Nach der Gründung der türkischen Republik im Jahre 1923 trennte die Grenzziehung zwischen der Türkei und dem Iran das in Van und in dieser Region lebende kurdische Volk voneinander. Weder konnten sich Menschen, die miteinander verwandt waren, sehen, noch konnte ein weiterer Handel betrieben werden. Offizielle Papiere zu bekommen, die es ermöglichten, über die Grenze zu kommen, war mit sehr großer Mühe und Kosten verbunden. Der Staat händigte so einfach keine Pässe oder kein Visum aus. Zudem wurden an der türkisch–iranische Grenze Minen verlegt, sodass es für die Bevölkerung lebensgefährlich wurde, die grenzüberschreitenden Beziehungen zu ihren Verwandten aufrecht zu erhalten. Jahre später jedoch wurde bekannt, dass Soldaten aus der türkischen Armee eine große Schafsherde von einem Großgrundbesitzer gestohlen haben und diese über die Grenze in den Iran verkauft haben. Bevor sich dieser Skandal aber verbreiten konnte, suchte sich das Militär auch schon eine Lösung, um das eigene Gesicht wahren zu können. So wurden im Jahre 1943 auf Befehl von General Muglali 33 Männer für eine angebliche Anhörung wegen über die Grenze betriebenen Schmuggels, der ihnen in die Schuhe geschoben wurde, an die Armee ausgeliefert. Die Männer wurden in die Nähe der iranischen Grenze gebracht und dort auf der Stelle erschossen.
Nach einigen Jahren thematisierte der Dichter Ahmed Arif mit seinem Gedicht „33 Kugeln“ das Massaker an den 33 kurdischen Männern am Sefo-Bach in Van zum ersten Mal in der Türkei, welches bis dahin ein absolutes Tabu gewesen war. Dies hatte für ihn natürlich auch Konsequenzen. So wurde er aufgrund seines Gedichtes verfolgt und schließlich festgenommen. Ende der 80er Jahre veröffentlichte auch der Autos Ismail Besikci seine Forschung zum Massaker am Sefo-Bach und kam dafür ebenfalls ins Gefängnis.
Das Theater Pencere aus Köln bringt am 17. und 19. Februar das Stück „33 Schüsse“ mit einer Neuinszenierung von Mahmut Canbay in Köln auf die Bühne der Kulturen und zeigt, dass die Geschichte der Massaker noch heute kein Ende gefunden hat. Denn vor Kurzem erst wurden erneut 35 Zivilisten im kurdischen Uludere getötet, mit der Begründung, Schmuggel im Grenzgebiet betrieben zu haben. Zuvor begeisterte die neun-köpfige Theatergruppe in Dortmund und Hamburg mit ihrem Antikriegsstück die Zuschauer.
