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DGB-Chef auf Abwegen

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Reiner Hoffman bezeichnet in einem Brief an den Vorsitzenden des Deutschen Beamtenbundes (DBB) das Auftreten der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) als imageschädigend. In ungewöhnlich forschem Ton fordert Hoffmann den DBB dazu auf die GDL zu mäßigen. Die GDL, Mitgliedsorganisation im DBB, würde „ohne Rücksicht auf öffentliche Ansehensverluste der deutschen Gewerkschaften in ihrer Gesamtheit die eigene Einflusssphäre ausbauen“. Am vergangenen Samstag hatte die GDL, die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, zum Warnstreik aufgerufen. Zwischen 6 und 9 Uhr wurden knapp 90 Prozent aller Züge der Deutschen Bahn bestreikt.

Hoffmans Brief ist Teil eines Tarifkonflikts zwischen GDL und EVG um die Vertretungsrechte einzelner Mitarbeitergruppen. 80 Prozent der Lokführer und 33 Prozent des Zugpersonals sind nach eigenen Angaben bei der GDL organisiert, damit vertreten sie etwa 20 000 Arbeiter. Die Eisenbahn – und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Mitglied im DGB,  vertritt die restlichen 140 000 Mitarbeiter der DB. Die EVG möchte die gesamte Belegschaft vertreten. Die GDL beansprucht für sich eigenständig mit der Bahn Tarifverhandlungen für das Zugpersonal aufnehmen zu können.

Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen

 

Die GDL sorgte bereits 2008 für Schlagzeilen, als die Lokführer eine Lohnsteigerung von elf Prozent und eine Einmalzahlung von 800 Euro erkämpften. Die DB AG war damals mit massivem Aufwand gegen die Streikenden vorgegangen und hatte versucht ihnen gerichtlich das Streikrecht zu entziehen. Beim aktuellen Tarifstreit weigert sich  die DB die GDL als Tarifpartner zu akzeptieren. Die GDL fordert mit ihrem aktuellen Warnstreik mit der DB unter anderem „fünf Prozent mehr Entgelt, eine zweistündige Arbeitszeitverkürzung auf 37 Stunden pro Woche ab 2015, nur noch 50 statt bisher unbegrenzte Überstunden im Jahr sowie einen 50-prozentigen Zeitzuschlag bei Schichtverlängerungen, zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf maximal fünf Schichten in 120 Stunden (fünf Tagen) und eine dem Gewinn des Konzerns entsprechende Mitarbeiterbeteiligung“.

 

Hartnäckig hält sich die Wahrnehmung dass, die GDL eine privilegierte Mitarbeitergruppe mit überzogenen Forderungen vertreten würde. Doch mit knapp 2700 Euro Brutto im Monat liegen sie 600 Euro unter dem Durchschnittsbruttoverdienst aller Angestellten in Deutschland. Der Nettoverdienst der Lokführer liegt bei knapp 2000 Euro. Der Bruttoverdienst des achtköpfigen DB-Vorstandes liegt im Vergleicht dazu bei über 13 Millionen Euro. Der Gewinn der Bahn hatte 2012 und 2013 insgesamt 2,1 Milliarden Euro betragen.  Damit wirkt auch die Argumentation unglaubhaft, die GDL führe mit ihren Forderungen zu einer Erhöhung der Fahrpreise und einer Minderung der Wettbewerbsfähigkeit der Bahn.

 

Solidarität: Für wen?

 

Die Kritik Hoffmans, dass der Tarifstreit der GDL „nicht vereinbar mit einer solidarischen Interessenvertretung aller Arbeitnehmer“ sei, trifft den Kern des Konflikts nicht. Während der DGB-Chef mit seinem Brief nur Solidarität mit der DB zeigt, fällt die GDL mit ihren kämpferischen Forderungen positiv auf. Denn die Forderungen der GDL richten sich nicht gegen die 140 000 EVG-Kollegen, sie erstreiten sich ihr Recht gegen die DB. Unsolidarisch ist es vielmehr die GDL medial zu diskreditieren. Statt sich gegenseitig mit Streitereien aufzureiben ist es Aufgabe des DGB und damit der EVG an der Seite der GDL Kollegen zu stehen und  gemeinsam mit ihnen für faire Arbeitsbedingungen und gerecht Löhne zu kämpfen.

 

NL

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