieg und Aufrüstung, wie am 3. Oktober in Stuttgart in Berlin oder solidarisieren sich mit den Menschen in Gaza, im Iran oder in Rojava. Millionen wehren sich gegen den Rechtsruck und Rassismus, sei es beim Thema „Remigration“, „Stadtbild“ oder wenn die AfD ihre Jugendorganisation gründet. Zehntausende Schülerinnen und Schüler gehen auf die Straße gegen die Wehrpflicht.

Es ist Bewegung da. Aber Bewegung kann immer anlassbezogen und spontan entstehen. Unsere Aufgabe als DIDF ist es einerseits die Türkeistämmigen Menschen in Deutschland in diese Bewegungen einzubinden und da sehen wir, dass wir noch viel leisten müssen. Gleichzeitig  halten sich diese Bewegungen verständlicherweise nicht ewig. Irgendwann ist das Thema nicht mehr so aktuell, die Menschen widmen sich wieder ihrem Alltag. Gemeinsam mit anderen fortschrittlichen Organisationen müssen Gruppen wie wir deshalb versuchen, Menschen längerfristig zu organisieren. Damit wir beständig, lange und gezielt die Kämpfe, die zusammengehören, auch zusammenbringen und stärken können. Das ist ein sehr großes Ziel, dem wir noch nicht gerecht werden, aber wir versuchen deshalb bei allem, was wir machen, gemeinsam mit unseren Bündnispartnern die Solidarität und Gleichberechtigung zu stärken.

Foto: privat

Was plant ihr für die kommenden zwei Jahre, was soll ein Schwerpunkt werden?

Das, was ich in der vorherigen Frage erzählt habe, weiß jedes Mitglied in jedem unserer Ortsvereine. Deshalb werden sie ja auch Mitglied bei DIDF und vielleicht nicht anderswo. Weil wir diese Ziele verfolgen und eben so eine Arbeit machen. Auf unserem Kongress werden wir darüber sprechen, wie wir all diese Kämpfe noch besser führen und sowohl auf Bundesebene, als auch in den Orten umsetzen können. 

Wir blicken auf eine 45-jährige Geschichte zurück. Das heißt, dass wir natürlich sehr viele Schritte schon gegangen sind. und vor Ort und auf Bundesebene schon viel Arbeit dazu machen. Seien es unsere Straßenfeste, bei denen wir das Zusammenleben in den Vordergrund rücken oder die Migrationskonferenzen, die wir sowohl bundesweit, als auch punktuell schon in den Orten durchgeführt haben. Solche Veranstaltungen sind wichtige und gute Beispiele. Wir wollen darüber sprechen, wie wir die verstetigen können.

Unsere eigentlich fast wichtigste Aufgabe ist es jetzt, Türkeistämmige in die Kämpfe und Bewegungen einzubinden. Das heißt, wir müssen noch mehr Menschen erreichen und sie davon überzeugen, gemeinsam Hand in Hand unsere gemeinsamen Probleme mit den anderen Werktätigen zu bekämpfen. Und das ist bei all den Spaltungsversuchen, die wir aktuell erleben, keine einfache Aufgabe, aber eine dringend notwendige, der wir uns stellen wollen und müssen. Ein wichtiger Schritt, um mehr Menschen zu erreichen, wird unser bundesweites Festival für Zusammenhalt und Solidarität sein, das am 13. Juni am Kölner Tanzbrunnen stattfinden wird. Wie alle zwei Jahre werden wir als gesamte Organisation darauf hinarbeiten, dass wieder tausende Menschen daran teilnehmen. Denn zum „Zusammenleben“ gehört neben dem „Zusammenkämpfen“ auch das „Zusammenfeiern“!

Close