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Bundeswehr auf Grönland – Rückzug nach 44 Stunden

Bundeswehr-Kommando tritt im Passagierflugzeug den Rückzug an. Keine zwei Tage im Einsatz und dann ein überstürzter Abzug im Morgengrauen. Nachts kommt aus Berlin der Befehl zum sofortigen Abmarsch. Das Marschgepäck und persönliche Sachen werden in aller Eile zusammengepackt. Bereits um 8:30 Uhr am Sonntagmorgen steht die Truppe auf dem Flughafen von Nuuk. Am 18. Januar verlässt das Bundeswehr-Kommando um 11:05 Uhr mit dem Linienflug FI116 von Icelandair die arktische Insel Grönland. Angekündigt war ein längerfristiger Aufenthalt zur Erkundung von Übungs- und Stationierungsmöglichkeiten. 

Paul Otto

Erst am Freitag, den 16. Januar trafen die Bundeswehr-Soldaten mit einem dänischen Militärflugzeug in Grönland ein. Die Bundeswehr schreibt in einer Pressemitteilung „Der Auftrag ist, grundlegende Erkenntnisse zu den Rahmenbedingungen vor Ort für Einsatz- und Übungsmöglichkeiten zu erheben“. Laut Generalleutnant im Ruhestand Erhard Bühler hatte das Bundeswehrkommando den Auftrag „temporäre Einsätze von Seefernaufklärern oder großen Drohnen auf Grönland zu prüfen“ und Informationen zu sammeln, um die Entscheidung über eine mögliche Stationierung von Bundeswehrsoldaten vorzubereiten.

Rote Linie und verbale Rückzugsgefechte mit luftigen Erklärungen

Am Samstag Abend, vor dem überstürzten Abzug, teilt der Einsatzleiter Flottillenadmiral Stefan Dieter Pauly noch mit, dass in den nächsten Tagen mit den dänischen Partnern eine Einsatzbesprechung erfolgen wird. Stunden später, nach dem überraschenden Rückflug, verkündet ein Sprecher der Bundeswehr etwas hilflos, der Auftrag sei planmäßig erledigt worden und “die Erkundungsergebnisse werden in den kommenden Tagen ausgewertet”. Dazu muss gesagt werden, das dieser Einsatz als Reaktion auf den Besitzanspruch der USA auf Grönland gedacht ist. Der Marschbefehl erfolgt nach einem ergebnislosen Krisentreffen zwischen den USA, Dänemark und Grönland in Washington. Neben der Bundeswehr werden Militärs aus Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Finnland nach Grönland befohlen. In der Ausstrahlung von ZDF heute wird das Geschehen wie folgt kommentiert: „Grönland gehört zu Dänemark, ist reich an Rohstoffen und auch militärstrategisch wichtig. US-Präsident Trump droht immer wieder damit die Insel zu übernehmen.“ und „In Grönland versammeln sich jetzt zahlreiche NATO-Staaten, nicht nur um die Arktis-Flanke zu stärken, sondern auch um das Signal an Donald Trump zu senden: Greifst du Grönland an, greifst du uns an. Eine Art rote Linie im Schnee.“

