Von Afrika über den Nahen Osten bis nach Lateinamerika nehmen bewaffnete Konflikte weltweit weiter zu. Aktuelle politische Entwicklungen und öffentliche Stellungnahmen lassen kaum darauf schließen, dass sich diese Situation in absehbarer Zeit entspannen wird.
Die Leidtragenden dieser Kriegs- und Krisensituationen sind vor allem Kinder und Jugendliche. Sie wachsen in Unsicherheit auf, verlieren den Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung und Schutz und sind häufig direkter Gewalt ausgesetzt.
Nach Angaben von UNICEF hat sich die Zahl der Kinder, die in Kriegs- und Krisengebieten leben, seit Mitte der 1990er Jahre verdoppelt. Die Vereinten Nationen verzeichneten für das Jahr 2024 einen historischen Höchststand schwerer Kinderrechtsverletzungen. Innerhalb eines Jahres wurden über 41.000 gravierende Fälle dokumentiert – ein Anstieg von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dazu zählen Tötungen, Verstümmelungen, Entführungen, Rekrutierungen durch bewaffnete Gruppen sowie sexualisierte Gewalt und der Entzug grundlegender Schutz- und Bildungsangebote.
Auch wenn noch keine vollständigen Zahlen für 2025 vorliegen, zeigen erste Auswertungen das dramatische Ausmaß der Gewalt. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden allein in der Demokratischen Republik Kongo mehr als 35.000 Fälle sexualisierter Gewalt an Kindern registriert.
Neben Gewalt und Vertreibung verschärft sich auch die weltweite Ernährungskrise. Laut dem UN-Bericht The State of Food Security and Nutrition in the World leiden rund 43 Millionen Kinder unter fünf Jahren an akuter Mangelernährung, weitere 150 Millionen sind chronisch unterversorgt. Im Jahr 2025 wurde erstmals innerhalb eines Jahres in zwei Ländern eine Hungersnot offiziell bestätigt – ausgelöst durch bewaffnete Konflikte, unter anderem im Sudan und im Gazastreifen.
Globale Konflikte, die Folgen des Klimawandels oder Kürzungen internationaler Hilfsprogramme gefährden jahrzehntelange Fortschritte im Kinderschutz. Der UNICEF-Bericht State of the World’s Children 2025 zeigt, dass mehr als jedes fünfte Kind in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen unter mehreren schweren Entbehrungen leidet – etwa in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Ernährung, Wohnen und Wasserversorgung.
UNICEF-Geschäftsführer Christian Schneider spricht in diesem Zusammenhang von einem deutlichen Versagen der globalen Politik gegenüber Kindern und Jugendlichen und appelliert eindringlich an die internationale Gemeinschaft, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.
Auch Statistiken der Statista zeigen den besorgniserregenden Trend: Die Zahl bewaffneter Konflikte ist weltweit stark angestiegen. Während 1946 lediglich elf Konflikte gezählt wurden, waren es im Jahr 2024 bereits über 60 Kriege und Auseinandersetzungen. Auch wenn endgültige Zahlen für 2025 noch ausstehen, deuten aktuelle Entwicklungen nicht auf eine Entspannung der Lage hin.
Die Berichte machen deutlich, wer die Hauptleidtragenden von Krieg, Hunger und Krise sind: Kinder und Jugendliche, die am wenigsten Verantwortung tragen, aber den höchsten Preis zahlen.

