Vor einem Jahr überschritt die Zahl der Milliardäre weltweit erstmals die Marke von 3000. Nur zwölf Monate später liegt sie bereits bei 3428. Das entspricht einer Zunahme von rund 14 Prozent innerhalb eines Jahres. Wenn man vergleichsweise die Entwicklung seit der Entstehung des ersten Milliardärs im Jahr 1916 hochrechnet, ergibt sich eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von etwa 7,5 Prozent. Die Zahl der Milliardäre wächst heute also fast doppelt so schnell wie im historischen Durchschnitt.
Robert Planz
Der erste Milliardär der Geschichte war der amerikanische Öl-Großkapitalist John D. Rockefeller. Sein Vermögen entspricht inflationsbereinigt etwa 30 Milliarden US-Dollar. Heute verfügt der reichste Mensch der Welt, der ultrareaktionäre Elon Musk, über ein Vermögen von mehr als 800 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie noch vor einem Jahr. Die extreme Konzentration von Reichtum hat damit eine völlig neue Dimension erreicht. Der reichste hierzulande ist Dieter Schwarz, Gründer der Schwarz-Gruppe mit der Discounterkette Lidl und einem Vermögen von 67 Milliarden US-Dollar auf Platz 29 der Rangliste. Selbst ohne die Berücksichtigung von jeglichen Ausgaben wären beim durchschnittlichen Nettojahreseinkommen in Deutschland über 30.000 Jahre nötig, um eine Milliarde zu erarbeiten. Hieran sollte klar werden, inwiefern man bei den Milliardären von„“erarbeitetem” Reichtum sprechen kann.
Diese Entwicklung findet in einer Zeit statt, in der immer wieder von wirtschaftlicher Stagnation und Krisen gesprochen wird. Tatsächlich wird die Weltwirtschaft seit Jahren von Krisen erschüttert, die ihre Wurzeln in der den Produktionsverhältnissen innewohnenden Überproduktion haben und mit der voranschreitenden Neuaufteilung zwischen den Imperialisten einhergehen. Doch während seit 50 Jahren die Reallöhne stagnieren, wächst das Vermögen der Besitzer von Banken und Konzernen weiter. Die Zahl der Milliardäre steigt besonders in den letzten Jahren immer schneller. Das “Forbes-Magazin” benennt 2026 zum “Jahr der Milliardäre”. Es spricht ebenfalls davon, dass sich die Konzentration des Reichtums durch einen auf Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz zurückzuführenden Börsenboom erklären lässt. Der von den Arbeitern erzeugte Mehrwert, der von den Bossen abgeschöpft wird, erreicht mittlerweile also solche Größen, dass sie nicht mehr wissen, wohin überhaupt damit. Nicht ohne Grund sind sogenannte Kryptowährungen ebenfalls maßgeblich an der Steigerung des Vermögens der Ultrareichen beteiligt. Spekulation mit Wertpapieren oder Kryptowährungen sind ein Ausweg für sie, ihr Vermögen vor der Inflation zu bewahren und trotz desstagnierenden Konsums weiterhin zu vermehren.
In Deutschland etwa steigt die Produktivität seit etwa 50 Jahren doppelt so viel wie die Reallöhne und steht in keinem Verhältnis zu ihnen. Besonders zeigt sich das in der Automobilbranche. Der Arbeiter betritt zu Beginn seiner Schicht die Fabrik und beginnt zu produzieren. Nur etwa die ersten 30 Minuten seiner Schicht arbeitet er dafür, um den Gegenwert seines eigenen Lohns zu erzeugen. Ein weiterer geringer Anteil ist für die Deckung der Kosten von Rohstoffen und der Anschaffung und Instandhaltung der Produktionsmittel notwendig. Doch den größten Teil seiner Arbeitszeit arbeitet er nicht für sich. Dieser Teil seiner Arbeit fließt in die Profite der Unternehmen und vergrößert die Vermögen der Superreichen.
Die Superreichen inszenieren sich gern als Philanthropen und Wohltäter. Sie verweisen darauf, dass auch für die Arbeiter etwas größere Krümel vom Kuchen, den diese selbst herstellen, abfallen. Doch der gesamte Kuchen hat mittlerweile eine solche Größe erreicht, dass man ihn gar nicht komplett überblicken kann, weil er proportional noch stärker gewachsen ist, als die von ihm abfallenden Krümel, sollte einem klar werden, dass die Selbstbeweihräucherung als spendable Menschenfreunde nur die Fassade zur Aufrechterhaltung der immer stärken Verelendung ist.