Gegenseitige Drohungen zwischen den USA und ihren europäischen NATO-Partnern

Der symbolischen Entsendung deutscher und weiterer Soldaten gehen Drohungen der USA voraus, Grönland militärisch zu erobern, falls mit Dänemark keine Einigung über einen Kaufvertrag zustande kommt. Karoline Leavitt, US-Regierungssprecherin zur Entsendung europäischer Militärs nach Grönland “Ich glaube nicht, dass Soldaten in Europa den Entscheidungsprozess des Präsidenten beeinflussen oder dass das irgendeinen Einfluss auf sein Ziel hat, Grönland zu erwerben”. Einen Tag nach Eintreffen europäischer Militärs in Nuuk, teilt US-Präsident Trump den europäischen Entsendestaaten über Social Media mit, weitere Strafzölle zu erheben, wenn sie sich gegen die geplante Annexion Grönlands stellen. Zuletzt hatte im vergangenen Sommer die deutsche Präsidentin der EU-Kommission Ursula von der Leyen Strafzölle in Höhe von 15 Prozent akzeptiert. Die europäischen Staaten kontern die erneute Erpressung mit Überlegungen, ebenfalls Sonderzölle auf Waren aus den USA in Höhe von 93 Milliarden Euro in Kraft zu setzen. Diskutiert wird das Inkraftsetzen der EU-Verordnung 2023/2675 gegen Zwangsmaßnahmen durch Nicht-EU-Länder. Diese ermöglicht es der EU Gegenmaßnahmen, wie Einfuhrzölle und Handelsbeschränkungen bis hin zur Untersagung des Marktzugangs für bestimmte Unternehmen, zu ergreifen.

Konflikt um Grönland bedroht Stabilität des Finanzmarktes und US-Staatshaushalt

Die Deutsche Bank bringt den Verkauf US-amerikanischer Finanztitel ins Spiel und verweist darauf, dass die europäischen Länder US-Anleihen und Aktien im Wert von acht Billionen Dollar besitzen. „Fast doppelt so viel wie der Rest der Welt ‍zusammen“, sagt der Finanzanalyst George Saravelos. Der zur Allianz-Gruppe gehörende Finanzinvestor PIMCO zieht Kapital aus den USA ab. Dänische und schwedische Pensionsfonds verkünden, US-Staatsanleihen verkaufen zu wollen. Ein umfangreicher Verkauf von Staatsanleihen würde Kredite für die USA massiv verteuern und die Staatsausgaben der USA aus dem Gleichgewicht bringen. US-Finanzminister Scott Bessent telefoniert mit dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Christian Sewing. In dem Telefonat distanziert sich der Chef der Deutschen Bank von der Überlegung, die Macht Europas als Kreditgeber der USA auszuspielen. Nachdem die US-amerikanischen Aktien-Indices am 20. Januar einen starken Wertverlust verzeichnen und der Preis der US-Schuldtitel sinkt, wird die Eskalation am 21. Januar durch Donald Trump beendet. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos schließt er den Einsatz von Militär zur Annexion Grönlands aus. Die angekündigten Strafzölle sollen nun doch nicht in Kraft treten. Für den Fall, dass die Europäer in großem Stil US-Staatsanleihen abstoßen sollten, droht er vehemente Vergeltungsmaßnahmen an. Sollte dies geschehen, würden die USA mit einem „großen Gegenschlag“ antworten, sagt Trump dem US-Sender Fox Business.

Grönland ist keine Immobilie, welche zum Verkauf steht

Schon 1946 boten die USA 100 Millionen US-Dollar in Gold für den Kauf von Grönland. Dänemark lehnte damals ab. Der Konflikt zwischen den europäischen Regierungen und Washington um Grönland mit seinen 57.000 Einwohnern ist ohnehin fraglich. Grönland ist nicht selbständig, sondern eine Kolonie Dänemarks und somit nicht Mitglied der Europäischen Union. Anfang 2025 fordert der damalige Regierungschef Grönlands Múte Egede die Unabhängigkeit von Dänemark und will die “Fesseln des Kolonialismus” lösen. „Es ist an der Zeit, dass wir selbst einen Schritt unternehmen und unsere Zukunft gestalten.“ so Egede. Als Donald Trump dann erneut im vergangenen Jahr den Anspruch der USA auf das Territorium und die Rohstoffe Grönlands verkündet, organisiert sein Nachfolger als Regierungschef Grönlands, Jens-Frederik Nielsen eine der bisher größten Demonstrationen und führt rund tausend Einwohner der Stadt vor das US-Konsulat. Die Demonstrierenden halten Schilder mit Aufschriften wie «Grönland steht nicht zum Verkauf» in die Höhe. Premierminister Nielsen an den vormaligen Immobilienmakler Donald Trump „Grönland ist keine Immobilie“.

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