Nach Angaben der Veranstalter demonstrierten am Freitagabend rund 3.000 Menschen auf dem Kölner Roncalliplatz für den Erhalt des Radiosenders COSMO. Zu der Solidaritätskundgebung mit Konzert hatte ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis unter Federführung der DIDF e. V. aufgerufen. Von 18.30 bis 21.00 Uhr verband die Veranstaltung Protest mit Kultur – für den Erhalt von COSMO und gegen die geplante Abwicklung des einzigen mehrsprachigen, interkulturellen Radioprogramms der ARD zum 1. April 2027.
Auf dem Platz kamen Menschen jeden Alters zusammen, Familien ebenso wie langjährige Hörerinnen und Hörer des Senders. Viele hielten Schilder in unterschiedlichen Sprachen in die Höhe, viele sangen bekannte Lieder mit. Immer wieder skandierte die Menge den Ruf „COSMO bleibt“. Die Auftritte der Musikerinnen und Musiker und die Redebeiträge wurden mit großem Applaus aufgenommen.
„Vielfalt entsteht nicht dadurch, dass man Orte der Vielfalt schließt. Vielfalt entsteht dadurch, dass man sie stärkt“, sagte Alev Bahadır, Vorsitzende der DIDF. Sie appellierte an den Sender: „Wer Vielfalt ernst meint, darf ihre stärkste Stimme nicht zum Schweigen bringen. Erhalten Sie COSMO.“
Ufuk Çakır, Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland, betonte den demokratischen Auftrag mehrsprachiger Angebote: „Teilhabe darf nicht nur auf dem Papier stehen. Teilhabe muss hörbar sein.“ Er erinnerte daran, dass Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mitfinanzieren: „Wer Rundfunkbeiträge zahlt, darf im Programm nicht unsichtbar werden.“ Und mit Blick auf die sprachliche Wirklichkeit des Landes: „Deutschland spricht nicht nur Deutsch.“ Digital könne ergänzen, dürfe aber nicht ersetzen.
Auf der Bühne standen unter anderem Patrice, Querbeat, Soufian von Bukahara, Omar Jatta, Fatih Çevikkollu, MC Rene, Conny, Liser, Tice, Vavunettha und Umut Piêra. Für Redebeiträge sorgten unter anderem Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrats NRW, sowie Vertreter*innen mehrerer demokratischer Parteien: Berivan Aymaz (Vizepräsidentin des Landtags NRW, Bündnis 90/Die Grünen), Teresa De Bellis-Olinger (Bürgermeisterin der Stadt Köln, CDU), Volkan Baran (MdL, SPD) und Vedat Akter (Mitglied des Landesvorstands Die Linke). Auch ver.di im WDR sprach.
Die Kundgebung fand einen Tag nach der Sitzung des WDR-Rundfunkrats statt. Eine Kurskorrektur bei COSMO blieb dort aus; der WDR hält weiter an der Reform fest. Zurückgezogen wurde bislang lediglich der geplante Name „1LIVE Street“. Für das Bündnis ist der Protest damit nicht beendet: Die rechtlichen Fragen bleiben ungeklärt, und der Widerstand gegen das COSMO-Aus geht weiter.

Fotoğraflar: Yücel Özdemir
Hintergrund:
Der Protest gegen die COSMO-Umwandlung ist in den vergangenen Wochen stark gewachsen. Über 110.000 Menschen haben die Petition zum Erhalt des Senders unterzeichnet, über 500 Organisationen und Unterstützende einen Offenen Brief mitgetragen. Ein medienrechtliches Gutachten von Prof. Dr. Hubertus Gersdorf, Universität Leipzig, beauftragt von den Neuen deutschen Medienmacher*innen, kommt zu dem Ergebnis, dass die geplante Umwandlung gegen das WDR-Gesetz verstößt. Der WDR weist dies zurück und beruft sich auf seine Programmfreiheit.

