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Hochschulaktionstag 2026: Studierende und Beschäftigte zusammenbringen!

Der Hochschulaktionstag (HAT) 2026 hat im Rahmen der Tarifrunde der Länder in über 70 Städten Beschäftigte der Hochschulen auf die Straße gebracht. In Hamburg zog mit über 1.000 Teilnehmenden eine starke Demonstration durch die Straßen, bei der vor allem auch Studierende gegen die Kürzungen und in Solidarität mit den Beschäftigten protestierten. Wir haben mit Elias Gerstner, Referent für Campusdemokratie beim AStA der Uni Hamburg darüber gesprochen, wie dieses Bündnis geschafft wurde und wie es jetzt weitergeht.

Hanna Lubcke 

Der Hochschulaktionstag war für euch ein Erfolg – es waren viele Studierende auf der Straße. Worum ging es genau?

Hier in Hamburg äußern sich die Kürzungen, die wir an Unis deutschlandweit beobachten, durch einen Abbau der Lehre. In den nächsten Jahren rechnen wir mit weiteren Kürzungen von bis zu 24,5 % in den Fakultäten. Ausfallende und überfüllte Seminare, AGs und Vorlesungen sowie wegfallenden Professuren und Schwerpunkte spüren wir Studierende bereits überall. Für die Beschäftigten bedeutet dies, dass die Überlastung und Unterbesetzung zunehmen und ein Abbau von bis zu 400 Stellen bis 2032 angekündigt wurde. Davon sind vor allem die Beschäftigten in Kettenverträgen betroffen, insbesondere die studentisch Beschäftigten, welche auch ohne Tarifvertrag arbeiten müssen und so weitaus prekärer angestellt sind. 

Mit dem Beginn der Kürzungswelle haben wir bereits vor über einem Jahr angefangen, unseren Protest auf den Campus zu tragen – als Hochschulgruppen, AStA, Fachschaftsräte und Gewerkschaften. Zentrale Forderungen gegenüber der Stadt und dem Unipräsidium waren dabei die Ausfinanzierung der Hochschule, sichere und gute Arbeits- sowie Studienbedingungen, der Stopp der Kürzungen und eine offene Unterstützung der Protestbewegung durch das Präsidium. Da es aber von Anfang an nicht einfach war, überhaupt an die Informationen heranzukommen und auch weiterhin eine hohe Unsicherheit diesbezüglich existiert, müssen wir auch immer wieder Transparenz zur Finanzlage der Uni fordern.

Parallel zu diesem Protest liefen dann auch die Verhandlungen des Tarifvertrags der Länder an, die der Finanzsenator der Stadt Hamburg, Andreas Dressel, für die Arbeitgeberseite verhandelt. Nicht nur für die studentisch Beschäftigten, die im Rahmen der Tarifrunde um einen Tarifvertrag kämpfen, sondern für alle Studierenden ist dieser Kampf von Bedeutung: Er richtet sich gegen die Sparpolitik, die auch uns trifft. Für uns war es uns von Anfang an wichtig, die Forderungen der Kollegen im TV-L, wie z.B. die 7 % Lohnerhöhung, aber mindestens 300 €, zu unterstützen und die Aktivitäten der Studierenden und Beschäftigten zusammenzuführen.

Wie sah die Vorbereitung auf den Hochschulaktionstag aus?

Anschließend an vorherige Proteste haben wir uns als Bündnis zusammengefunden und vorgenommen, Studierende und Beschäftigte auf die Straße zu bringen und neben dem Streik auch die Hörsäle zu leeren. Wir haben als Hilfe gemeinsam einen Leitfaden zur Mobilisierung verfasst, der vor allem auf die Organisierung in den Fachbereichen abzielte. Besonders die Fachschaftsräte waren dabei wichtig, denn sie sind besonders nah am Studierendenalltag und dort spüren wir die Kürzungen direkt. In den Wochen vor dem Aktionstag wurden zum Thema Kürzungen Vollversammlungen, Infostände, Flyer- und Plakatieraktionen durchgeführt und durch die Seminare und Vorlesungen gegangen, um die Studierenden der Universität über ihre und die Lage der Hochschule zu informieren und zu zeigen, wie man aktiv werden kann. Wir haben große Videos mit Infos an die Gebäude projiziert, einen Barabend organisiert und vieles mehr. Der Hochschulaktionstag sollte so präsent auf dem Campus sein wie möglich. 

Wie lief der HAT ab?

Der Aktionstag begann mit einer Kundgebung auf dem Hauptcampus der Uni, welche mit einer Zubringerdemo von weiteren Standorten, darunter die Fachhochschule und einem besonders aktiven Campus, der Bundesstraße, gestärkt wurde. Auf dieser Kundgebung wurden Reden von Vertretern der Gewerkschaften und Studierenden, sowie durch Hochschulgruppen und Initiativen, wie z.B. dem Internationalen Jugendverband oder der Initiative TV-Stud gehalten. 

In den Reden wurde von Angriffe auf die Arbeit aller Beschäftigter, insbesondere der Studentischen, berichtet, die Politik angeprangert sowie der Zusammenhang der Kürzungen in Bildung und Sozialem mit der zunehmenden Militarisierung und Aufrüstung aufgezeigt. Forderungen auf Transparenten und Plakaten richteten sich genau gegen diese Politik, wie z.B. im Slogan „Ihre Kriegskosten: Unsere Kürzungen“ als auch „Weil Sparen an Bildung sparen an Zukunft ist“. 

Die anschließende Demonstration zur HAW wurde mit Sprechchören wie „TV-Stud jetzt!“ oder „Bei der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nichts“ begleitet.

Nach der Demo ging zurück an den Hauptcampus, wo auf einem Podium mit Vertretern von TV-Stud, der ver.di-Betriebsgruppe, der Initiative „Geos gegen Kürzungen“ und uns aus dem Referat für Campusdemokratie des AStA diskutiert wurde, wie die Bewegung weitergehen muss. Wir waren uns einig, dass der eingeschlagene Weg richtig ist und wir weitere Formen finden müssen, um den Protest nach vorne zu bringen.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Tarifrunde ist noch nicht vorbei, im Gegenteil: Die Arbeitgeberseite zeigt sich uneinsichtig. Darum werden die Beschäftigten weiter streiken und wir als Studierende werden auch weiter solidarisch dabei sein. Aber auch über die Tarifrunde hinaus werden die Gründe bestehen bleiben, wegen denen wir protestieren müssen. Darum muss das Bündnis aus Studierenden und Beschäftigten weiter ausgebaut werden. Es wird einen gemeinsamen Austausch und gemeinsame Aktionen aller an der Uni arbeitenden, lehrenden und lernenden benötigen. Da stehen wir jetzt vor der Herausforderungen, neue Formen und Möglichkeiten zu finden und noch mehr Studierende und Beschäftigte einzubeziehen. 

Wichtig um die Kämpfe zusammenzuführen ist, dass wir die Fragen der Kürzungen und des Arbeitskampfes als politische und nicht rein ökonomische Fragen begreifen und behandeln. Dazu müssen wir auch die aktuelle Politik des Sozialabbaus einordnen, der ein Angriff auf uns alle ist, egal ob wir studieren oder arbeiten. Eine langfristige Perspektive kann nur im gemeinsamen Kampf der Beschäftigten und Studierenden liegen, denn am Ende sind gute Studienbedingungen nur durch gute Arbeitsbedingungen möglich und umgekehrt.  

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