Written by 16:00 DEUTSCH

Klimakonferenz in Belém – offener Streit und kein Ausstieg aus Kohle, Gas und Öl

Dilan Baran

Der UN-Klimagipfel COP30 im brasilianischen Belém endete am 23. November – und offenbarte tief gespaltene Weltbeziehungen. Was als entscheidende „Etappe auf dem Weg zu einer globalen Dekarbonisierung“ kommuniziert wurde, entpuppte sich als Schauplatz gegenseitiger Vorwürfe und wachsender Verzweiflung ohne fortschrittliche Beschlüsse.

Vertreter von 198 Vertragsparteien sowie tausende Beobachter aus NGOs und lokalen Behörden reisten in die Stadt am Amazonas. Insgesamt waren rund 50.000 Menschen vor Ort. Die USA waren – wie schon seit Beginn der Trump-Präsidentschaft – nicht offiziell vertreten; stattdessen nahm eine alternative Delegation aus Bundesstaaten und Kommunen teil.

Auf der COP29 in Baku hatten die Staaten zwar ein neues Ziel für die internationale Klimafinanzierung vereinbart, in zentralen Fragen wie dem Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas aber kaum Fortschritte erzielt. Dieser ungelöste Konflikt entlud sich nun in Belém mit voller Wucht.

Delegierte sprachen unverhohlen von Erpressung und Heuchelei. Harjeet Singh von der Satat Sampada Climate Foundation formulierte es drastisch: Die Verhandler verbrächten Tage mit Debatten über „den Rahmen der Debatte, um die eigentlich nötigen Beschlüsse zu verhindern. Sollte die COP30 ohne substanzielle Ergebnisse enden, werde sie „als die tödlichste Talkshow aller Zeiten“ in Erinnerung bleiben.

Deutlich wurde, dass nicht mehr nur die Industriestaaten als Blockierer auftreten, sondern auch große Schwellenländer – jene Staaten, deren Emissionen heute am stärksten wachsen. Doch auch sie wurden von anderen Delegationen nicht in die Ecke gedrängt. Denn viele arme Länder teilen ihre Skepsis: Ein Ausstieg aus fossilen Energien ist für sie nur dann realistisch, wenn kostenloser Technologietransfer und eine verlässliche, internationale Finanzierung der Energiewende gewährleistet werden. Doch genau diese Zusagen blockieren die wirtschaftsstarken Länder des globalen Norden weiterhin.

Ein verbindlicher Fahrplan für den Ausstieg aus dem zentralen Treiber der Erderwärmung – die Verbrennung von Öl, Kohle und Gas, auf den fast die Hälfte der Staaten drängte, blieb aus. Mächtige Lobbygruppen verhindern diesen Weg und deshalb kam auch die ausbleibende Einigung für viele Beobachter kaum überraschend.

Für besonders verletzliche Staaten ist diese Pattsituation kaum noch zu ertragen. Der panamaische Klimasonderbeauftragte Juan Carlos Monterrey zeigte sich fassungslos über einen Verhandlungstext, der zentrale Ursachen der Erderwärmung – fossile Energieträger und Entwaldung – nahezu ausklammere. Progressive Staaten, so klagte er, stünden zunehmend isoliert da.

Ein anonymer Verhandlungsführer beschrieb die Atmosphäre sogar als entmenschlicht: „Manchmal ist es, als würden wir mit Robotern streiten.

Auch Aisha Humaira, Leiterin der pakistanischen Delegation, fand deutliche Worte. Die Industrieländer müssten endlich ihre historische Verantwortung anerkennen: „Es geht um Klimagerechtigkeit.“ Viele wohlhabende Staaten verlangten ehrgeizige Schritte vom Globalen Süden, seien aber selbst nicht bereit, ihre Abhängigkeit von fossilen Energien konsequent zu beenden – und blockierten gleichzeitig Finanz- und Technologietransfers.

Aus Afrika kam der Vorwurf der offenen Erpressung. Tansanias Gesandter Richard Muyungi berichtete, Industrienationen hätten Anpassungshilfen an die Zustimmung zu Formulierungen über den fossilen Ausstieg geknüpft. „Es ist, als ob man unser Leben gegen etwas eintauscht, das wir nie verursacht haben.

Die brasilianische Sondergesandte Laurence Tubiana betonte hingegen die Untrennbarkeit beider Themen: Anpassungsfinanzierung ohne Verpflichtung zum fossilen Ausstieg sei widersinnig.

Am Ende stand in Belém weniger ein Kompromiss als eine ernüchternde Bestandsaufnahme: Die Völker der Erde müssen um ihr Überleben bangen, während mächtige Kapitalisten sie verspielen.

Close